Samstag, 4. März 2017

Levski Sofia - CSKA-Sofia 2:1

A PFG
Vasil Levski Nationalstadion
Zuschauer: 21.000 (ca. 9.500 Gäste)

Sofia -  die Hauptstadt Bulgariens, ist nicht irgendeine Stadt für mich, sondern hier hat es mich 2005 zum Gastspiel des HSV´s das erste Mal in den ehemaligen Ostblock verschlagen. Bis heute eine der besten Touren überhaupt in meiner Karriere und wohl auch Startschuss des Virus Grounhopping bei mir.
Übrigens war der Heimsupport damals der Beste den ich je bei einem Gastspiel des HSV in den fünf Jahren Europacup in Folge erlebt habe. Purer Wahnsinn ! Legendär die Zechgelage im Happy Grill und wie die Polizei mich komischerweise in den Fahnenraum von CSKA führte...
Seitdem war ich immer mal wieder hier. Das letzte Mal hatten wir noch Pech weil das Sofia-Derby verlegt wurde. 
20% Nachlass auf Flüge bei wizzair liessen mich auch diesmal wieder Risiko gehen. Bei nichtmal 30 Euro für Hin- und Rückflug zu verschmerzen. Doch diesmal war einem der Spielplangestalter hold.
Vorher meldete sich noch Marcel aus Kassel bei mir. So teilten wir uns den pünktlich parat stehenden Hostel-Shuttle. Bei Landung um 12:00 und Anpfiff 14:30 war kein großer Zeitpuffer. Schnell die Rucksäcke im Hostel Mostel abgelegt, warteten schon Rosi und Oli, zwei bekannte Augsburger Hopper vor der Tür.
Zeitgleich mit dem Levski-Corteo kam man am Nationalstadion an. Es wurden Böller auf die bereitstehende Polizei und Wasserwerfer geworfen, bevor es ins Innere ging.
CSKA Sofia wurde 1948 gegründet und war der Club der Sowjetarmee. Er wurde 31 mal Bulgarischer Meister und 20mal Pokalsieger und ist hiermit erfolgreichster Verein Bulgariens. Aufgrund von Überschuldung wurde 2015 die Spiellizenz für die nationale A-Grupa verwehrt und in die drittklassige W-Grupa versetzt. Dort gelang der Durchmarsch und als erster Drittligist der Pokalsieg.
2016 verschmolz Hristo Stoitschkov, Europas Fussballer des Jahres 1994 und nun Aktionär, den Verein Litex Lowetsch mit dem Provinzverein Tschavdar Ethropole und nannte das neue Konstrukt CSKA Bindestrich Sofia.
Nun erhielt man die Lizenz für die Erste Liga und die Nutzungsrechte für das alte Stadion Balgarska Armija. Einige CSKA-Fans fanden das nicht so toll und gründeten den neuen Verein CSKA 1948, der in der untersten Spielklasse, der Bezirksliga A antritt. Dennoch wird der fusionierte Verein von den allermeisten Fans wohl angenommen.
Levski ist eher Club der Liberalen und wurde 1914 von Studenten gegründet und ist zweiterfolgreichster Verein. Er wurde nach dem Bulgarischen Revolutionär Vasil Levski benannt.
Das "Vetschnoto Derby" ist sicherlich eines der Brisantesten des Balkans. Allerdings dürfte das Derby in Plovdiv, noch etwas heißer sein. Das Spiel findet mittlerweile immer im Nationalstadion statt. 
Schon lange vor Anpfiff sah man das CSKA eine Choreo vorbereitete und kurz nach Anpfiff zog man sie danndurch in die mittenhinein der Führungstreffer fiel. Trotzdem wurde die Choreo noch gehalten und mit den Winkelementen gewedelt. Es geht grob darum, das man den Verein immer noch liebt und ihn nie sterben lasssen wird und er unvergleichlich ist.
Gleichzeitig bot Levski eine Choreo mit Blockfahne und an den Seiten die bulgarischen Farben. Geht wohl auf den Tags zuvor stattgefundenen Nationalfeiertag zurück. Auch sie wurde sehr diszipliniert lange gehalten.
Kurz darauf gabs von CSKA-Seite ne kleine Pyroshow, die die Ostblock-Schüssel gut einnebelte.
In der ersten Halbzeit fiel der Schiri durch Benachteiligung Levskis auf, was den Mob gut zum toben brachte. Und der Schiri unter Schutz der Polizei-Schilde in die Kabine geführt werden musste.
Zur zweiten Halbzeit gabs von CSKA auch eine Choreo mit Soldaten-Blockfahne und ebenfalls den bulgarischen Farben am Rande und der Message: "Vorwärts für Bulgarien" Bis auf die Blockfahne fast deckunsgleich mit der von Levski. Allerdings bestanden die Farbelemente aus Masken und nicht Pappen. Netter Gimmick !
Kurz darauf zündete Levski ordentlich Pyro in den Nationalfarben und auch CSKA zog sofort nach.
Über die gesamte Spielzeit fand auch ein wahres Spruchbandbattle auf beiden Seiten statt, leider kann man kein bulgarisch und kann deswegen zu den Inhalten nichts sagen.
Der Support war auf beiden Seiten sehr gut und geprägt von hohen Mitmachquoten in beiden Kurven, allerdings war das einzige Manko, die etwas geringe Lautstärke. Aber das ist nun wirklich meckern auf hohem Niveau !
Kann evt an dem offenen Stadion gelegen haben, das es nicht so brachial rüberkam.
Aber sonst war es ein Top-Derby und ist nur zu empfehlen.
Levski drehte das Spiel noch zu seinen Gunsten und es wurde natürlich wieder massenweise Pyro gezündet und im Anschluss mit der Mannschaft gefeiert. 
Für die Heimseite gab es eine halbstündige Blocksperre, sodass der CSKA-Anhang erst aus dem Stadion musste. Deren Stadion liegt ca 500 m weiter hinten im Park und man sah es noch schwarz rauchen. Es wurde wohl die Blockfahne mit allerlei Pyro verbrannt, wie man am nächsten Tag sehen konnte.
Nach dem Spiel wurde eingecheckt und man traf sich mit Augsburg zum bulgarischen Essen in einem Gerner-Restaurant. Man muss sich halt auch mal was gönnen. 
Natürlich wurde danach zum Trinkgelage im legendären Happy-Grill gerufen. Später stiessen noch Marcel (von den Brückengänger OS) und seine Freundin Ilka aus Osnabrück zu uns und man lernte auf dem Klo einen Frankfurter Hopper kennen, der mit einem Offenbach on tour war. Seltsame Kombi, aber beide sehr lustige Typen. 
Marcel aus Kassel, stieg auf Rotwein um und erreichte so das Ziel Tagesvollster. Ich brachte ihn später noch heim und war froh auch endlich mal wieder ein Bett zu sehen.
Oh, Happy Grill !
Text/Fotos: Pressi