DFB-Pokal 2. Runde
Westfalenstadion
Zuschauer: 79 037 (ca. 12 000 Berliner)
Während wohl jeder Fußballbegeisterte des Landes schon mal im größten
deutschen Stadion war, sollte es für mich erst jetzt zum ersten Mal nach
Dortmund gehen. Ich wollte mir immer schon vor Augen führen, ob es sich
bei der Stimmung im Westfalenstadion um ein Mythos oder eben die
Wahrheit handelt… So sollte es aus dem schönen Mainfranken in den
weniger schönen Ruhrpott zum Spiel der 2. Pokalrunde gehen.
Am Würzburger Bahnhof angekommen erstmal die negative Überraschung: Mein
Intercity nach Dortmund hat eine Verspätung von 90 Minuten und verkehrt
heute nur bis Frankfurt. Bevor ich den Teufel an die Wand malte, ging
ich aber zuerst zum Infopoint. Dort bekam ich problemlos die Zugbindung
aufgehoben und nahm einen ICE nach Essen.
Schlussendlich war ich sogar
früher da als ich es mit dem gebuchten Zug gewesen wäre.
Mit einem ukrainischen Landsmann ging es recht früh zum
Westfalenstadion. In der Gegend waren schon mengenweise saufende
Unioner, welche heute mit ganzen drei Sonderzügen zu ihrem ersten Spiel
in Dortmund angereist sind. Alle Gäste trugen die einheitliche rote
Regenjacke mit der Aufschrift „Keine Wand ist unbezwingbar“, was ein
super Bild sowohl innerhalb als außerhalb des Stadions abgab.
Mehr als eine Stunde vor dem Spiel betraten wir unseren Block 68 im
Oberrang der Nordtribüne. Für den stolzen Preis von 32 Euro ist es noch
der günstigste Platz, von dem man einigermaßen beide Fanblöcke sehen
kann. Optimal ist es dennoch nicht… Erstens stört einen das Dach im
zweiten Rang massiv, um sich ein Bild vom Stadion machen zu können.
Zweitens sieht man die Gäste halt nur seitlich.
10 Minuten vor Anpfiff, kam im Stadion die Durchsage, dass der Anpfiff
des Spiels aufgrund des Zuschauerandrangs um 15 Minuten verlegt wird. Um
21 Uhr waren aber immer noch nicht alle drin, vor allem bei Gästen
fehlte noch der harte Kern, was sich auch an fehlenden Zaunfahnen
bemerkt machte. Somit war der Gästeanhang am Anfang relativ selten
aktiv. Die Südtribüne startete ins Spiel mit gleich zwei Konfettishows.
Es sah schon geil aus, als auf der riesigen Tribüne überall Konfettis
durch die Gegend geflogen sind. Nach der kurzen Phase, wo das ganze
Stadion mit der Südtribüne anstimmte, war dann aber nur noch ein sehr
kleiner Teil der 25 000 Steher supporttechnisch aktiv.
Die ganzen
Unioner waren erst nach der 30. Minute drin. Der Support ihrerseits war
nun viel besser geworden. Der ganze Gästeanhang zog es selbst während
der Pause durch: „FC Union, unsere Liebe, unsere Mannschaft unser Stolz,
unser Verein, Union Berlin, Union Berlin“ Einfach nur geil gewesen! Zur
Beginn der zweiten Halbzeit wurde eine Blockfahne im Unterrang des
Gästeblocks hochgezogen und im Anschluss startete die erste Pyroshow,
welche selbst die Presse angekündigt hatte. Obwohl gar kein Rauch auf
dem Spielfeld zu sehen war, weigerte sich der Schiedsrichter etwa fünf
Minuten lang wiederanzupfeifen. In der 75. Minute brannten im Gästeblock
wieder um die 15 Bengalos. Ab da wurden dann immer wieder einzelne
Bengalos abgebrannt. Der Stadionsprecher nervte gewaltig, auch beim 10.
Mal sagte er durch, dass das Spiel wegen Pyro abgebrochen werden kann.
10. Minuten vor Schluss schafften die Berliner den Ausgleich und es ging
in die Verlängerung. Es blieb weiterhin bei einem klasse Support der
Berliner. Das Repertoire war top, typisch Union eben. Meine
Aufmerksamkeit widmete sich voll der roten Wand, die Gelbe war ja nicht
zu hören. Das letzte Mal, das ich als neutraler Beobachter so
mitgerissen wurde, war beim 50 Jahre Jubiläumsspiel des 1. FCM vor 11
Monaten.
Die Verlängerung ging torlos aus und es kam zum Elfmeterschießen. Mit
der Auslosung des Tores auf der Südseite war das Schicksal der Berliner
Mannschaft in meinen Augen schon stark vorentschieden. Bei jedem Elfer
der Unioner stieg der Lärmpegel gewaltig. Die Südtribüne war mit ihrem
Pfeifkonzert so laut wie noch nie an diesem Abend. Alle drei Schützen
scheiterten und Borussia konnte ins Achtelfinale einziehen.
Erst gegen
Mitternacht war das Ganze zu Ende. Somit mein spätestes Spiel überhaupt…
P.S. Meine Meinung zur Südtribüne hat meine These nur bestätigt. Bei dem
Normalverlauf eines durchschnittlichen Spiels ist die Stimmung auf der
Südtribüne nicht viel anders ist als in anderen deutschen Stadien. Aber
bei wichtigen Spielen ist es dann natürlich schon ein Unterschied ob
eine Tribüne mit 10000 mitzieht oder eine Südtribüne mit ihren 25000
Stehplätzen.
Text/Fotos: Шаффи















