Dienstag, 12. Dezember 2017

Crystal Palace FC - Watford FC 2:1

Premier League
Selhurst Park
Zuschauer: 23.566 (ca. 2000 Gäste)

Zum Jahresabschluss lockte mich die englische Woche ins Mutterland des Fußballs. Mittlerweile auch schon mein siebter Aufenthalt in Englands Hauptstadt. Mit dem ersten Billigflieger am Dienstag ging es von Nürnberg aus los. Seit langem landete ich mal wieder in Stansted.
Sonst bevorzuge ich ja Heathrow, da man von dort gleich mit der Tube fahren kann. Mittlerweile sind die Zugpreise ab Stansted aber doch recht günstig, bevor ich mich in den Bus setze und in der Rush Hour festsitze, nehme ich doch lieber gleich den Zug. An der Station Liverpool Street spuckte er mich aus und meine erste Amtshandlung bestand erstmal im shopping. Ein neues Oberteil und ein paar Schuhe gönnte ich mir. Danach ging es in mein Londoner Stammpub am Leicester Square dem "Moon under Water". Das gehört zur Wetherspoon-Kette und ist vergleichsweise günstig, denn London gehört sicherlich zu den teuersten Städten in Europa. Ein large English Breakfast (2 Spiegeleier, zwei Scheiben Bacon, 3 Hashbrowns, 2 Sausages, ein Pilz und eine Tomate und drei Scheiben Toast mit Butter, dazu die obligatorischen Baked Beans), da der Tag schon fortgeschritten war, gabs statt Kaffee ein Cider ! Cheers !
Eigentlich wollte ich mir nachmitttags ein Reserve-Team-Spiel anschauen, doch alle drei anvisierten Matches waren off, das heißt sie fielen dem Wetter zum Opfer. 
Also lief ich mal wieder eine Runde durch die wirklich sehenswerte Stadt und schaute mir viele Sehenswürdigkeiten an, kannte ich meistens natürlich schon, aber Zeit genug hatte ich ja. Highlight ist für mich immer wieder die Tower Bridge. Atemberaubendes Bauwerk !
Zeitig gings Richtung Selhurt Park, dafür fährt man zur Tube Station "London Bridge" von dort fahren die Vorortzüge. An der Station "Norwood Junction" steigt man aus. Erstmal ging es zum Ground um von aussen ein paar Fotos zu schiessen, da ich sonst keine Lokalität fand ging es in den Pub gleich gegenüber der Bahnstation "The Cherry Tree" . Noch war relativ wenig los, also erstmal was getrunken, leider gab es ausser Chips nichts zu essen. Nach ein paar Getränken ging ich los Richtung Stadion um nochmal zu schauen was es so zu essen gibt in der Umgebung. Dort landete ich in einem Chicken-Laden, der auch recht voll war. Ein echter Schmierimbiss geführt von Einwanderen aus allen englischen Kolonien...ich hätte wohl doch lieber auf das Essen im Ground zurückgegriffen,denn was ich dann bekam, das war Schmierfrass vom Feinsten. Während die Tommys sich den Fraß mit einer Leidenschaft einverleibt haben, musste ich mich doch echt zwingen das fettige Zeug runter zu kriegen, als Krönung gab es noch eine Diet-Coke dazu.. .
Solche Imbisse wären in Deutschland vom Gesundheitsamt schon längst geschlossen worden bzw nie eröffnet. Hier gibt es solche Salmonellen-Grills an jeder Ecke. Der Engländer haut sich ja schon wirklich richtigen Ekelfraß zwischen die Kiemen, hauptsache frittiert und fettig. Neben mir schmatzten die Watford-Casual-Kiddies um die Wette....denen scheints geschmeckt zu haben...gut, sie kennen ja nix anderes.
Karten für Palace zu bekommen, stellt schon eine kleine Aufgabe da. Dort gibt es keinen General Sale und man muss quasi Mitglied werden. Was jetzt sich erstmal wie Abzocke anhört, ist auf dem zweiten Blick eigentlich gut durchdacht, so verkauft man sich nicht an die ganzen asiatischen Tourihorden und hat praktisch einen festen Publikumsstamm, dem der Verein auch am Herzen liegt. Meine Karte bekam ich über einen Basel-Fan, den ich durch meinen Kollegen von den Groundhuntern Andy, vermittelt bekam. Danke nochmal, Bruno !
Der Ground ist so richtig typisch englisch. Wie die meisten alten Stadien mitten in einem Wohngebiet. Hier gibt es auch keine Tribüne die der anderen gleicht. Die modernste Tribüne dürfte die mit den Logen sein, die aber hinter einem Tor steht. Auf der anderen Seite überrragt der Holmesdale Road Stand mit seinen zwei Rängen den Rest des Stadions. Ich war auf dem Artur Wait Stand neben den Gästefans untergebracht. 
