Samstag, 2. September 2017

SV Motor Altenburg - FC Carl Zeiss Jena 0:3

Thüringen Pokal
Waldstadion
Zuschauer: 1100 (ca. 400 Gäste)

Der wilde Osten ruft! Am Samstagmorgen ging es wieder mal auf eine Tour mit dem WE-Ticket. Eigentlich fahre ich gerne mit Regionalbahnen durch das Land, aber heuer hat es sich erst im September ergeben eine richtig weite Reise damit zu machen. Um gut in den Tag zu starten, wurde noch eine Flasche Federweißer mitgenommen und die Fahrt nach Erfurt konnte beginnen. In der Landeshauptstadt angekommen, habe ich erstmal festgestellt, dass ich im gleichen Zug bleiben kann, da dieser nach einem Aufenthalt weiter nach Altenburg durchfährt.

Die ehemalige Residenzstadt Altenburg liegt ganz im Osten Thüringens, an der Grenze zu Sachsen. Bekannt ist die Stadt durch das Kartenspiel Skat, welches hier fast vor 200 Jahren erfunden wurde. In Jena stiegen noch einige trinkfreudige Jena-Fans sowie mein Kollege zu. Wir kamen mit der Gruppe ins Gespräch und konnten die eineinhalb Stunden Fahrzeit unter dem Genuss von Radeberger nett verquatschen. Mit genug Zeitpolster rollte unser Zug am Zielbahnhof ein.
Dort sorgte die motivierte Polizei für ordentlich Brisanz, was bei dem heutigen entspannten Spiel und den wenigen Auswärtsfans in unserer Bahn recht seltsam wirkte. Anscheinend war sich die Staatsmacht nicht im Klaren darüber, dass die Ultras um die Horda Azzuro schon am Vormittag angereist sind und sicherlich nicht mehr am Bahnhof auftauchen werden. Ganz gemütlich machten wir uns auf den Weg durch die halbe Stadt zum Heimstadion des SV Motors. Die Stadt war wie verwüstet – sie ist deutlich heruntergekommen, teils sogar in Ruinen, wobei dies auch schon wiederum auf mich eindrucksvoll wirkte.
An einem Wald an der südlichen Stadtgrenze steht das 1951 erbaute Waldstadion. In der DDR-Zeit trug es den Namen des russischen Revolutionärs Lenin, nach der Wiedervereinigung hieß es über 10 Jahre Waldstadion bis es dann im Jahr 2009 nach einem Sponsor benannt wurde. Zumindest auf dem Papier gilt das Stadion mit seinem Fassungsvermögen von 25 000 als das größte Thüringens, somit ist es schon auf jeden Fall einen Besuch wert. Von der Architektur her handelt es sich dabei um eine schön runde Schüssel mit Ostflair!
Leider spielt der Heimverein SV Motor seit der laufenden Saison schon in der siebtklassigen Landesklasseliga Thüringen Staffel: Ost. Somit war das heutige Spiel gegen die derzeit beste Mannschaft Thüringens schon ein riesiges Highlight, sodass es über 1000 Leute ins Stadion zog. Über ein Drittel der Zuschauer machten auch die Jena-Fans, die sich auf der einen Hälfte der Kurve breitmachten, aus. In etwa 150 Fans davon hinter der Fahne „UNBEUGSAM – UNVERKÄUFLICH“ beteiligten sich am Support. Dieser war zwar jetzt vielleicht nicht der lauteste, aber war mir dennoch aufgrund der Kreativität einiger Gesänge angenehm. Genial fand ich das minutenlange Vorspiel mit Klatschrhythmen beim Beginn der beiden Halbzeiten – habe ich so noch nie gesehen!
Am Verkaufsstand gab es für mich eine leckere Thüringer Wurst vom Grill. Das 0,4 Bier gab es hier für faire zwei Euro, was schließlich auch reichlich genutzt wurde. Ein paar Minuten vor dem Abpfiff verließen wir das Stadion und eilten zum 4 km entfernten Bahnhof. Wirklich in der letzten Minute schafften wir die Bahn in Richtung Heimat. Läuft!


Text/Fotos: Шаффи