Mittwoch, 18. April 2018

SSC Napoli - Udinese Calcio 4:2

Serie A
Stadio San Paolo
Zuschauer: 44.118 (27 Gäste)

Mit einem leichten Schlafdefizit aufgrund des Gelages mit den Leeds-Lads ging es mit dem Zug über Caserta in die drittgrößte Stadt Italiens. Neapel ist die Hauptstadt der Region Kampanien und ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Süditaliens.
Vom reichen Norden werden die Bewohner Süditaliens ja abfällig Terroni (Erdfresser) genannt. Und viel hatte ich ja schon über Neapel gehört und gelesen. Meistens nicht viel Gutes. Dass man auf offener Straße beklaut wird, oder dass die Stadt ein riesiges Müllproblem hat. 
Doch auf den ersten Blick fand ich es nicht so schlimm wie ich mir es vorgestellt hatte. Keine Müllberge und keine vorbeiknatternden Motorroller, von denen mir meine Kamera entrissen wird.
Zuerst besorgten wir uns in einem Tabakshop Tickets für die abendliche Partie. Leider war der Oberrang der Gegentribüne ausverkauft, sodass wir auf den Unterrang ausweichen mussten.
Hier mal ein paar Worte zu den personalisierten Tickets. Gut ist ja, dass man den Schwarzmarkt damit quasi ausschliesst. Denn überall werden ja die Namen mit dem Ausweis verglichen. Schlecht natürlich wenn man einer ausverkauften Partie beiwohnen will, man kann die Tickets zwar umschreiben, doch ohne Italienischkenntnisse ist das nahezu unmöglich. Etwas undurchsichtig finde ich den Verkauf in den Tabakshops.
Leider hatte ich dummerweise nur einen Tag für Neapel geplant, da ich Termine hatte. So muss ich wohl nochmal wiederkommen wenn ich den Vesuv und Pompeji besichtigen will. Schade.
Zuerst zog es uns zu einer der drei Festungen. Das Castel Nuovo befindet sich am Hafen, vor dem Rathausplatz. Weiter gings zum Castel dell´Ovo von ihm hat man einen Wahnsinnsblick auf den Golf von Neapel mit dem Vesuv, Pompeji und Sorrento.
Nun schaute man sich den Rest der Innenstadt an und diese kleinen Seitengassen sind schon etwas Besonderes. Geht man in sie hinein kommt man sich vor wie in einer Parallelwelt. Gespannte, behangene Wäschleinen. Alte, teilweise heruntergekommene Häuser, knatternden Roller, fussballspielende Kinder und Leute die sich unterhalten oder gemächlich einer Arbeit nachgehen. Das alles im Schatten der Häuser, wo nur ab und an ein kleiner Lichtkegel Sonnen einfällt. Einem gewissen Charme hat das schon.
Gegessen wurde natürlich eine original neapolitanische Pizza. Die Pizza soll ja in Neapel erfunden worden sein und ist noch heute zusammen mit der Pasta das wichtigste Gericht der Stadt.
Schmecken tun sie ja die Pizzen, aber sie haben leider einen viel zu dicken Rand. So besteht die halbe Pizza ja aus Rand ohne Belag. Da bevorzuge ich doch lieber welche mit dünnem Rand. Ist aber natürlich wie so vieles Geschmackssache.
Am Piazza del Plebiscito mit dem Palazzo Reale trafen wir auch die zwei Jungs aus Leeds wieder. Welche mit dem Leihwagen on tour sind und heute abend Gäste in einer Kurve sind. Kurzer Smalltalk und sie waren schon im Begriff in den "a few beers before the game"-Modus überzugehen. Hoffe man trifft die beiden Originale mal wieder.
Auch wir genossen auf einem Platz ein paar Bier , während die jüngeren Neapolitaner in verschiedenen Trikots dem Calcio fröhnten. Ihre Mütter unterhieilten sich dagegen im Schatten miteinander und schaukelten die Baby´s in ihren Kinderwagen.
Irgendwann rief auch endlich für uns beide König Fußball wieder und die Vorfreude war schon recht groß.
Der SSC Napoli ist in der Stadt tief verwurzelt und von den Neapolitanern leidenschaftlich und bedingungslos unterstützt wird. Mit der Metro ging es in den Stadtteil Fuorigrotta, wo das mächtige Stadio San Paolo steht.
