Samstag, 7. April 2018

Rot-Weiss Essen - SV Rödinghausen 1:2

Regionalliga West
Stadion Essen
Zuschauer: 5367 (30 Gäste)

"Rot-Weiss Essen finde ich einfach nur noch tragisch. Stell´dir vor, du bist RWE-Fan: Da kannst du jeden Tag nur noch saufen"                                                                       ***Manni Breuckmann***

Dieses Zitat und das Spiel gegen Rödinghausen bringt wohl die ganze Tristesse bei Rot-Weiss Essen zum Ausdruck. 
Seit Jahren hängt man in der Regionalliga fest und hofft jedes Jahr endlich den Schritt in die 3.Liga zu packen, stattdessen hängt man meist im hinteren Mittelfeld fest.
Dieses Spiel hab ich auch nur besucht, da ich danach noch nach Rheydt wollte und vorher noch einen Kick mitnehmen wollte, und alles andere hatte ich schon oder war noch uninteressanter.
Durch eine Streckensperrung wurde mein Zug eine halbe Stunde vorverlegt, da bekommt man ja eine Mail von der Bahn. Ausser einer Gruppe Hausfrauen die auf dem Weg nach Hamburg waren und im Abteil für Alkohol und Stimmung sorgten war die Fahrt ereignislos. Solche Gruppen nenne ich ja immer liebevoll "Kegelclub Herne-Ost". 
Wer sagt das sich Fussballfans in Zügen immer aufführen, sollte mal solche Kampftrupps erleben...herrlich dazu der Kölsche Dialekt. Leider wurden sie dann von der Schaffnerin ermahnt und etwas ausgebremst.
Vom Bahnhof Essen fahren ständig Shuttlebusse zur Hafenstraße. Dort ist das kultige Georg-Melches-Stadion ja mittlerweile auch Geschichte und seit 2012 spielt der RWE im neuen Stadion Essen. Das fasst 20.000 Menschen und hat offene Ecken und ist für mich recht gelungen. Könnte so auch in England stehen. Wirkt noch alles etwas neu und steril aber wenn der Putz mal bröckelt und die Sitze verblichen sind, wird es auch an Charme gewinnen.
Es ist etwas versetzt vom alten Stadion gebaut worden, so ist auf der Fläche jetzt der Parkplatz. Ein Flutlichtmast, der an eine Fliegenklatsche erinnert, wurde stehen gelassen. Auch eine Statue vom "Boss" Helmut Rahn steht vorm Ground und an der Parkplatz-Einfahrt steht der Georg-Melches-Stadion-Schriftzug mit einer Lore und einem Bergbauarbeiter.
RWE hat ja eine große Vergangenheit, gegründet 1907 als SV Vogelheim und nach mehreren Zusammenschlüssen mit anderen Vereinen lautet der Name des Vereins seit 1923 Rot-Weiss Essen.
Die größten Erfolge waren 1953 der Pokalsieg gegen Alemannia Aachen und 1955 der einzige Deutsche Meistertitel.
Neben dem für das Saarland startende 1.FC Saarbrücken war man auch der erste Deutsche Verein im Europapokal.
Bekannteste Spieler dürften Helmut Rahn, Ente Lippens und Horst Hrubesch sein.
Die Hafenstraße in Essen.Himmel und Hölle zugleich. Vielleicht die letzte Bastion von Flaschenbier und Kutte.
Von Ungehorsam und großer Leidenschaft. Von einer Direktheit, die manchmal wehtut. Und doch nur Liebe zu RWE bedeutet.
Herrlich auch das Publikum. Hier kann man wirklich noch von Old-School-Football reden. Als ich das Stadion-Umfeld inspizierte ließen sich einige ältere Essener Hauer mit dem Taxi vorfahren. Schätze es waren Essener Löwen, denn den einen meine ich mal in einer Reportage gesehen zu haben. Kennt ihr den Schauspieler Ralf Richter ? Genauso sah er aus und der selbe Dialekt. Absoluter Kult-Typ !
Schon vor dem Spiel wurde klar, das heute von den RWE-Fans auf der Westtribüne kein Support kommen wird, da man das Banner "Lösungen finden!" und "Leistung und Taten statt Leere Worte!" am Zaun befestigte.
Schade, aber irgendwie kann ich es auch verstehen das man irgendwann die Schnauze voll hat.
Im Gästeblock fanden sich 30 Fans aus Rödinghausen ein. Erwartet hatte ich ja gar nix von denen. So war ich schon überrascht von der Zaunfahne "SVR Fanaticos" und ein paar Schwenkern. Optisch gar nicht mal so schlecht. Aber der Auftritt war eher so Ballermann-Niveau. 
Der größte Dorftrottel mit Trikot Nr. 10 und Schnauzbart,dessen Haupt ein Mallorca-Cowboyhut zierte, bekam das Megaphon und keine Peinlichkeit wurde ausgelassen.
Schon vorm Anpfiff wurde Richtung RWE gepöbelt und 'Schmähgesänge angestimmt. 
Da musste dich als RWE-Fan von so einem Dullie-Haufen lächerlich machen lassen. Auf dem Platz sah es ähnlich aus und als in der 80. Minute Rödinghausen den Siegtreffer markierte setzte die allgemeine Abwanderung ein. 
Ohne Pfiffe, es wurde einfach kopfschüttelnd das Stadion verlassen. Fünf Minuten nach Abpfiff war der Ground leer.
Hiermit dürfte ein neuer Tiefpunkt erreicht sein. So wurde der Trainer auch nach dem Spiel entlassen.
Ich drücke ja die dem RWE die Daumen das es vielleicht mal wieder aufwärts geht. Denn solche Klubs wären im Profifussball das Salz in der Suppe, Stattdessen kommen immer mehr Retortenclubs mit Sugardaddys um die Ecke .
So steht hinter dem heutigen Gast SVR ein Küchenhersteller. 
Klasse fand ich vor dem Spiel die Lieder mit Vereinsbezug. Ausser dem im Ruhrpott obligatorischen "Steigerlied" gabs noch das recht beliebte "Opa Luscheskowski" und das wichtigste Vereinslied heißt "Adiole".
Es ist ein Lied der schwedischen Schlagersängerin Siw Malmquist aus dem Jahr 1970. Welches seinerzeit bei den Bundesliga-Heimspielen im Stadion gespielt wurde. Anstatt des Refrains "Adiole" wurde dann von den Fans " Oh, RWE" gesungen.
Kulinarisch konnte mich die Frikadelle überzeugen. Ok, damit macht man meist nix falsch. Auch Currywurst, Krakauer und Bratwurst gibts im reichhaltigen Angebot und das in Essen obligatorische Stauder-Pils.

Wo sind wir Zuhause, wo wird man uns immer hören...An der Hafenstraße, RWE !
Ohhh, RWE....

Text/Fotos: Pressi