Sonntag, 13. August 2017

Altonaer FC von 1893 - VfB Oldenburg 1:2

Regionalliga Nord
Adolf-Jäger-Kampfbahn
Zuschauer: 1400 (ca. 80 Oldenburger)

Sonntag stand dann endlich das Spiel in Altona auf dem Programm. Ich wollte dieses Stadion schon vor zwei Saisons beim kleinen Hamburger Derby besuchen, aber da hat es sich nicht ergeben. Damals hieß es, dass die Saison 2015/16 die letzte in der Adolf-Jäger-Kampfbahn sein wird. Das 1908 erbaute Stadion, das zu den ältesten Spielstätten des Landes gehört, sollte Wohnhäusern weichen. Zum Glück konnten damals die Fans dagegenhalten und den Verkauf der Stadionfläche an die Stadt anfechten. Nur blöd, dass die Hälfte des Erlöses vom Vorstand schon aufgebracht war, aber dieser konnte dann schließlich auch aufgetrieben und zurückbezahlt werden. Das Stadion, welches seit 1944 den Namen der Stürmerlegende des Vereins trägt, wurde also vorerst dann doch gerettet.

Bei der letzten Teilnahme des FC Altona an der Regionalliga vor 8 Jahren wurde nämlich das eigene Stadion aufgrund der nicht erfüllten Anforderungen der Regionalligatauglichkeit verlassen und für eine Saison das Stadion Hohenluft vom SC Victoria bezogen. Mit dem Regionalligaaufstieg in diesem Jahr bekannte man sich klar zur Adolf-Jäger-Kampfbahn und begann mit ein paar Baumaßnahmen. Ein Zaun um das Spielfeld herum wurde nun schon neu aufgestellt. Nun muss noch ein abgegrenzter Gästebereich mit einem separaten Eingang folgen. Beim heutigen Spiel war mit dem VfB Oldenburg eine Fanszene mit einer ähnlichen Gesinnung wie die Heimfans anwesend, deswegen lief es ziemlich locker ab. Nicht mal Polizei war im provisorischen Gästeblock anwesend. Beim VfB Lübeck dürfte es aber ohne einen richtig abgetrennten Gästeblock wirklich heiß werden…
Mit dem Schnellbus 37 machte ich mich auf den Weg durch die ganze Stadt, aus dem Nordosten, wo ich bei meinen ukrainischen Bekannten übernachtet habe, in den Südwesten nach Altona. Nach einer Stunde Fahrtzeit, war ich dann eine halbe Stunde vor Anpfiff am Ziel angekommen und legte die restliche Strecke durch den Stadtteil Altona zu Fuß zurück. Sehr coole Gegend muss ich sagen, auf der Strecke waren viele idyllische Backsteinhäuser. An der Kneipe am Stadion tummelten sich schon ordentlich Altona-Fans mit Pils in der Hand, auch an den beiden Kassenhäuschen bildeten sich größere Schlangen. Die Zuschauerzahl war aber dann trotz des interessanten Gegners doch eher Durchschnitt und nichts Besonderes für den Regionalliga-Aufsteiger. Vor einer Woche war das Stadion hier sogar mit 5000 Zuschauern ausverkauft, als der englische Erstligist West Ham United zu einem Freundschaftsspiel kam. Die Rekordzuschauerzahl soll hier aber im Jahr 1953 beim Spiel gegen HSV aufgestellt worden sein, als hier sage und schreibe 27.000 Leute anwesend sein sollen. Wie es da ausgesehen haben muss, kann ich mir nicht einmal vorstellen. Innen macht der Ground schon was her, sogar einen nostalgischen Eindruck. Hier lebt der Fußball noch, wie es so schön heißt. Ganz besonders fand ich die grüne Wiese in der Kurve, die den schön doppeldeutigen Namen „Zeckenhügel“ trägt. Hier versammeln sich hauptsächlich die Altpunks. Einer davon ist für die kleine, aber feine Anzeigetafel verantwortlich, die jedes Spiel auf dem Zeckenhügel platziert wird. Bei Altona bestehen noch zwei andere Fangruppen: Außen auf der Gegengeraden stehen Leute aus dem Schwarzen Block (Black Boc) bzw. Ex-St.Pauli-Fans, welche nach der starken Kommerzialisierung des Vereins dem Kiez-Club den Rücken gekehrt haben. Und gegenüber im Stehblock neben der Haupttribüne stehen die „normalen“ traditionellen Fans der Schwarz-Weiß-Roten. Ganz ungewöhnliche Situation und Zusammensetzung der Fanszene. Am größten und aktivsten scheint mir der Schwarze Block zu sein, wobei heute selbst von denen fast gar nicht supportet wurde. Von den Heimfans kam an diesem Nachmittag einfach bis auf die gleichen Schlachtrufe nicht wirklich was.
Bei den Gästen waren so in etwa 30 Leute ohne längere Pause aktiv, diese waren aber jedoch nicht wirklich ernst zu nehmen bzw. zogen das Ding ohne jegliche Leidenschaft durch. So habe ich die Oldenburger Fanszene auch schon bei ihrem Heimspiel gegen VfB Lübeck im Oktober 2016 kennen gelernt. 


Das Catering-Angebot konnte im Adolf-Jäger-Kampfbahn voll überzeugen. Es gab einen Stand mit verschiedenen Fischbrötchen, aber auch Stände mit Bratwurst, Currywurst und Brezeln im Angebot. Die Preise sind schon etwas zu hoch gewesen, aber das liegt wohl an der Stadt allgemein. Für mich gab es neben einem Halben Holsten für 3,90 ein Brötchen mit Brathering für 3,50, welches ordentlich groß war und zudem gut schmeckte.
Und auch wenn das an diesem Sonntag stimmungsmäßig gar nicht spektakulär gewesen war, konnte ich mich mit dem Erlebten dann doch zufriedengeben. Mit den ganzen Gestalten, die bei Altona herumtorkeln, kann ich eigentlich nichts anfangen, aber dennoch hat das Ganze hier was. Es ist in meinen Augen schon auf jeden Fall sehenswert, egal ob man es mag oder eben nicht.

Text/Fotos: Шаффи