Samstag, 9. September 2017

FC Rot-Weiß Erfurt - FC Carl Zeiss Jena 1:0

3. Liga 
Steigerwaldstadion 
Zuschauer: 12 499 (1700 Gäste) 

Genau eine Woche nach dem Thüringen-Pokal-Spiel in Altenburg saß ich schon wieder im Regionalexpress nach Erfurt. Dieses Mal war das 101. Thüringenderby im Visier. Seit dem Abstieg des FC Carl Zeiss Jena aus der 3. Liga 2011 gab es keine Punktspiele zwischen den beiden größten Vereinen des Bundeslandes. In der Zeit trafen sich die Rivalen dreimal im Landespokal, wovon die beiden letzten Duelle die Jenaer für sich entscheiden konnten. Durch den Wiederkehr des Carl Zeiss in den Profifußball gibt es die Hoffnung, dass die Regelmäßigkeit dieses durchaus interessanten Derbys wiederbelebt wird. 
Bei Ankunft in der Landeshauptstadt traf ich erst mal einen Landsmann, welcher schon frühzeitig zum Marsch der Erfurter angereist war, und wir machten uns gemütlich auf den Weg zum Steigerwaldstadion. Die Staatsmacht hatte natürlich schon ordentlich aufgefahren und zeigte überall verstärkt ihre Präsenz. Kurz vor Ankunft am Stadion wurde von uns noch beim Schnitzelheinz noch jeweils ein Pils gezischt, denn schließlich gab es heute aufgrund des Risikospieles drinnen nur alkoholfreies „Bier“. Dann ging es schon um das ganze Stadion rum, um zum unserem Block zu gelangen. Mein erstes und letztes Mal im Steigerwaldstadion war ich noch im Jahr 2013 mit dem Kollegen Harry gewesen. Seitdem gab es hier durch den Umbau große optische Veränderungen, aber so ganz modern und standardmäßig ist der Ground zum Glück doch nicht geworden. Die alten im großen Winkel aufgestellte Flutlichtmasten sind erhalten geblieben und die ehemalige Haupttribüne, die sogenannte Westtribüne, steht auch weiterhin. Aufgrund der Brandschutzauflagen bedarf die Westtribüne aber einer Sanierung, sodass diese seit dieser Saison nur in Ausnahmefällen geöffnet werden kann. Beim Derby musste die Tribüne von der Feuerwehr aus auch geschlossen bleiben und so verlor der RWE knapp unter 50 000 Euro Einnahmen, welche der Verein mit virtuellen Tickets einzutreiben versuchte. Sicherlich wäre diese Tribüne zumindest gut gefüllt und deswegen ist es schon traurig, wenn eine komplette Tribüne bei so einem brisanten Spiel leer bleibt. Schon 20 Minuten vor Beginn waren die Ränge fast vollständig gefüllt. In der Heimkurve konnte ich die Vorbereitung zur Choreo beobachten, die Gäste stimmten sich währenddessen gesanglich auf das anstehende Derby ein. Der Gästeblock war heute mit 1700 Jenaern, was bei dem heutigen Fassungsvermögen eine ca. 15% Gästequote ausmachte, restlos ausverkauft. Kurz vor Anpfiff gingen schon auf beiden Seiten die ersten Hassgesänge los. Die Heimkurve startete zeitgleich mit ihrem Intro. Vorne am Zaun war ein Spruchband „Das Thüringer Land fest in rot-weisser Hand“ aufgehängt und im Block wurde eine gut gemalte, detailreiche Choreo hochgezogen. Links und rechts davon gab es ein jeweils rotweißes Fahnenmeer zu bestaunen. Das Ganze wurde noch mit Pyrotechnik betont, was insgesamt ohne Frage ein sehr gutes Bild abgab. Im Gästebereich waren heute alle in selben Shirts aufgetaucht. Die ganze erste Halbzeit über standen sie hinter einer gemeinsamen Zaunfahne „Dark Blue Gang“. Zum Anpfiff wurde noch passend dazu blauer sowie schwarzer Rauch gezündet. Akustisch waren beide Szenen im ersten Durchgang in etwa auf gleicher Höhe. Zudem waren sogar die einheimischen Normalos sehr heiß auf den heutigen Gegner und schlossen sich einige Male ordentlich den Hassgesängen der Kurve an. 
In der Halbzeitpause gab es bei der Auslosung des Thüringer Pokales eine weitere Überraschung für die Zuschauer. In knapp einem Monat treffen die beiden Landesrivalen in Jena im Rahmen des Achtelfinales des Pokals aufeinander. 
Die zweite Halbzeit läutete die Heimkurve unter dem Motto „Direct Action Gets Satisfaction“ mit der Präsentation der Trophäen ein. Diese wurden anschließend im Polen-Stil verbrannt. Jena ließ sich nicht wirklich was anmerken und hängte darauf einige Sachen der Erfurter auf den Zaun. Die Supportverhältnisse änderten sich in der zweiten Hälfte. Zuerst schon dadurch, dass die Gäste mit kreativem Liedgut begannen, welches nicht mehr vom ganzen Block mitgetragen wurde. Später kam noch das Tor der Heimmannschaft dazu, das die Stimmung im Jena-Block erheblich verschlechterte. In der Erfurter Kurve erreichte die Mitmachquote bei dem Spielverlauf dagegen teilweise die 100%. Ab und zu wurde dort auch vereinzelt Pyro abgebrannt. Es blieb bis zum Ende bei der Führung der Erfurter und mit dem Gesang der Heimkurve „die Nummer Eins im Land sind wir“ verließ ich und mein Kollege das Stadion. In meinen Augen ist das Thüringen Derby fantechnisch schon sehr ansehnlich, wobei es aber trotzdem nicht mit solchen Duellen der Fanszenen wie Dynamo, Hansa oder Magdeburg vergleichbar ist. Während es vor und beim Spiel direkt ruhig bleib, soll es bei der Abfahrt der Jenaer am Bahnhof richtig Ärger zwischen den Fans und der Polizei gegeben haben, wie ich es selbst vom gegenüberliegenden Bahnsteig mitbekommen habe. 

Text/Fotos: Шаффи