Freitag, 1. Dezember 2017

Málaga CF - Levante UD 0:0

La Liga
Estadio La Rosaleda
Zuschauer: 18 172 (ca. 10 Gäste)

Wie so häufig bei meinen Reisen, ging es am zweiten Tag der Tour schon sehr früh aus dem Bett. Für mich stand eine Zugfahrt nach Málaga auf dem Plan. Ein „normaler“ Mensch würde sich an die Stirn tippen, wenn er an allen Tagen seines Urlaubs vor 7 Uhr aufwachen müsste. Bei unserem tollen Hobby gehört dies aber zum Standard, vor allem, wenn man noch schön mit dem Zug und keinem Mietfahrzeug durch das fremde Land unterwegs ist. Málaga ist die zweitgrößte Stadt Andalusiens und gehört zugleich auch zu den größten Städten von Spanien. Sie liegt in etwa 200 km von der andalusischen Hauptstadt (Sevilla) entfernt. Als großer Zugfan entschied ich mich diese Strecke in zweieinhalb Stunden Fahrzeit mit der Regionalbahn zurückzulegen. Ziemlich schnell kam ein Schaffner vorbei und erklärte meinen Nachbarn lange irgendetwas. An der Gestik sowie Mimik wurde mir klar, dass da etwas nicht sauber zu laufen scheint.
So stellte sich heraus, dass der Zug uns heute nicht zum Ziel bringen wird und die übrigen 180 km der Strecke ab Utrera bis nach Málaga mit dem Bus überwinden werden müssen. Ich muss gestehen, dass die Bereitstellung der Busse sowie Umstieg völlig überraschenderweise für mich sehr organisiert ablief. In Málaga kamen wir sogar genauso pünktlich an wie uns der Zug dahin bringen würde. Da die Zeit meines regulären Frühstücks schon vorbei war, entschied ich mich nach der Ankunft gleich ein Brunch zu sich zu nehmen. Als Location dafür wurde von mir die Markthalle Mercado Central Atarazanas gewählt. Dort gibt es neben den vielen Verkaufsständen mit frischen Fischen, Meeresfrüchten auch noch ein Stehimbiss, wo die ganzen regionalen Fischspezialitäten serviert werden. So bestellte ich mir Boquerones (frittierte Sardellen), ensaladilla rusa (den sogenannten „russischen“ Salat mit Thunfisch) und ein Glas Weißwein. Nach der leckeren Mahlzeit wurde im Hostel eingecheckt und endlich mit der Erkundung der Sehenswürdigkeiten begonnen. Zuerst wurde die Burganlage Castillo de Gibralfaro aufgesucht, dort genoss ich eine wunderbare Aussicht auf die ganze Stadt mit ihrer Kathedrale, die Stierkampfarena La Malagueta und den Hafen. Danach ging es noch zum Strand und durch die Straßen der Altstadt. Lediglich für das Museum mit den Gemälden des in Málaga geborenen Pablo Picasso blieb mir keine Zeit übrig. Bevor es zum Spiel gehen sollte, wurde die Weinkneipe Antigua Casa de Guardia aufgesucht. In dem urigen Lokal stehen an der Theke so knapp über 20 Holzfässer mit verschiedenen Weinsorten. Auch verschiedene Snacks sind im Angebot. Ich holte mir neben den Garnelen ein paar Gläser Wermut, der in der Region sehr gern getrunken wird. Extrem geil der Laden und eine Pflicht in der Stadt!
Die Heimspielstätte des Málaga CF, genannt La Rosaleda (übersetzt: Rosengarten), liegt an dem ausgetrockneten Fluss Guadalmedina. Es steht zwar nicht direkt im Zentrum, ist jedoch gut zu Fuß erreichbar. Das erste Stadion wurde hier noch 1941 eröffnet und dort wurden bei der Weltmeisterschaft 1982 sogar drei Spiele ausgetragen. Von dem alten Ground ist aber nichts erhalten geblieben, heute steht an der gleichen Stelle ein modernes Stadion mit einem Fassungsvermögen von ca. 30000 Plätzen. Obwohl es innen aufgrund der Modernität recht steril wirkt, hat es seine einzigartige Architektur und ist definitiv kein typisches neues Standardding wie bei uns in Deutschland. Die Heimkurve befindet sich auf der Südseite. Der Stimmungskern wird durch die Gruppen Frente Bokerón und Malaka Hinchas bestimmt. Die Frente Bokerón ist die ältere der beiden Organisationen. Ursprünglich war sie rechts angehaucht, ist aber inzwischen unpolitisch geworden. Diese Gruppe pflegt gute Kontakte zu Ultravioletas (Real Valladolid CF) und Yomus (FC Valencia) während Biris Norte (FC Sevilla) und Brigadas Amarillas (Cadiz FC) als Feinde angesehen werden. Die andere große Gruppe Malaka Hinchas wurde 2001 gegründet. Während Frente Bokerón auch stark hooligantechnisch aktiv ist, beschränkt sich die Malaka Hinchas wohl ausschließlich auf den optischen und akustischen Support. Die nicht allzu große Kurve war heute vergleichsweise gut auf meinem Platz auf der Nordseite zu hören. Die vorgetragenen Lieder waren zwar größtenteils nicht besonders kreativ, aber insgesamt ging der Auftritt schon in Ordnung. Interessanterweise gab es nicht nur melodische spanische Gesänge, sondern auch einige britische Hits.
Der Málaga CF ist seit 2010 in Besitz eines katarischen Scheichs. Anfangs hatte der Scheich Großes vor mit dem Club: So wurde damals noch viel Geld reingepumpt und sogar ein Bau einer Arena für 60.000 Zuschauer stand im Raum. Der größte Erfolg kam auch in der Zeit als in der Saison 2012/13 das Viertelfinale der Champions League erreicht wurde. Zeitgleich kam es aber zu Problemen durch den Financial Fair Play, sodass der Scheich plötzlich keinen Bock mehr auf den Verein hatte. Derzeit steht der Club ganz unten in der Tabelle der LaLiga und das wird vielleicht diese Saison nach 10 Jahren Erstklassigkeit den Abstieg für den Verein bedeuten. Auf dem Platz bemühten sich die Boquerones (die Mannschaft wird witzigerweise als frittierte Sardellen bezeichnet) zwar gegen der Aufsteiger Levante und waren auch das bessere Team, aber schafften es dennoch nicht ein Tor zu schießen.
Während dem Spiel wollte ich anfangs noch nichts zu essen holen, aber als ich mich in der zweiten Hälfte dazu entschied gab es dann zunächst keine Belegte mehr. Nach dem Abpfiff probierte ich es nochmal an einem anderen Stand. Die Sandwiches waren da und dadurch, dass die Verkaufskasse schon gezählt war, wurde mir das große Sandwich mit Serrano-Jamón und Tomaten für umsonst gegeben. Top!

Text/Fotos: Шаффи

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