Samstag, 10. Februar 2018

Lechia Gdańsk - Wisła Kraków 1:1

Ekstraklasa
Stadion w Gdańsku Letnicy
Zuschauer: 7915 (keine Gäste)

Der zweite Tag in Polen startete in der Bäckerei und einem Supermarkt, wo das Frühstück und Bier für die Fahrt geholt wurde. Dann startete unsere Autobesatzung aus Płock weiter in den Norden: Bevor es zum zweiten Spiel gehen sollte, wurde von Christian ein Besuch der Marienburg eingeplant. Die gotische Burg gilt als größter Backsteinbau des Kontinents. Sie befindet sich in der pommerschen Stadt Malbork, die im Deutschen genauso wie die Burg heißt – Marienburg. Die fast drei Stunden Fahrzeit vergingen beim Zuhören des Hörbuchs „Abenteuerbuch Groundhopping“ sowie den zwei Flaschen Kasztelan wie im Flug. Nach Ankunft ging es für je 20 złoty sofort rein in die riesige Burg. Für das Geld, umgerechnet 5 €, bekam man noch einen spannenden und modernen Audioguide, welcher außerdem mit GPS ausgestattet war und somit noch eine wegweisende Funktion hatte. Die verbrachte Zeit in der Burg war es definitiv wert und sehr informativ.
Diese Mischung von Fußball und Kultur macht für mich auch das Groundhopping aus. Vor Hoppern, die lieber in Hotels verschimmeln, halte ich nämlich noch weniger als von dem Leipziger Bundesligaclub. 
Anschließend fuhren wir weiter 60 km nach Gdansk, wo zuerst die Westerplatte, der Ort, an dem am 1. September 1939 der Krieg begann, aufgesucht wurde. Ich war ja zwar hier schon bei meinem Stadtbesuch in Gdansk vor zwei Jahren, aber für die beiden anderen Mitfahrer war es selbstverständlich interessant diesen historischen Ort zu besuchen. Viel zu sehen gibt es dort aber nicht – ist eben nur ein historischer Ort mit einem Denkmal, aber mehr auch nicht. Langsam wurde dunkel, so suchten wir endlich unsere gute Zweizimmerwohnung im Zentrum auf, stellen die Mietkarre ab und spazierten nach dem „Einchecken“ per Fuß in ein Restaurant. Dort speiste jeder von uns eine andere Art von der größten polnischen Spezialität – Pierogi: Tradycyjne (mit Schweinefleisch), Ruskie (mit Kartoffeln) sowie chłopskie (mit Blutswurst). Ja, die letzten habe natürlich ich gegessen :)
Der Anpfiff des Erstligaspiels um 20:30 rückte näher, sodass wir uns mit der Straßenbahn der Linie 10 ab Bahnhof auf den Weg machten. Nach 16 Minuten waren wir an der Arena im Norden der Stadt angekommen. Sie schaut schon von außen wie ein typisch hässliches modernes Stadion aus. Die Farbe soll an Bernstein, ein beliebtes Souvenir von der Ostsee, erinnern. Erbaut wurde es zur EM 2012 und ist seit 2011 auch die Heimat Lechias, welche zuvor im Stadion MOSiR spielte. Das ehemalige Stadion war die Heimat des Vereins seit seiner Vereinsgründung 1945, als die aus Lviv geflohenen Fans des ersten Profivereins Polens, Lechia Lwów, einen eigenen Verein in Gdansk gründeten. Nachdem wir uns Karten geholt hatten, besuchten noch Tobi und ich das interessante Vereinsmuseum, während Christian schon das Stadion betrat. Im Inneren ist das Stadion wie gedacht kein Tick schöner als außen. Der Zuschauerschnitt von 10 000 in dem 42 000 fassenden Stadion zeigt schon sehr deutlich wie überdimensioniert es für die Spiele des Vereins ist. Heute im Spiel gegen den dreizehnmaligen polnischen Meister aus Krakau kamen aber aufgrund der Kälte nochmal 2000 weniger Zuschauer. Einfach übel schaute es also heute darin aus. Zudem waren auch noch keine Gäste, wie wir schon befürchtet hatten, anwesend. Was schon richtig einzigartig sein dürfte: Früher pflegte Wisla nämlich im Rahmen der Koalition „TKWM" („Drei Könige großer Städte“ noch Freundschaft zu Lechia und Slask Wroclaw, seit dem Bündnis von Wisla und Ruch Chorzów ist diese langjährige Bruderschaft komplett vorbei und sogar richtig Hass drin. Aufgrund der fehlenden Wisla-Fans blieb uns also nur die Heimkurve zum Bewundern: Die Grün-Weißen legten auch geschlossen und in vollster Lautstärke los, aber durch die beschissene Akustik hörte man nur ein starkes Echo. Lechia war zwar auch das ganze Spiel über laut, aber aufgrund der Umstände, wie Echo, Kälte und fehlende Gäste, machte mir persönlich dieses Spiel wenig Bock und hinterließ eher einen traurigen Eindruck. Wenigstens gab es in der Kurve wie typisch für Polen wirklich gute Zaunfahnen zu sehen. Damit meine ich die schön langen Zaunfahnen und nicht die winzigen, die größtenteils in Deutschland die Kurven erobert haben. Ganz besondere Geschichte sowie Bedeutung hat die Fahne, die in der Mitte platziert war. Die "Władcy Północy" (Macht des Nordens) war ursprünglich eine gelb-blaue Zaunfahne des Hauptrivalen Arka Gdynia. Irgendwann wurden diese dann von Lechia gezogen und bei einem Derby 2007 verkehrtherum am Zaun verbrannt. Anschließend präsentierte Lechia bei dem gleichen Spiel eine grün-weiße Fahne mit dem gleichen Wortlaut und komplett identischen Look. Eine Demütigung für die Arka-Szene hoch 10 und typisch Polen wie man es so mag eben! Eine andere grün-weiße Fahne mit "Gdynia", die Fahne eines Fanclubs aus der Rivalenstadt, hat auch was. Ich meine ist in etwa wie eine rot-schwarze "Fürth" Fahne in der Nordkurve Nürnberg.
Nach dem Spiel liefen wir zunächst zur Straßenbahnhaltestelle. Dort kam aber trotz Fahrplan lange nichts, sodass ich einen Kibol (Ultras-Typ) angesprochen habe. Dieser brachte uns dann zu einem Bahnhof in der Nähe des Stadions, dort fuhr dann ein Zug durch zum Hauptbahnhof in der Innenstadt. Anschließend ging es auf meinen Wunsch in die Lieblingskneipe in Polen, die es in fast jeder größeren Stadt gibt, „Pijalnia Wódki i Piwa“, wo man den Tag schön ausklingen ließ.


Text/Fotos: Шаффи

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