Im übrigen wurden gerade die Pläne veröffentlicht, welche vorsehen einen Main Stand für 13.300 Zuschauer zu errichten mit einer Glasfassade. Also wenn man den Selhurst Park im jetzigen Zustand noch besuchen will, sollte man nicht mehr allzu lange zögern.
Crystal Palace ist ein 1905 im gleichnamigen Gebäude gegründeter Club, dessen Spitzname "The Eagles" ist. Der Kristallpalast war ein vom britischen Architekten Joseph Paxton eigens für die erste Weltausstellung 1851 entworfenes und von Charles Fox gebautes Ausstellungsgebäude Er wurde ursprünglich im Hyde Park errichtet und nach dem Ende der Weltausstellung nach Sydenham im Stadtbezirk Lewisham, dem heutigen Stadtviertel Crystal Palace versetzt.
Bis 1973 war Crystal Palace als "The Glaziers"(Die Glaser) bekannt. Im Selhurst Park spielt man seit 1924. Nach dem ersten Erstligaaufstieg im Jahr 1969 etablierte man sich ab 1977 dauerhaft in den beiden obersten englischen Spielklassen und seit der Saison 2013/14 nun wieder in der Premier League. Größter Erfolg war die Endspielteilnahme 1990 im FA-Cup, sowie ein Jahr später der dritte Platz in der Liga.
 Auf dem Holmesdale Stand gibts ja ganz aussen im Unterrang die "Holmesdale Fanatics", eine der wenigen Ultragruppen auf der Insel. Sie sind ja dort auch recht umstritten, die einen finden sie gut, die anderen meinen, dass ihr Stil nicht nach England passt.
Heute wollte ich mir selbst mal ein Bild machen. Die Truppe wurde 2005 von einem Italiener und einem Rumänen gegründet und zeigte zu Beginn ein paar Doppelhalter und Schwenkfahnen. Nun kann man es so sehen, dass sie versuchen wenigstens Stimmung zu machen, doch heute bestand das aus "Ohhooho"-Gesängen und eine Trommel, die so stupide bedient wurde, dass sie mich nach ein paar Minuten schon genervt hat. Bumm-Bumm-Bumm.
Dann waren mal 30 Handpaare oben oder auch mal nur Fünf. Selten stieg mal der Rest des Stadions in die Gesänge ein, meist auch nur abhängig vom Spielgeschehen, wie es ja typisch für England ist.
Hätte ich nicht mit Watford einen motivierten Gästehaufen als Gegensatz gehabt, vielleicht hätte ich die "Fanatics" dann gar nicht sooo schlecht gefunden...aber das war wie Speed Metal gegen Volksmusik. 
Auch bedingt durch die frühe Führung sang Watford doch echt laut und leidenschaftlich und vor allem dazu klatschend. Deswegen fand ich die Trommel auch so schlimm. Ich meine sie verlangsamt halt alles, vor allem wenn man sie nicht richtig bedient. Ultras so wie hier, passen meiner Meinung nach null nach England, man sollte halt nicht alles kopieren, man kann halt nicht alles irgendwo implantieren. Das ganze Ultra-Ding passt einfach nicht zur englischen Stadionkultur, auch wenn die mittlerweile, vor allem bedingt durch die hohen Eintrittspreise, ziemlich tot ist.
Vielleicht hab ich auch nur einen schlechten Tag erwischt, zumindest hab ich Fotos gesehen, da sahen deren Choreos und Tifo doch recht ordentlich aus.
Im Spiel war Crystal Palace als Tabellenletzter der klare Aussenseiter, während Watford doch recht weit oben steht. Der Ex-Elton John-Club ging recht früh in Führung und sah wie der sichere Sieger aus, was Palace zusammen spielte war echt Müll. Doch drei Minuten vor Ende, sah Tom Cleverly vom Watford FC die rote Karte und nun dreht Crystal Palace in den letzten Minuten das Spiel noch. Nun stand das ganze Stadion Kopf und sang sich in einen Rausch. Das entschädigte doch etwas für den monotonen Ultra-Sing-Sang.
Schon geil, wie dem Gästeanhang "You´re not singing, you´re not singing anymore" vom ganzen Stadion entgegengeschmettert wurde. Auch das pubertäre Gepose gegenüber den Gästen wurde hier wieder gezeigt, wie ich das doch liebe ;-)
England ist nicht ganz tot, ist aber halt meist vom Spielgeschehen abhängig. Ich hoffe, dass Crystal Palace noch den Klassenerhalt schafft, ist mir der Verein doch recht sympathisch und in der Premier League auch ein bunter Farbtupfer im grauen Allerlei.

Text/Fotos: Pressi