Mittwoch, 13. Dezember 2017

Tottenham Hotspur FC - Brighton & Hove Albion FC 2:0

Premier League
Wembley Stadium
Zuschauer: 55.124 (ca. 3.000 Seagulls)

Heute war richtig englisches Wetter angesagt. Leichter Nieselregen und Kälte...das hielt mich nicht von ab, nach dem traditionellen English Breakfast einen Spaziergang am Südufer der Themse zu machen. Gegen Nachmittag verzog ich mich in mein Stammpub um Fish and Chips zu essen und ein paar Cider zu trinken. Einfach mal entspannen, während in der Stadt die Weihnachtshektik eingekehrt ist. 
Pech übrigens für die Touris, dass der Big Ben in ein Gerüst gehüllt ist zur Zeit und wohl renoviert wird. Naja mir wars egal, bin ja nicht zum ersten und wohl auch nicht zum letzten Mal hier.
Der Hauptgrund der Reise war endlich mal das Wembley Stadium zu machen. Da die Spurs gerade ihre legendäre White Hart Lane in eine sterile, moderne Arena verwandeln, spielen sie eine Saison im Nationalstadion von England. 
Ausserdem finden dort alle Pokalendspiele und Aufstiegs-Play-offs statt. Wäre sicherlich die bessere Alternative, denn die Tottenham Hotspurs, sind der typische englische Premier League Club ohne irgendwelche, besondere Stadionatmosphäre, fast genauso wie der größte Rivale Arsenal, wo wohl mehr Asiaten als Engländer im Stadion sind.
Die Spurs wurden 1882 im Stadtteil Tottenham des Nordlondoner Bezirks Haringey gegründet und sind bekannt als "The Spurs" oder "Lilywhites", auch werden sie die "Yids" genannt. Das ist ein Slangwort für Jude, aufgrund  der Herkunft aus einer sehr jüdischen Gegend in London.  
Sie waren 1960/61 der erste englische Verein im 20. Jahrhundert, der die Meisterschaft und den FA-Cup in einer Saison gewann. Ausserdem gewannen sie als erste britische Mannschaft einen europäischen Vereinswettbewerb, den Europapokal der Pokalsieger. Mittlerweile leider eingestampft und in die unsägliche Euro League aufgegangen.
Am besten steigt man am Wembley Park aus, dann muss man nur den Olympic Way hochlaufen, der von Fressbuden und Merchandising-Stores gesäumt ist und steht vorm Wembley Stadium. Wahrzeichen soll der 133m hohen Bogen sein und es ist nach dem Camp Nou das zweitgrößte Fußballstadion in Europa mit 90.000 Sitzplätzen.
Leider war es mir nicht vergönnt das alte Wembley mit seinen charakteristischen Twin Towers zu besuchen, das wurde 2000 geschlossen und erst 2003, infolge finanzieller und politischer Schwierigkeiten, abgerissen. 
Besonders der Nicht-Erhalt der Zwillingstürme sorge für Proteste.
Das neue Wembley wurde 2007 eröffnet und ist im Vergleich zum Alten, zweimal so groß und viermal so hoch.Von aussen wirkt es finde ich eher unspektakulär, während es mir von innen durchaus gut gefällt. Ist ja nicht alles Neue gleich schlecht.
Öde finde ich nur die Umläufe mit den Fressbuden und sanitären Anlagen. Aber das ist zum Beispiel in München oder Düsseldorf ja genauso.
Irgendwie merkt man hier schon den Wandel des Publikums. So richtige Vollassis oder Leute die so richtig nach Fussball der alten Schule aussahen, traf ich kaum. Wie gesagt, man hat es in England durch die Versitzplatzung und den immensen Preisanstieg hinbekommen das Publikum völlig auszutauschen. Kann sich ja kaum noch jemand aus der Unterschicht einen Stadionbesuch leisten. Der geht lieber ins Pub und guckt es im TV und kann sich dabei wenigstens noch einen ansaufen. Während man hier ja sein Bier in den Umläufen trinken muss und es strengstens verboten ist sein Bier mit auf den Platz zu nehmen.
Das führt dazu, dass in der Pause schon Minuten vorher ein Run einsetzt sich schnell ein Pint zu holen und es in einer Viertelstunde in sich reinzupressen.
Die Gäste aus dem Seebad Brighton verkauften ihr ganzes Kontingent aus und machten sich wohl nen schönen Tag im knapp 50 Meilen entfernten London. Ab und zu sangen sie mal was, war nicht weltbewegendes, damit waren sie aber immer noch besser als das Heimpublikum. Das war schon echt übel, alle nur da um zu konsumieren.
3 Zaunfahnen im ganzen Stadion sprechen auch irgendwie Bände...
Im Spiel tat sich der Favorit, der ja in der Champions League Real und den BVB hinter sich ließ lange Zeit schwer. Als Ex-HSVer Son kurz vor Schluss den Deckel drauf machte, war die Hälfte der Anwesenden schon in der Metro...
Da mir eine Nacht am Flughafen bevor stand, beeilte ich mich nach Schlusspfiff auch, doch da hatte ich die Rechnung ohne die Polizei gemacht. Die sperrte den Abmarsch auf dem Olimpic Way zweimal. So musste man hinter einer Ordnerkette warten, bis einer das Schild von "Please wait" auf "Go" umdrehte, damit es in der Metrostation nicht zur Überfüllung kommt. 
Sowas wäre ja in Deutschland nie vorstellbar, dass die Leute da ohne zu murren 5-10 Minuten warten. Aber da muss ich den Engländern ein Kompliment machen, Disziplin haben sie.
So wurde es mit meinem letzten Zug nach Stansted nochmal eng und als ich dort auflief, waren die besten Plätze fürs Aiport-sleeping schon besetzt. 
Wenigstens etwas dösen konnte ich und am nächsten Tag ging es wie immer vom Flughafen gleich auf die Arbeit.

Text/Fotos: Pressi