Mittwoch, 20. September 2017

Neuchâtel Xamax - Servette FC Genève 3:2

Challenge League
Stade de la Maladière
Zuschauer: 4054 (ca. 300 Gäste)

Als zweites und letztes Spiel ging es für mich an den größten See der innerhalb der Schweizer Grenzen liegt. Genauer gesagt nach Neuchâtel, einer Kleinstadt mit etwa 33000 Einwohnern die bereits im französischsprachigen Teil der Schweiz liegt.
Zum heutigen Spitzenspiel empfingen die Hausherren den einstigen Topklub aus Genf. Nachdem sie sich jahrelang mit GC Zürich, dem FC Basel oder FC Zürich um die Vorherrschaft im Schweizer Fußball duelliert haben ging es dann rapide bergab. Der letzte Meistertitel ist auch schon bald 20 Jahre her und richtig erholen konnte sich der Verein vom Konkurs 2005 auch nie. Es ging zwar schnell wieder nach oben, aber in der ersten Liga konnten sie sich nicht mehr etablieren.

Auch die Neuenburger haben eine bewegte Geschichte hinter sich, neben einigen Erfolgen wie drei Schweizer Meisterschaften, gibt es auch das wohl dunkelste und für mich kurioseste Kapitel der Klubgeschichte. In der Saison 2012/13 hatte die Führung unter dem neuen Besitzer Bulat Tschagajew dem Club ein überarbeitetes Club-Logo gegeben. Außerdem wollte der Besitzer an den Clubnamen Xamax den Zusatz «Vainach», die historische Bezeichnung der heutigen Tschetschenen und Inguscheten, anfügen. Dies wurde von der Liga jedoch aus formellen Gründen vorläufig nicht genehmigt, da ein solcher Antrag zwingend schon mehrere Monate davor mit den Lizenzierungsunterlagen hätte eingereicht werden müssen.
Im Januar 2012 wurde dem Verein dann wegen ausbleibender Gehälter die Lizenz entzogen und der Verein meldete Insolvenz an. Aus der fünften Liga haben sie sich mittlerweile wieder in die zweithöchste Spielklasse zurück gekämpft.
Das Stade de la Maladière ist so ein typischer Neubau, kombiniert mit einem Einkaufszentrum strahlt es jetzt nicht so viel Charm auf mich aus, von innen enpfand ich es aber gar nicht mehr so schlimm. Was aber definitiv punkten kann ist die Lage, direkt am Hafen gelegen und einige Kneipen in direkter Umgebung wissen zu gefallen.
Ca. 20 Minuten vor Spielbeginn betrat ich das Stadion, da war es noch relativ leer, dies änderte sich aber schnell, gut 4000 Zuschauer an einem Mittwoch Abend sind jetzt nicht so schlecht für die zweite Schweizer Liga. In der Heimkurve sammelten sich um die 90 aktiven Supporter hinter einer großen Zaunfahne im Miniaturstehplatzbereich. Aufgrund der Nähe und Sprache orientieren sie sich eher am französischen Stil. Bäume haben sie sicherlich nicht ausgerissen, aber für die geringe Anzahl fand ich sie jetzt auch nicht so schlecht. Ab und an stimmten auch weitere Teile des Publikums mit in die Gesänge ein.
Etwa 15 Minuten vor Spielbeginn kündigte sich der Awaymob mit einem lauten la Bomba an und kurz darauf enterte die aktive Szene den Gästeblock. Die Section Grenat hat sich im Jahre 1988 gegründet und dürfte somit eine der ältesten wenn nicht die älteste Schweizer Ultragruppe sein. Deshalb hatte ich hier schon ein wenig höhere Erwartungen als an die Hausherren. Auch hier orientierten sie sich logischerweise mit ihrem Stil an den Franzosen und bekamen auch eine gute Lautstärke hin. Ab und an konnten sie sogar den kompletten Gästeblock zum mitmachen animieren und dann kam das schon ordentlich rüber, auch wenn da nur um die 250 Leute sangen. Insgesamt ein guter Auftritt der mit ein wenig Pyro unterstrichen wurde.
Spielerisch war heute auch einiges geboten, die ersten 3 Tore fielen innerhalb von 6 oder 7 Minuten, etwa 10 Minuten vor Schluss schoss Neuchâtel den Ausgleich und drückte weiter. Dies wurde in der Nachspielzeit mit dem Siegtreffer belohnt. Top Abend gewesen!

Text/Fotos: Harry