U21-Liga Ukraine
Stadion Meteor
Zuschauer: 200 (ca 10 Gäste)
In der Ukraine spielt die zweite Mannschaft der Premier Liga Teilnehmer
immer ein Tag vor der Ersten. In Dnipropetrovsk wollte ich unbedingt zu
der zweiten Mannschaft gehen und so suchte ich mir zwei Tage aus und
fuhr mit dem Zug aus Odessa nach Dnipropetrovsk. Im Gegensatz zu den
anderen Reserven, die auf Trainingsgelände ihre Spiele austragen, ist
das Stadion der Dnipro-Reserve schon sehr interessant. Und die sieben
Flutlichtmasten machen es schon fast zu einem einzigartigen Ground.
Hier kickte seit 1978 bis zur Eröffnung des neuen Stadions im Jahr
2008 die erste Mannschaft von Dnipro. Die Stadt Dnipropetrovsk ist ein
großes Industriezentrum der Ukraine und so wurde auch das Stadion Meteor
in den Sowjetjahren im Auftrag von einem bekannten Betrieb Juschmasch,
welches selbst Raketen, Satelliten und Raumfahrzeuge herstellt, gebaut.
Auch drei deutsche Mannschaften durften hier einst ran. Das letzte Mal
war es der Hamburger SV im Jahr 2003. Damals verlor der HSV hier 3:0 und
flog aus dem UEFA-Cup.
Der Ground liegt ziemlich außerhalb des
Stadtzentrums. Ich unterschätzte die Entfernung und kam leicht
verspätet dort an. Verpasst habe ich aber selbstverständlich nichts. Im
Stadion waren zwar ein paar Dutzend Fans beider Mannschaften - die
beiden Szenen sind stark befreundet. Support gab es aber wie erwartet
keinen. Sie saßen einfach verteilt auf der Haupttribüne und quatschten
das ganze Spiel über. Ein paar Jungere, denen das Rumgesitze wohl zu
langweilig war, machten auf sich aufmerksam, indem sie zuerst auf die
Anzeigetafel kletterten und dann sogar einen Flutlichtmast mit einem
Schwenker bestiegen.
Was heute auf dem Platz geboten war, ging auch
völlig in Ordnung. Es trafen nämlich auch zwei talentierte Mannschaften
aufeinander. Dnipro hat eine der besten Jugendabteilungen der Ukraine
und auch Karpaty bringen zuletzt viele Talente in die ukrainische
Fussballwelt.
Nach dem Spiel ging es mit ein paar Freunden zur
Promenade am Fluss Dnipro. Dort steht ein halbfertiges Hotel namens
Parus. Der Bau des Hochhauses wurde fast vor 40 Jahren begonnen. Wegen
der fehlenden Finanzierung wurde es damals nicht fertiggestellt und so
wurde eine Baustelle zu einem Symbol der Stadt. Nachdem wir ein paar
schwere Stellen überwunden haben und die Treppe auf den letzten 28 Stock
hochgelaufen sind, stand man 114 Meter über der Stadt!
Übrigens
schmückt seit diesem Jahr das ukrainische Wappen das Hochhaus. Die
Fanszene von Dnipro malte es als die Patriotismus-Welle infolge der
ukrainischen Revolution in der Stadt begann.
Fotos/Text: Шаффи