Es ist benannt nach dem Apostel Paulus und fast knapp 60.000 Zuschauer. Charakteristisch ist der Oberrrang der fast das ganze Rund beherrscht, während der Unterrang doch reckt mickrig wirkt. Von innen hat es mich doch nicht so geflasht wie ich vorher gedacht hatte.
Die letzte Meisterschaft wurde 1990 noch mit dem, noch heute wie ein Heiliger veehrten Diego Armando Maradona gewonnen.
So findet man sicher entweder ein Trikot, einen Altar, ein Graffiti, Bild oder sonstwas auf seinen Wegen durch Neapel. Er ist einfach immer noch omnipräsent in der Stadt. Er hat praktisch den Status eine Gottes.
Schon von aussen wirkt das Stadion richtig beindruckend, nach zwei Bier und einen Borghetti stellten wir uns an, denn durch den Abgleich Name/Ticket und Ausweis/Name dauert das Prozedere halt.
Von aussen hörten wir schon die lauten Gesänge der Tifosi und merkten, hier geht heute was.
Es scheint in und um Neapel eine riesige Euphorie aufgrund des noch möglichen Meistertitels zu herrschen. So hing vor der Curva A ein kleiner Banner: "Noi Ci Crediano" ( Wir glauben daran) und die logischerweise gegenüberliegende Curva B zeigte zu Spielbeginn eine Tapete mit: "Wir haben einen Traum im Herzen".
Der Unterrang ist echt nicht zu empfehlen, aber das fällt ja unter First World Problems.
Beide Kurven legten ordentlich los, aber im weiteren Spielverlauf kristalisierte sich immer mehr heraus, dass die Curva B einfach mehr Power und Leidenschaft an den Tag legte. 
Die Curva A ließ immer mehr nach und wir fanden sie beide recht schwach. Vor Wochen als mein Kollege Shaffi gegen ManCi vor Ort war, soll der Unterschied nicht ganz so krass gewesen sein.
Das Spiel war auch der absolute Wahnsinn und auf ganz hohem Niveau, so wurde die zweimalige Führung von Udinese noch gedreht. Vor allem in der zweiten Halbzeit als Dries Mertens für Capitano Martin Hamsik eingewechselt wurde drehte Napoli auf und spielte teilweise Traumfussball.
Die Curva B legte teilweise eine wahnsinnige Lautstärke an den Tag. Ich glaub das war das bisher lauteste was ich bisher in meinem Stadionleben gehört habe. Selbst beim Belgrad-Derby war es nicht so laut. 
Ganz kleiner Kritkpunkt ist, dass es oft auch sehr lange Pausen gab. Aber hey, wer so am Lautstärkeregler dreht, braucht sicher auch mal eine Pause. Auch der Rest vom Stadion zog mit und man merkte der Traum vom Scudetto lebt weiter.
Vor allem da Juve nur Unentschieden spielte und das folgenden Wochenende beide gegeneinander spielen.
Selbst zwanzig Minuten nach Abpfiff sangen die Kurven noch lauthals weiter. Ich glaube sie wollten eine Welle reiten und der Mannschaft die Euphorie mitgeben die sie alle hier in sich tragen !
Nach Spielschluss gings zu Metro und da passierte uns dasselbe wie meinem Kollegen vor Wochen. Polizei vorm Eingang teilte jeden mit, heute fährt nix mehr. Warum ? Keine Ahnung und keine Antwort von den Staatsdienern.
Absolutes Chaos und keiner wußte was Sache ist. Bus fährt vor, alle hin, wir natürlich auch. Fährt aber nicht in die Stadt sondern woanders hin. 
Auf einmal entdeckte ein cleverer Neapolitaner, dass er etwas dazu verdienen kann und fährt mit seinem Minibus uns und einige andere in die Stadt. Da kein Flughafenbus mehr nach 23:15 fährt, handel ich mit ihm aus, dass er mich danach gleich zum Flughafen fahren soll. Dort gerade lang gemacht und am einschlafen, wird man nach draussen gebeten.
Wir schliessen zu! Ein Glück war es eine einigermassen laue Nacht und nach zwei Stunden durfte man wieder rein.
An Schlaf natürlich nicht zu denken...über Rom nach Frankfurt und von da mit dem Zug wieder nach Würzburg.
Und wie so oft...natürlich gleich auf Arbeit! 
Urlaub ist rar und auch das Überstundenkonto sollte geschont werden.
Schöne Tour war´s und vielleicht komm ich ja bald mal wieder ins Land von Pizza, Pasta und Calcio!

Text/Fotos: Pressi