Sonntag, 24. April 2016

Racing Club de Avellaneda - CA Independiente 0:0

Primera Division
Estadio Presidente Juan Domingo Peron (El Cilindro) 
Zuschauer: 45.000  

Endlich stand das Hauptspiel unserer Tour an ! Das Derby de Avellaneda ! Es ist das zweitwichtigste Derby nach dem Super-Clasico Boca-River.  Beide gehören zu den "Großen 5" in Argentinien (Boca, River, San Lorenzo, Racing und Independiente).
Avellaneda liegt im Großraum Buenos Aires, beide haben allerdings Fans im ganzen Land. Sie sind der dritte (Independiente) und viert (Racing) beliebteste Verein in Argentinien. Kurioserweise sind sie auch, gemessen an ihren gewonnenen Titeln, das dritt- und viert erfolgreichste Team.

Die Rivalität begann im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts als Independiente, das 1904 (offiziell 19059 in der Nachbarstadt Buenos Aires gegründet wurde. 1907 zog man nach Avellaneda und spielte dort das erste Spiel gegen das 1903 gegründete Racing. Seit 1928 sind beide Stadien nur 200 Meter voneinander entfernt. 
Racing´s Stadion Estadio Presidente Peron, benannt nach einem früheren argentinischen Präsidenten, ist wegen seiner kreisrunden Form als "El Cilindro" bekannt. Es wurde 1950 eröffnet und 1997 renoviert.
Das Derby de Avellaneda gilt als eines der intensivsten und farbenfrohesten der Welt.
 Für Carsten und mich als "Racing-Hinchas Aleman" geht hiermit ein Traum in Erfüllung ! So war mit Dirk, Nicole und Phil Treffpunkt Constitucion ausgemacht. Vorher musste ich noch Phil kontaktieren, da ich früh vor lauter Action wegen dem Spiel von Espanol, im angeblich gefährlichen Viertel, mit der Farbwahl meines Pullovers (rot) ziemlich ins Klo gegriffen habe.
Bevor ich meinn neues T-Shirt in Empfang nehmen konnte, kam schon die SMS "Bahnhof gesperrt". So fuhren heute wohl keine Züge mehr von diesem Bahnhof ab. Da wir wie immer vor Racing-Spielen in unsere legendäre Kneipe wollten, herrschte Zeitdruck, also nahmen wir uns zu Fünft ein Taxi. Man hatte den anderen schon von der Kneipe "Coabar" vorgeschwärmt. Und als wir ankamen war sie schon zum bersten gefüllt und wie immer wurde schon lautstark gesungen. Also schnell an den Tresen einen Liter-Becher Bier geordert (3 €} und ab ins Geschehen. Was hier los war, kann man schwer beschreiben, eine ganze Kneipe am Durchdrehen, alle am saufen und die "La Acade" (Spitzame für Racing) feiern ! Sofort fühlten Carsten und ich uns wieder pudelwohl. Auch die anderen Drei waren nach anfänglicher Skepsis schwer begeistert. Glaub hier herrscht bessere Stimmung als in manchem Stadion ! Wie immer hier kamen wir wieder mit vielen Einheimischen ins Gespräch, die alle begeistert sind das man zu Ihrem Verein geht und nicht zu den Touristenmagneten Boca und River. Einer meinte noch, er hätte hier noch nie einen Touristen gesehen. Eine Stunde vor Anpfiff brachen wir auf ins Stadion um uns einen guten Platz zu sichern. Dann ging es endlich los mit einem Regen aus Papierschnipseln und lautstarken Gesängen , dazu wurden in der Barra-Kurve die 3 Fahnen der tonangebenden Gruppen "La Guardia Imperial", "Racing Stones" und der "La Barra del 95" ausgerollt, dies ist bei Racing allerdings Standard. Dazu noch etwas weißen Rauch und blinkende Handydisplays. Echt starkes Intro ! Danach waren wir aber doch etwas enttäuscht von der Stimmung. Wahrscheinlich erwartet man immer zu viel. Ich habe Racing schon gegen schlechtere Gegner deutlich besser gesehen. Versteht mich nicht falsch, gegenüber Deutschland war es immer noch absolut top, aber erwartet hatten wir alle mehr. Leider war der Spielverlauf auch nicht dementsprechend und es gab wieder mal ein typisch, argentinisches  0:0. 
