Mittwoch, 22. April 2015

FK Zeljeznicar Sarajevo - Sloboda Tuzla 1:1

Premier Liga BiH
Stadion Grbavica
Zuschauer: ca. 4.000 (keine Gäste)

"Sarajevoooohooohooo"heulte Vucko, das Maskottchen der Olympischen Spiele 1984 vor jeder Übertragung. 31 Jahre später war man endlich selber einmal vor Ort.
Sarajevo liegt in einer weiten Ebene, dem sogenannten Feld von Sarajevo, und ist von mehreren Gebirgsmassiven umgeben, die bis zu 2000 Meter hoch in den Himmel ragen.
Der Fluss Miljacka fließt durch Sarajevo und ist dadurch sehr bekannt. Tatsächlich ist er aber nur einer von mehreren Nebenflüssen der Bosna, die nahe bei Sarajevo ihre Quelle hat und dem Land seinen Namen gibt. 
Die Belagerung begann im April 1992. Serbische Truppen bezogen auf den Bergen um Sarajevo Stellung, zogen in der Folgezeit den Belagerungsring zu und postierten etwa 250 Panzer, 120 Artilleriegeschütze sowie andere Waffen auf den Hügeln. Von dort nahmen sie die überwiegend von Moslems bewohnten Stadtviertel unter Beschluß, auch das Städt Zentrum mit seiner berühmten Altstadt, der Bascarsija. Die Frontline verlief zu Beginn der Kämpfe fast durch das Städt Zentrum und verschob sich später. Sarajevo war während des Krieges in zwei Teile zerbrochen, die jeweils von serbischen und moslemischen Truppen unter Beschuss genommen worden.
Während der dreieinhalb Jahre dauernden Belagerung war Sarajevo täglich in den Medien präsent. Die UNO richtete eine Luftbrücke zur Versorgung der Menschen ein und der Flughafen wurde während der Belagerungzur wichtigsten Verbindung zur Außenwelt.
Insgesamt forderte die Belagerung über 10.000 Tote, darunter 2.000 Kinder. Durch Granaten, Minen oder Scharfschützen wurden geschätzt 50.000 Menschen verletzt. 
Sehenswert ist die Altstadt Baskarskajia, Sarajevos alter Basar und das historische und kulturelle Zentrum der Stadt, auch das Olympiagelände wurde erkundet.
Sehr sehenswert ist der Tunnel Spasa, der sogenannte Sarajevo-Tunnel, dieser wurde zwischen März und Juni 1993 während der Belagerung von der bosnischen Armee mitten im Bosnienkrieg gebaut. Da die Stadt vollständig von serbischen Streitkräften abgeschnitten war, dieser verband das von Bosnien gehaltenen Gebiet mit dem auf der anderen Seite vom Flughafen einem von den Vereinten Nationen kontrollierten Gebiet. Sehr interessant und beklemmend das ganze. Ausserdem machte ich einen Ausflug nach Srebrenica und besuchte eine sehr gute Fotoausstellung zum Thema Bosnienkrieg, da mich die Thematik sehr interessiert. Hoffen wir dass es sowas nie wieder gibt !
Mittwochs stand endlich Fussball auf dem Programm. So ging es zu Fuss in den Stadtteil Grbavica, zum gleichnamigen Stadion.
Was für ein geiles Teil ! Eine Hintertortribüne die eher modern daher kommt, mit blauen Schalensitzen und weissen "FK Zeljo"-Schriftzug und komplett überdacht ist. Die Ecken sind schon ent-sitzschalt, in einer befindet sich der Gästeblock.Erinnert mich an Bochum.
Gegenüber eine weitläufige Kurve auf der sich die Heimfans befinden. Über den Stehstufen gibts 4 Blöcke Sitzplätze und darüber eine Anzeigetafel aus den 70ern.
Gegentribüne besteht nur aus Stehstufen mit einer dem Verein seinen Namen gebenden Old-School-Eisenbahn.
Die Haupttribüne ist zweigeteilt, einmal ein Holzkonstrukt mit unüberdachten Sitzplätzen und einmal überdacht.
Heute stand das Spiel ganz im Zeichen der Trauer um Mirza Rescic, der in der Woche vorher erschossen wurde und nur 26 Jahre alt wurde.
Er war ein beliebter Fan der "Manijaci"(The Maniacs 87), der durch grosse Vereinsliebe, aus der er sogar seinen Job kündigte,auffiel. Ihm zu Ehren war vor der Süd das Banner "Mirza Rescic, Maniac bis zum Ende" angebracht.Auch auf einem Flutlicht wurde ein Transparent mit seinem Konterfei und Namen angebracht , ausserdem hing ein weiteres Trauer-Transparent im Stadion.Auch die Spieler liefen in schwarzen T-Shirts mit seinem Foto auf.
Bis zur 26.min wurde geschwiegen, dann winkte der Capo alle Mann in die mittleren 2 Sitzplatz-Blöcke der Kurve zusammen und ein Spruchband wurde hochgehalten, auf dem sinngemäss stand: "Du warst ein Vorbild für Verensliebe, jetzt lässt du die Kurve im Schmerz zurück. Ruhe in Frieden , Mirza!"
Dazu gingen 26 Bengalen an und es wurde ihm zu Ehren etwas gesungen. Dann wurden die Zaunfahnen abgenommen und den Rest des Spiels geschwiegen.
Ob die Gruppe diese Saison überhaupt noch supportet, wird erst noch entschieden.Gäste aus dem 2h entfernten Tuzla waren keine anwesend. Es soll ein Abkommen gegeben haben, dass sie wegen des Todesfalls und dem Umstand, dass im Umkreis von 4 km 2 weitere Erstliga-Spiele um 16:30 (!!!) stattfanden, nicht fahren.
Das Spiel wiederum sehr zäh. Nach früher Führung für Zeljeznicar konnte Tuzla ausgleichen und ein nicht gegebener Handelfer für das Heimteam, konnte den Pöbel auf der Nord noch kurz in Wallung bringen.
Zwar schade das "The Maniacs " nicht supporteten, doch manchmal gibt es wichtigeres als Fussball und eine stimmungsvolle Kurve !
Auch von mir ein RIP Mirza !

Text/Fotos: +++Pressi+++