Sonntag, 19. November 2017

Proodeftiki FC - GAS Ialysos 1948 3:2

Gamma Ethniki Gr. 6
Dimotiko Athlitiko Nikaias
Zuschauer: ca. 400

Nach einer halbstündigen Busfahrt hatten wir erst Schwierigkeiten den Ground zu finden, wurde dann aber nach Befragung einiger Einheimischer zur Zufriedenheit gelöst.
Von aussen sah er schonmal vielversprechend aus und auf der Suche nach Nahrung liefen wir wohl auch an der Kneipe der Heimfans vorbei, wo schon einige in schwarzen Joggingkleid Gewandete, mit Bauchtaschen, uns mistrauisch hinterher blickten.

Etwa zehn Minuten vom Stadion entfernt fanden wir ein Restaurant und wir bestellten einen Gyrosteller. Die Bedienung meinte noch er wäre "very big". Für knapp 8€ kam auch eine ordentliche Portion, das Fleisch konnten wir alle aufessen, doch an dem vielen Fladenbrot scheiterten wir.
Viel zu früh betraten wir die Haupttribüne wo ein in Tarnhose gekleideter Althool, der eher unseriös aussah, uns Plätze in einer Kabine zuweisen wollte. Wir lehnten dankend ab und ich packte erstmal mein mitgebrachtes Dosenbier aus und genoss es bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein. Generell werden Kontrollen in Griechenland eher lasch gehandhabt. Wenn sie denn überhaupt stattfinden. Also kein Problem was mitzubringen, denn hier auf der Haupttribüne fiel mir kein Verpflegungsstand auf.
Der Ground ist ein absoluter Traum. Drei Tribünen mit weissen Schalensitzen, die richtig eng ans Spielfeld rangebaut sind. Daher rührt auch der Spitzname des Stadions "Strouga" oder "Klouvi" (Käfig). Auf unserer Haupttribüne waren noch einige Presseboxen. Das Fassungsvermögen beträgt knapp 4.400.  Gegenüber von der Heimtribüne ist leider kein Ausbau. Zudem schmiegt sich das Stadion richtig schön in das Viertel mit seinen Häusern rein. Erinnerte mich stark an Argentinien im unteren Ligenbereich. Auf der Hintertortribüne ist aus weinroten Sitzen der Schriftzug "No Gate" gebildet. Generell bezeichnen sich ja die meisten Fangruppen hier nach der Nummer ihres Eingangsgates.  Hier gibt es wohl witzigerweisse kein Gate mit Nummer oder man will sich bewußt abgrenzen.
Der Proodeftiki FC wurde 1927 gegründet und verbrachte 15 Jahre in der ersten griechischen Liga. Die Vereinsfarben sind seit jeher Dunkelrot und Weiß.  Welche auch Grundlage für Spitznamen von Proodeftiki sind, "Die Königin Piraeus" und "Die Dunkelrote". Das Logo des Clubs ist der alte mythische Vogel, Phönix. Kurz vor Anpfiff kamen die Heimfans ins Stadion und flaggten erstmal an. Eine "Proodeftiki"-Zaunfahne und die Hauptgruppe heißt "Proodeftiki Old School". Ziemlich sympathischer Name wie ich finde. Eine Trommel hatten sie auch dabei, welche aber nur ab und zu benutzt wurde. War jetzt nix Großes und die aktivere Gruppe war der "Crimson Club" auf der Gegentribüne. Das sind wohl eher die Älteren. Am Ende dürften es so 20 Leute gewesen sein. Beide sangen das Gleiche und starteten auch Wechselgesänge.
In der Halbzeit kam ein zwielichtiger Typ zu uns. Etwas korpulenter, rosa Poloshirt, goldene Sonnenbrille auf der Nase und nach hinten gegelte Haare... "Hello, I´m the president of this club, Proodeftiki. Do you want something ? Maybe a coffee ?"
Mehr Klischee geht nun wirklich nicht als dieser Typ. Wenn ich mir einen Präsidenten in Griechenland hätte malen können, er hätte genauso ausgesehen. Weltklasse!
Aber sehr nett von Ihm den deutschen Heinzen was anzubieten.
Nun kamen immer mehr Fans aus dem Heimblock zu uns auf die Haupttribüne. Wir mussten schon unseren Platz am Geländer aufgeben. Erst dachte ich noch, die sind wegen uns da und haben was gegen Hopper oder halten uns für den Gästemob. Doch sie beachteten uns überhaupt nicht und stellten sich ans Geländer unter dem der Gästetrainer wild coachte. Nun wurde dieser erst bespuckt und mit Wasser bespritzt. Einer wollte sogar runterspringen und wurde gerade noch vom "President of this club" abgehalten. Es kamen auch immer mehr heißblütige Fans, so verzogen wir uns aus dem Eck. Es ging wirklich die ganze Halbzeit lang mit dem Vollrotzen und mit Wasser überschütten.  Das finde ich schon ziemlich asozial. Man kann jemand ja bepöbeln, aber anspucken...geht gar nicht !
Keine Ahnung ob er irgendwas gesagt oder getan hat, was den Zorn der Jungs von Proodeftiki auf sich zog.
Der Spielverlauf war natürlich ein Traum. 2:0 Führung für die Heimelf. Dann 2:2 Ausgleich und kurz vor Schluss noch der 3:2 Siegtreffer für das Heimteam.
Daraufhin wurde sogar ein Bengalo auf der Gegengeraden gezündet. Das wurde aber sofort verschämt unter den Sitz gekickt. Kurz danach wurde auch abgepfiffen, was großen Jubel im Stadion zur Folge hatte. Von weitem sahen wir noch Tumulte, die sich teilweise auch auf dem Spielfeld noch fortsetzten.
Aber wir mussten uns ja sputen um zum Derby PAO - AEK zu kommen.

Text/Fotos: Pressi