Sonntag, 26. März 2017

Rudar Kakanj - HNK Orasje 0:0

Prva liga Federacije Bosne i Hercegovine
Stadion Pod Vardom
Zuschauer: 600

Eigentlich sollte mit dem Länderspiel von Bosnien Schluss mit Spielen sein, doch es kam anders… Aus Zenica wollte ich am Sonntag kurz in die Stadt Travnik vorbeischauen bevor es dann nach Sarajevo gehen sollte. Travnik liegt mitten in Bosnien, blieb aber relativ verschont von den Kriegsschäden. Die Stadt ist vor allem für die mittelalterliche Festung bekannt, von welcher man einen wunderbaren Blick auf die gesamte Stadt hat. Bosnien und Herzegowina ist leider definitiv kein Zugland… Auch zwischen den Großstädten sind die Zugverbindungen nämlich sehr mau, was wohl auf die gebirgige Landschaft und Folgen des Krieges zurückzuführen ist. Jedoch fahren die Busse sehr gut und so ging es für mich mit einem Linienbus nach Travnik.
Nachdem ich in der Festung vorbeigeschaut hatte, lief ich in der Altstadt rum und bemerkte Plakate mit Spielankündigung für das heutige Zweitligaspiel des NK Travnik. Schnell habe ich nachgeforscht, ob vielleicht auch näher zu Sarajevo gespielt wird und auch glücklicherweise mit einem Heimspiel des Bergarbeiterclubs Rudar Kakanj fündig geworden. Die Freude über das zusätzlich gefundene Spiel war selbstverständlich riesengroß! Übrigens wie vielleicht dem einem oder anderen bekannt sein dürfte, besteht der dezentralisierteste Staat Europas aus zwei Teilstaaten. Diese Besonderheit hat auch eine Auswirkung auf den Fußball, indem jeder Teilstaat eine eigene zweite Liga besitzt. Eine Liga für die Föderation Bosnien und Herzegowina und die andere für Republika Srpska. 10 Jahre lang wurde die Liga der Republika Srpska sogar separat ausgetragen und war somit die höchste Spielklasse in dem serbischen Teil des Landes, was jedoch von UEFA nicht anerkannt wurde. Erst 2002 wurde diese in das Ligasystem des Staates Bosnien und Herzegowina eingegliedert und entspricht nun der zweithöchsten Liga. Die Meister der beiden zweiten Ligen steigen direkt in die staatsübergreifende Premijer Liga auf. So sind die Hausherren aus Kakanj auch einer der mehreren Anwärter für den Aufstieg in die höchste Spielklasse gewesen.
Also wieder ab in den Bus und eine Stunde nach Kakanj gefahren. Nach einem kurzen Spaziergang durch die Stadt und einer Mahlzeit war schon der Anpfiff des Spiels nähergekommen. Für umgerechnet 1,5 Euro gab es eine Eintrittskarte mit freier Platzwahl. Das Stadion besteht aus einer Haupttribüne mit Sitzschalen einer Gegengerade mit Stehstufen. An sich also nicht besonders, wenn es die Landschaft bzw. Gegend außen rum nicht gäbe... So hinterlässt es dann doch einen netten Eindruck. Auf den Rängen versammelten sich relativ viele Leute und es gab sogar zwei Fanblöcke... Ja, wieder begegnen mir zwei Fanblöcke bei einer Szene. Diese Tendenz scheint wohl leider immer weiter und überall beliebt zu werden. Auf der Gegengerade hinter der Gusari-Fahne waren wenige ältere Fans mit ihren Kindern, welche ab zu einzelne Schlachtrufe von sich zu hören gaben, anwesend. Auf der Haupttribüne befand sich dagegen der Block der Green Firm (GF), welcher mit über 20 Mann besetzt war. Die Jungs gehen dann schon mehr die Ultras-Schiene, was ich nicht nur am durchgängigen und geschlossenen Support, sondern auch an einigen Graffitis in der Stadt feststellen konnte.
Nach dem torlosen Spiel machte ich mich auf den Weg weiter in die Hauptstadt, wo am Montag dann Sightseeing angesagt war. Am Abend reiste ich dann in den Norden nach Tuzla, woher am nächsten Tag mein Wizzair-Flug nach Nürnberg startete. 

Text/Fotos: Шаффи