Sonntag, 24. September 2017

FC Gütersloh - Rot Weiss Ahlen 0:5

Oberliga Westfalen
Heidewaldstadion
Zuschauer: 512 (ca. 60 Gäste)

Auf meinem U26-Sommerticket waren noch zwei Einzelfahrten übrig, welche bis Ende September unbedingt genutzt werden mussten. In der westfälischen Oberliga fand ich ein interessantes Spiel zweier Vereine, welche vor nicht allzu langer Zeit noch im Profifußball gespielt haben. Der FC Gütersloh spielte von 1996 bis 1999 in der 2. Bundesliga. In den 2000ern war auch der RW Ahlen, u.a. als das Kunstprodukt der damaligen Zeit - LR Ahlen, insgesamt 8 Saisons lang zweitklassig. Zu der glorreichen Vergangenheit der zwei Vereine kommt noch die geringe Entfernung von lediglich 50 km zwischen den beiden Städten dazu, sodass man schon fast von einem kleinen Landderby reden kann.

Über Hannover machte ich mich auf den Weg nach Gütersloh, das in diesem Jahr die 100.000 Einwohner Grenze überschritten hat. Nach einem kurzen Spaziergang durch das Zentrum lief ich entspannt dem Bach Dalke entlang über den Stadtpark zum Heidewaldstadion. Das erste Stadion wurde an dieser Stelle noch im Jahr 1933 eröffnet und wurde wie selbstverständlich damals als Adolf-Hitler-Kampfbahn benannt. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges wurde es neben dem Fußball auch intensiv von Radsportlern genutzt. Der Fußball in Gütersloh allgemein hat eine wirre Historie. Der heutige FC Gütersloh ist der im Jahr 2000 gegründete Nachfolger vom eigentlichen FC, der sich aufgrund der Hochverschuldung nach der Saison 1999/20 auflöste. Dieser entstand wiederum erst im Jahr 1978 durch einen Zusammenschluss der Spielvereinigung Arminia mit dem Stadtrivalen DJK. Zuvor gab es ebenso eine Reihe von Fusionen. Der heutige FC schaffte es aber nicht mal ansatzweise an die Erfolge des Vorgängers anzuknüpfen. In den ersten acht Saisons nach der Wiedergründung war der Club noch viertklassig gewesen, bis er dann in die sechste Liga abrutschte und nun seit fünf Jahren zumindest fünftklassig ist.
Der Ground ist eine wahre Stadionperle! Dadurch, dass das Stadion das letzte Mal vor 18 Jahren renoviert wurde, wirkt es weder verfallen, noch zu steril. Auf drei Seiten besteht es aus richtig coolen Stehrängen, die Haupttribüne ist noch mit Bänken ausgestattet. Leider zieht es aber in Gütersloh keine Zuschauer ins Stadion. Die kleine Zuschauerzahl bei dem heutigen Duell, bei dem ein vergleichsweise bekanntes Team zu Gast war, sagt schon alles. Wie geil es sein müsste, wenn eine anständige Zuschauerzahl im Heidewaldstadion wäre, kann ich mir nur vorstellen.
Wie auch zuschauermäßig, war dementsprechend auch stimmungsmäßig nichts los. In der Heimkurve und auf der Gegengerade waren zwar ganze 18 Fahnen am Zaun zu sehen, auf den Rängen tummelten sich genug erlebnisorientierte Gestalten in Stone-Island-Jacken herum, aber vom Support der einheimischen Szene war heute keine Spur. Dies kann jedoch unter anderem damit zusammengehangen haben, dass die Anzeigetafel schon zur 3. Minute ein 0:2 für Rot Weiss Ahlen zeigte. Im Gästebereich war 90 Minuten über nur eine Handvoll Ahlener in übler Ultra-Manier aktiv. Obwohl es, wie gesagt, der einzige Stimmungsblock an diesem Nachmittag im Heidewaldstadion war, empfand ich ihn aufgrund der lächerlichen Mitmachquote und dem Sing-Sang eher peinlich bzw. nervend.
Gastronomisch wurde ich in Gütersloh stark enttäuscht: Zum einen durch die Preise von Bundesliga-Niveau – 0,25 l Bier gab es für stolze 2,50 €, zum anderen gab es zur Wurst lediglich Toastbrotscheiben wie es sonst nur im tiefsten Norden üblich ist.


Text/Fotos: Шаффи