Gleichzeitig wurde ja der Superclasico von Kollege Andi besucht, dieser soll allerdings noch enttäuschender verlaufen sein und das bei deutlich teureren Ticketpreis !
Einige Leute meinten zu uns, es spielte die 2. Garde von Racing um sich für die kommenden Copa-Libertadores-Spiele gegen Atletic Mineiro zu schonen. Da Racing in der Meisterschaft abgeschlagen ist, konzentriert man sich nun auf die Copa. Unten auf den Basketball-Courts am Spielfeld-Rand spielen immer kleine Kinder Fussball. Diesmal war ein armer, einbeiniger Junge auf Krücken dabei. Schön zu sehen das er hier nicht als Aussenseiter da steht, sondern ohne Probleme mitspielen durfte. Nun gingen wir nochmals in die Kneipe um noch ein paar Kannen Bier zu trinken. Was wir dann auch ausgiebig taten, als wir wieder vor die Tür sind um uns ein Taxi nach Hause zu nehmen, kam erstmal ewig keines. Da Carsten vor der Tür neue Freunde kennengelernt hatte und noch nicht heim wollte, nahmen Dirk und Nicole das Erste. Wir hingegen blieben bei strömenden Regen noch mit den Racing-Hinchas draussen beim trinken und komisch gedrehten Zigaretten... irgendwann brachte uns dann einer zu einer Remis-Station. Dort kann man sich ein Privat-Auto ordern, die meist viel billiger sind als normale Taxis. In der Station mussten wir warten bis eins frei wird, so das wir mit der Madame ins Gespräch kamen. Als sie uns erzählte sie wäre Independiente-Fan, titulierte ich sie gleich als "Pecho Frio" (Kühlschrank). So nennen Racing-Fans ihren ungeliebten Nachbarn, wegen der nach Ihrer Meinung geringeren Leidenschaft oder schlechteren Stimmung.Sofort musste ich mir einen (nett gemeinten) Redeschwall ihrerseits anhören und das "Eis" war gebrochen ! Vom Boca-Fan hinterm Steuer ließen wir uns bei Ugis rausschmeissen. Dort gibt es für 4€ eine schmackhafte Pizza, da wir all noch Hunger hatten. Übrigens endeten alle heute gespielten Spiele in der Primera Division 0:0...na ob da nicht Balkan-Bet seine Finger im Spiel hatte... 
Eine interessante Kuriosität gibt es noch zu der Rivalität. Racing gewann bis zum Jahre 1967 13 Meisterschaften und schaffte anschließend auch den größten Triumph der Vereinsgeschichte: den Gewinn des Weltpokals. Doch es sollte eine lange Durststrecke bis zum nächsten Titel folgen und das hatte, wenn man dem Aberglauben glauben schenkt, folgenden Grund:
Während die Fans von Racing noch den Triumph im Weltpokalfinale über Celtic FC feierten, brachen Anhänger von Independiente in das Stadion ihres verhassten Nachbarn ein und vergruben dort sieben schwarze Katzen, um die Spielstätte des Racing Club mit einem Fluch zu belegen.
 Der Legende nach verbündete sich sogar der Platzwart Racings mit den Anhängern Indenpendientes ! Die folgenden Jahre suchten Fans und Offizielle von Racing die Tierleichen, denn mit ihrem Verein ging es stetig bergab, doch im Laufe der Zeit fanden sie nur sechs der fruchtbringenden Kadaver.
Ganze 35 Jahre blieben Titel aus, im Jahr 1999 stand man sogar vor dem Bankrott und ein Geistlicher versuchte das Stadion von seinem Fluch zu befreien. Jedes Mal, wenn der Priester Weihwasser in eines der Tore spritzte brachen die Fans in Jubel aus, doch es half alles nichts. 
2001 initiierte der neue Trainer Reinaldo Merlo eine groß angelegte Suche nach der siebten Katze, sogar Flächen, die nach 1967 betoniert worden waren, wieder aufgerissen wurden. Und siehe da, an einer Stelle an welcher früher ein Wassergraben war, fand man tatsächlich die Überreste einer Katze ! 
Der Racing Club war also von seinem Fluch befreit und wurde noch in derselben Saison Meister !


Muchachos, traigan vino, jueaga la acade 
Que esta banda esta de fiesta 
Y hoy no podemos perder 
Muchachos, traigan vino, juega la acade 
Si el Rojo se va a la B 

Text/Fotos: +++Pressi+++