Samstag, 29. April 2017

Rukh Vynnyky - Podilya Khmelnytsky 3:1

Druha Liga
Stadion Bogdana Markevycha
Zuschauer: 600 (5 Gäste)

Donnerstagmorgen war ich in der ukrainischen Stadt Uzhhorod angekommen. Uzhhorod ist die Hauptstadt der Oblast Transkarpatien (Zakarpatia) und ist mit ca. 110.000 Einwohnern die kleinste Hauptstadt der 24 Regionen des Landes. Sie liegt direkt an der Grenze zur Slowakei und nicht weit von Ungarn entfernt. Somit wurde auch die Kultur in der Stadt stark von den europäischen Nachbarn beeinflusst. Ich hatte dort einen ganzen Tag zur Verfügung und konnte neben den Sehenswürdigkeiten auch zwei Stadien (Avanhard und Avtomobilist) besuchen. Im Stadion Avanhard spielte der ehemalige Erstligist Hoverla bzw. Zakarpatia Uzhhorod bis zu seiner Auflösung 2016, das Avtomobilist-Stadion wird vom FK Uzhhorod in der Oblast-Liga genutzt.
Am nächsten Tag wurden zwei weitere Städte in der Region besucht. Zuerst war es die zweitgrößte Stadt von Transkarpatien – Mukacheve, welche ich in einer Stunde Fahrzeit mit der Marschrutka erreichte. Das Programm war ähnlich wie am Vortag in Uzhhorod: Zentrum, Burg und zwei Stadien. Nach einer anschließenden Mahlzeit in einem Restaurant mit regionaler Küche ging es weiter nach Berehove. Diese Stadt hat die Besonderheit, dass sie mehrheitlich von Ungarn bewohnt wird. Diese Einzigartigkeit hat natürlich Auswirkungen auf den Alltag: So sind die meisten Werbebanner, Schilder auf den Verwaltungsgebäuden auch auf Ungarisch gehalten, die Einheimischen reden untereinander Ungarisch usw. Ich besuchte wieder das Stadion, wo der SC Beregvidék in der Oblast-Liga seine Gegner empfängt und spazierte durch das kleine Zentrum. Kurz vor 22 Uhr war es dann soweit und ich bestieg den Nachtzug nach Lviv. Das Ticket dafür wurde noch zuhause online gekauft, da die ukrainischen Nachtzüge am Freitag doch recht schnell ausverkauft sind. 
In der Touristenhochburg Lviv war ich um 6 Uhr Samstagmorgen angekommen und bestieg gleich die Straßenbahn zum Marktplatz. In dem bekannten Lokal namens „Kryivka“, übersetzt so viel wie Untergrundhöhle der ukrainischen Nationalisten, warteten schon meine ukrainischen Groundhopping-Kollegen auf mich. Gleich als erstes den traditionellen Kurzen für das Wiedersehen getrunken und dann auch die Vareniki (Teigtaschen mit Füllung) verspeist. In Lviv wollte ich die Zeit bis zum Spiel um 17 Uhr ungern verbringen, da ich dort schon unzählige Male war, deswegen schlug ich den Besuch von Zhovkva vor. Die kleine Stadt, die lediglich 40 km von Lviv entfernt ist, zählt zu den Geheimtipps für Touristen im Westen der Ukraine. Viel gab es da aber nicht zu sehen, trotzdem ist sie relativ schick für eine Stadt mit nur 13.000 Einwohnern. Zurück nach Lviv und von dort aus mit der Marschrutka in den Vorort Vynnyky.
Eine Stunde vor dem Spielbeginn waren wir schon am Stadion. Das Stadion ist seit 2003 nach dem Vater vom Ex-Trainer von Metalist Kharkiv und der ukrainischen Nationalmannschaft Miron Markevych benannt. Bogdan Markevych wurde in Vynnyky geboren und war selbst Trainer beim vorherigen Stadtverein. Der Ground ist einer der langweiligsten in der 3. ukrainischen Liga: Eine 20 Meter breite überdachte Tribüne und ein paar Sitzbänke auf der einen und drei Sitzreihen auf der anderen Seite. Die Sportinfrastruktur hier aber insgesamt doch faszinierend im Vergleich zu anderen Vereinen in der Liga, die teils auf Schotterplätzen trainieren müssen. Geld ist hier reichlich vorhanden und das Hauptziel heißt sogar Premier Liga... Wie man sieht, verbreitet sich der Größenwahn von Vereinen aus kleinen Städten auch in die Ukraine. Es begann zu nieseln und wir entschieden uns, auf der Terrasse des Restaurants Platz zu nehmen. Von dort eröffnet sich eine ideale Sicht auf das Areal und man hat eine gute Auswahl an Speisen und Getränken. Außerdem bekamen wir dort bald eine "Audienz" bei irgendeinem Oligarchen, welcher von Polizisten, mit Pistolen und Kalaschnikow ausgestattet, bewacht wurde. Hier verbrachten wir auch die ganzen 90 Minuten des Spiels vom Tabellenersten (Rukh Vynnyky) und Tabellenletzten (Podilya Khmelnytsky) der dritten ukrainischen Liga. Fanblöcke waren bei beiden Clubs vorhanden, aber sie blieben bis auf wenige Momente ruhig. 
Nach dem Schlusspfiff machten wir uns zeitnah auf den Weg zum Hauptbahnhof in Lviv. Während wir auf den Bus warteten, holten wir noch Proviant (Weinbrand und Pepsi) für die anstehende zweistündige Zugfahrt. Lange war nichts gekommen und die Zeit wurde schon knapp, deswegen wurden noch rechtzeitig zwei Uber-Taxis geordert. Wenige Minuten vor Abfahrt unseres Zuges nach Ivano-Frankivsk waren wir schließlich dann im Waggon. Puh, geschafft!
 

Text/Fotos: Шаффи

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