Samstag, 3. Februar 2018

VfL Wolfsburg - VfB Stuttgart 1:1

1.Bundesliga
Arena im Allerpark Wolfsburg
Zuschauer: 24 378 (ca. 2000 Gäste) 


Nachdem Abpfiff bei der Regionalliga-Partie im Amateurstadion bewegte ich mich zur 200 Meter entfernten Arena. Bis zum Spiel darin waren es noch mehr als eineinhalb Stunden. So vertrieb ich mir die Zeit: Lief eine Runde um das Stadion, besuchte den Fanshop und gönnte mir eine Mahlzeit. Die Bezahlung an den Imbissbuden sowohl innen als außen geht nur mit dem Kartensystem oder auch über den Chip der EC-Karte. Für die Gelegenheitsbesucher ist dieses System selbstverständlich suboptimal, aber sonst ist es in meinen Augen schon praktisch, da es am Verkaufsstand dadurch deutlich schneller geht. So lud ich an den benachbarten Kassen den Chip auf und holte für einen Fünfer einen Hamburger. Dieser war wirklich gut und zu empfehlen!
Der Anpfiff ist näher gerückt, sodass ich den zweiten Rang bestieg und meinen Platz einnahm. Über das Stadion gibt es nicht viel zu sagen: Mit dem Aufstieg des VfL in die Bundesliga 1997 begann man sich Gedanken über ein neues Stadion Gedanken zu machen, nachdem das Stadion am Elsterweg immer weniger den Anforderungen entsprach. 2001 begannen dann die Arbeiten am neuen Stadion, welches schon Ende 2002 mit dem gleichen Gegner wie an diesem Nachmittag eingeweiht wurde. Damals übrigens auch nicht vor ausverkauften Rängen mit 30000 Zuschauern, sondern wie heute vor 24000. Dem VfL wird euch von Ultras anderer Vereine vorgeworfen ein Produkt fast so schlimm wie das aus Leipzig zu sein. Gut, der Autokonzern hat zwar seit 2001 durch die Ausgliederung eine komplette Beteiligung an dem Verein, aber VW gehört zu Wolfsburg eben dazu. Die Stadt hat schließlich eine große Bedeutung und lebt praktisch alleine durch den Standort des Autoherstellers. Warum sollte dann manch andere Vertreter des modernen Fußballs mit „fremden“ Sponsoren besser bzw. traditioneller sein?
Die Stimmung seitens der Wölfe ging völlig in Ordnung: Es war, wie erwartet, jetzt so gar nicht kreativ, dennoch waren sowohl die Lautstärke als auch Mitmachquote teilweise sogar über meinen Erwartungen, die bei einem Spiel des VfL Wolfsburg ja generell niedrig sind. In der zweiten Halbzeit riefen die Hausherren ihren Verein in einem Spruchband dazu auf, ein Beispiel am VfB Stuttgart zu nehmen und zum alten Vereinswappen mit einem W geschmückt mit Zinnen zurückzukehren. Die Stuttgarter waren schon wesentlich interessanter anzuschauen. Ich habe die Schwaben zwar schon vor 1,5 Jahren bei Eisern Union gewesen, aber ich blieb damals von ihrem Support eher enttäuscht. Heute war es dagegen schon laut und kreativ gewesen, lediglich in der Phase des Rückstandes ihrer Mannschaft war der Gästeanhang weniger leidenschaftlich aktiv. Zu Spielbeginn gab es zunächst eine „Kesselstadt“-Choreo über den gesamten Block im Unterrang. Diese schaute definitiv schick und optisch geglückt aus, so wie man es von den Stuttgartern auch oft gewöhnt ist. Nach der Pause eine zweite, kleinere Choreo im Gästeblock, dieses Mal organisiert durch die Ultrasgruppe Schwabensturm. Es gab ein rotweißes Fahnenmeer, vorne am Zaun wurde zuerst „WIDERSTAND“ und dann „ULTRAS S02“ auf riesigen Doppelhaltern hochgehalten. Nach dem Unentschieden im Kellerduell der Bundesliga lief ich entspannt zum Bahnhof, wo schon bald die Zugfahrt Richtung Heimat startete. Diese war alles andere als langweilig: Zuerst saß ich in der Bahn neben einem verwaisten Rucksack, der direkt vor meinen Augen vom Besitzer liegen gelassen wurde. Bei der Ankunft in Würzburg wurde ich von den Bayern-Ultras, die sich auf dem Heimweg vom Auswärtsspiel in Mainz befanden, für einen Nürnberger gehalten. Die beiden Erlebnisse sind aber doch noch gut gegangen, sodass man tatsächlich heil zuhause war :)


Text/Fotos: Шаффи