Freitag, 7. April 2017

FC Hradec Králové - FC Viktoria Plzeň 0:1

Synot Liga
Všesportovní stadion
Zuschauer: 2266 (ca. 150 Gäste)

Meine letzte Tschechien-Tour liegt schon fast zwei Jahre zurück und so hielt ich schon länger Ausschau nach den Spielen beim östlichen Nachbarn. Für ein verlängertes Wochenende wurden 5 Spiele in 5 neuen Grounds gefunden. Dazu das Ganze in lediglich zwei Städten, sodass es optimal und auf eine lockere Weise mit dem Zug klappt. Am Donnerstagabend startete ich somit mit dem Flix-Nachtbus in das schöne Prag. Die tschechische Hauptstadt sollte auf der Hinfahrt aber nur eine Zwischenstation sein, denn am Freitagabend stand ein Spiel in Hradec Králové (Königgrätz) an.
Da es dort nicht all viel zu sehen gibt, entschied ich mich spontan den Vormittag in Kutná Hora (Kuttenberg) zu verbringen. Die kleine Stadt, welche im Mittelalter eine Zeitlang sogar die zweitwichtigste Stadt Böhmens war, liegt in etwa 70 km östlich von Prag. Für mich war die Stadt vor allem wegen dem Kostnice Sedlec, einem Beinhaus, interessant. Ich muss aber gestehen, dass ich das Ganze mir etwas größer vorgestellt habe, auch wenn das Kircheninnere mit 40 000 Knochen einen einmaligen Eindruck hinterlässt. Außerdem gehört die kleine feine Altstadt von Kutná Hora zur Weltkulturerbe der UNESCO und ist somit auch durchaus interessant. Viel Zeit braucht man dort aber dennoch nicht. Nach wenigen Stunden fuhr ich mit dem Zug schon wieder weiter in den Osten nach Hradec Králové. Beim heutigen Spiel freute ich mich sowohl auf den Ground als solchen, aber auch auf die erwarteten Geschehnisse auf den Rängen, da die einheimische Fanszene zu den besseren im Lande angehört. Leider musste ich erst im Stadion feststellen, dass „Ultras Hradec“ die Heimspiele des eigenen Teams boykottiert, weil die Vereinsführung sich gegen die Ultras stellt. So kämpft die Fanszene bereits seit letztem Jahr gegen vier Funktionäre und fordert ihren Rücktritt zum Ende der Saison… Aus diesem Grund musste ich mich nur mit den Gästefans, die auch eine gewisse Größe in Tschechien darstellen, zufrieden geben. Wirklich überzeugen konnten diese aber selten, was wohl unter anderem mit der schlechten Akustik des Stadions begründet werden kann. Insgesamt zog es trotz des Spiels gegen den Tabellenersten relativ wenige ins Stadion, Hradec Králové hat mit knapp über 2000 auch schon einen der schlechtesten Zuschauerschnitte der Liga. Durch den Umbau des Stadions, Beginn dessen für Ende 2017 geplant ist, erhofft sich der Verein anscheinend mehr Zuschauer. Dabei ist das „Všesportovní stadion“ eine echt schöne Schüssel mit Ostblock-Flair. Die Sitzschalen auf den beiden langen Seiten sind einfach auf den alten Bänken angebracht, das offiziell zugelassene Fassungsvermögen beschränkt sich nur auf den Sitzplätzen in Höhe von 7000. Das Sahnehäubchen sind aber die bekannten Flutlichtmasten! Wie mein Kollege Pressi in seinem Bericht 2014 schrieb, erinnern diese einen an riesigen Lupen. Wenigstens sollen diese Dinger nach der Renovierung des Stadions erhalten bleiben. Wäre auch dumm, wenn man dieses einzigartige Wahrzeichen einfach aufgeben würde.
Da es sich bei Hradec Králové um eine reine Studentenstadt handelt und diese wohl nur wenige Touristen anzieht, gibt es keine günstigen Unterkünfte. Zum ersten Mal probierte ich es also mit Courchsurfing, was optimal gelaufen ist und sicherlich wieder eine Option für mich sein wird. Es ist jedenfalls besser als in einem Zimmer mit mehreren Etagenbetten.


Text/Fotos: Шаффи

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