Sonntag, 21. Januar 2018

Real Madrid CF - RC Deportivo de La Coruña 7:1

La Liga 
Estadio Santiago Bernabéu
Zuschauer: 63 468 (ca. 120 Gäste)

Am dritten Tag begab ich mich zunächst zum Frühstück zum Mercado de San Miguel. Das ist ein gastronomischer Markt mitten im Zentrum von Madrid. Solche Märkte finde ich generell sehr gelungen, da man dort gleich eine große Auswahl an einheimischen Speisen durchprobieren kann. Günstig war es hier zwar nicht unbedingt, aber dennoch super die Auswahl an verschiedenen leckeren Spezialitäten. Ich war bei meinem viertägigen Aufenthalt gleich mehrere Male in der Markthalle San Miguel und habe dadurch völlig unterschiedlichen Sachen gegessen. Sonst schaute ich an diesem Morgen noch auf dem Flohmarkt El Rastro sowie am Estadio Vicente Calderón, dem ehemaligen Stadion von Atlético, vorbei.
Anschließend ging es schnellen Schrittes zum Museo Thyssen-Bornemisza. In diesem relativ großen Kunstmuseum, das in seiner Ausstellung Bilder unterschiedlicher Epochen besitzt, wollte ich die Zeit bis zum Spiel des El Real Madrids verbringen. Eigentlich war ich nie wirklich ein großer Fan solcher Museen, aber dieses Mal bekam ich plötzlich doch Lust darauf. Witzigerweise blieb aber das richtig bekannte Kunstmuseum der Stadt, Prado von mir unbesucht. Nachdem ich über gute zwei Stunden im Thyssen Museum verbrachte, fuhr ich mit der Metro in den Norden zum Stadion Santiago Bernabéu.  Die Treppe aus der Station hochgelaufen stand ich erstmal vor dem gewaltigen, brutalen Stadion mit offenem Mund da. Nicht umsonst habe ich mich auf dieses Spiel der Tour am meisten gefreut, denn das riesige Ding ist einfach fantastisch. Die Lage mit den Häusern außen rum macht das Ganze noch geiler. Auf mich wirkte das Santiago Bernabéu wie ein Raumschiff, welches mitten in einem Wohnviertel geparkt hat. Obwohl bis zum Spiel noch knappe zwei Stunden waren, war draußen schon ordentlich was los, die vielen Kneipen oder Restaurants im Umkreis waren voll mit Fans. Auch ich besuchte eins, wo ich mir ein Brot mit Tunfisch in einer Tomatensauce und ein Bier holte. Es war übrigens auch das erste und das letzte Bier der Reise, da ich mit dem einheimischen Malzgetränk wenig anfangen konnte und somit lieber Sangria oder Wermut getrunken habe. 
Danach ging es mit der Rolltreppe auf den letzten Rang, wo auf der Nordseite mein Platz lag. 42 Euro kostete das Ticket mit der Gebühr online, vor Ort ist dies aber auch kein Problem – ausverkauft ist es nur im El Clasico. Man kann sich dann auch frei bewegen, was ich in der zweiten Halbzeit dann auch getan habe, als ich mich auf der Gegengeraden niederließ. Innen schaut das Stadion nicht weniger faszinierend als von außen aus. Die Heimkurve befindet sich seit dieser Saison wieder im traditionellen Unterrang der Süd, wo früher auch die berühmt-berüchtigten Ultras Sur positioniert waren. 2013 wurde diese Gruppierung, die einst 800 Mitglieder hatte, aufgrund bestimmter Vorfälle sowie rechter Gesinnung verboten. Kurz danach entstand die Sektion „Grada“. Als Ultras können diese aber in meinen Augen nicht bezeichnet werden, da sie im Gegensatz zu Ultras Sur nicht unabhängig sind. Die Abhängigkeit dieses Fanblockes vom Vereins ist bekannt, was bei den echten bzw. alten Madrid-Fans Empörung hervorruft bzw. keine Akzeptanz findet. Zuerst stand Grada im Oberrang, nun seit letzten Sommer sind sie direkt unten hinter dem Tor. Den Auftritt von denen fand ich aber gar nicht so übel, sogar wirklich in Ordnung. Optisch schaut die komplette Kurve in weiß sehr schick aus und auch akustisch konnten die Madrilenen überzeugen. Die Gäste waren zwar anwesend, fielen aber supporttechnisch nicht weiter auf. 
Auf dem Platz habe ich ein echtes Spektakel erlebt. Zuerst gingen sogar die Gäste aus Galicien in der 23. Minute in Führung, Madrid führte zur Pause aber schon mit 2:1. In der zweiten Halbzeit gab es dann für mich noch ganze fünf weitere Tore der Heimmannschaft sowie einen blutenden Cristiano Ronaldo, der seine Wunde über die Frontkamera eines Handys anschaut, zu sehen. Der Besuch im Santiago Bernabéu war schon ein wunderbares Erlebnis. Auch wenn wir normalerweise auf solche Weltclubs nicht so abfahren, ist hier eben das Stadion klar der Star und gehört schon zur Pflicht für jeden Fußballverrückten.
Insgesamt hat mir die Tour nach Madrid gut gefallen, wobei die Stadt selbst zwar alles andere als hässlich ist, aber aufgrund ihrer Größe und dem häufigen Dreck auf der Straße einfach nicht so meinen Geschmack trifft.

Text/Fotos: Шаффи