Montag, 30. April 2018

WKS Śląsk Wrocław - BKS Lechia Gdańsk 3:1

Ekstraklasa
Stadion Miejski
Zuschauer: 14 314 (ca. 500 Gäste)

Am Montag, dem vierten Tag der Tour, stand wohl das Spiel, worauf ich mich an wenigsten bei der Reise gefreut habe. Ich habe mir sogar Gedanken gemacht, es komplett sausen zu lassen. Grund für solch eine Demotivation war das Stadion, wo Śląsk Wrocław seit 2011 seine Heimspiele austrägt. Das Stadion Miejski (Städtisches Stadion, so heißt übrigens gefühlt jedes Stadion in Polen) wurde komplett neu für die EM 2012 gebaut und ersetzte die alte Heimat des ehemaligen Armeesportclubs in der Oporowska Straße. Dieses, wo Slask über 60 Jahre beheimatet war, wird heute noch von der Zweiten von Slask und dem Viertligisten namens Ślęza genutzt.
Vor jenem Stadion fand am 30. März 2003 das berühmte Aufeinandertreffen zweier Koalitionen statt. Arka-Lech-Lubin gegen Śląsk-Lechia und Wisła. Letztere natürlich mit Messern, da sie mit der Anwesenheit von Cracovia gerechnet haben. Tragisches Ende: Ein Toter bei Arka und 223 Festnahmen. Bis heute wird Śląsk nachgesagt, sie hätten sich damals mit der örtlichen Polizei abgesprochen, sodass sie nach deren Eingreifen in aller Ruhe verschwinden konnten.
Die neue Arena ist echt ein mieses Stück – riesig, grau und weit außerhalb der Stadt gelegen. Bei 42000 Fassungsvermögen liegt die durchschnittliche Zuschauerzahl von Slask in den letzten Jahren bei acht bis elf Tausend. Zum Glück gibt es aber in Polen extrem wenig solch überdimensionaler Grounds wie dieser hier. So hat nur noch die Gastmannschaft des heutigen Spiels, Lechia, ein riesiges Stadion, das eine Auslastung von gerade mal 25% aufweist. Die Stadien, die erst nach der EM geplant wurden, sind schon besser „zurechtgeschnitten“. Somit war das geplante Spiel, noch dazu an einem Montag, meinen Vorstellungen nach ein trauriges Ereignis. Nichtsdestotrotz stieg ich letztendlich in die total abgeranzte Regionalbahn, die mich in 15 Minuten Fahrtzeit zur Station „Wroclaw Stadion“ brachte. Das Stadion kann auch mit mehreren Straßenbahnlinien erreicht werden, aber mit dem Zug geht es bei identischem Preis definitiv flotter.
Für 35 zloty (davon 5 für Tageskassenzuschlag) bekam ich mein Ticket für die Gegengerade in wenigen Minuten. Wie schon erwähnt sind für mich die Stadien in Gdansk (Lechia) und Wroclaw (Śląsk) die schlimmsten in Polen. Was ich in Wroclaw jedenfalls besser finde, ist, dass hier nur ein Tribünenrang existiert. Zu Gast in der viertgrößten Stadt Polens war heute der KS Lechia. Die Szenen der beiden Clubs verbindet eine ewiglange Freundschaft, früher noch im Rahmen der Koalition „TKWM“ zusammen mit Wisla. Das Bündnis der beiden Fanszenen soll sogar seit 1977 bestehen und nach dem offiziellen Ende der Freundschaft Cracovia-Polonia Warszawa im Herbst 2017 jetzt als das älteste in Polen gelten. Dies ist auch auf der 23 Meter langen Zaunfahne, die heute in der Heimkurve angebracht wurde, symbolisiert. Wie bei solchen Spielen typisch in Polen standen heute die Gäste zusammen mit in der Heimkurve – der Gästeblock blieb komplett leer. Von mir aus nur gut so, denn dadurch war der Heimblock besser besucht als sonst. Viele Gäste aus dem Norden waren bereits früher angereist und haben das Wochenende bei ihren Freunden in Niederschlesien verbracht. Beide Mannschaften wurden aus einem Block heraus von bis zu 900 Kibice unterstützt, was schon ganz interessant wirkte. So wurde nach den Toren für Slask zwar gefeiert, aber dann gleichzeitig ein Lied für das Gästeteam angestimmt. In zweiten Halbzeit teilte sich der Block in zwei Teile und zog über eine gute Viertelstunde den Wechselgesang „Lechia i Slask“ durch. Für mich ist es übrigens durchaus positiver, wenn man es als Block schafft ein Lied über längeren Zeitraum auf dem gleichen Niveau vorzutragen, als wenn in 30 Sekunden-Takt etwas anderes angestimmt wird. Optisch gab es in der Mitte der ersten Halbzeit was fürs Auge. Zuerst wurde ein Lechia-Trikot als Blockfahne ausgerollt und dazu außen rum mit grün-weiß-roten Fahnen gewedelt. Als die Blockfahne dann wieder weg war, wurden im Block verteilt rote Bengalos abgebrannt. Als sich die Pyroshow dem Ende neigte, liefen ca. Dutzend Vermummte vorne an den Zaunfahnen auf und zündeten weitere Bengalos ab. Abschließend wurde noch eine Blockfahne mit dem Heimtrikot hochgezogen. Witzigerweise war das Trikot mit Sponsor drauf, hätte in Deutschland wohl kaum eine Szene so gemacht… Der Stadionsprecher wollte wohl die komplette Pyroaktion auf die Gäste schieben und bat die Lechia-Fans, das Abbrennen von Bengalos einzustellen, obwohl ja alles in der Heimkurve abgelaufen war und ich bezweifle, dass er sicher wusste, wer konkret da Pyrotechnik abfackelt.

Text/Fotos: Шаффи

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