Samstag, 25. März 2017

Bosnien und Herzegowina - Gibraltar 5:0


WM-Qualifikation 
Bilino Polje 
Zuschauer: 8285 (ca. 10 Gäste)

Eigentlich war ich noch nie wirklich Fan der Nationalmannschaften. Länderspielwochenende ist ein echtes Fußballdesaster für mich. Doch da in der WM-Quali mein Heimatland - die Ukraine in Kroatien antreten musste und eine Menge Bekannte in Zagreb auftauchen sollten, stand erst zum zweiten Mal im Leben ein Länderspiel auf dem Plan. Natürlich dürften auch drum herum andere Spiele nicht fehlen. So fuhr ich am Samstagmorgen nach zwei wunderbaren Tagen in der kroatischen Hauptstadt mit einem Liniensprinter in das Nachbarland Bosnien und Herzegowina. Dank der schlauen Terminierung der Qualifikation seitens der UEFA bzw. FIFA ist es inzwischen einfach möglich mehrere Spiele am Stück zu sehen. So wäre bei dieser Tour neben Bosnien potentiell das Spiel Montenegro – Polen drin gewesen, auch wenn ich aufgrund der erschwerten Rückfahrt doch darauf verzichtet habe.
Die ca. 300 km zwischen Zagreb und Zenica, wo seit einigen Jahren die Länderspiele des Bosnien-Herzegowina ausgetragen werden, wurden in unglaublichen 7 Stunden zurückgelegt. Eine gefühlte Ewigkeit und dabei waren die Straßenverhältnisse gar nicht schlecht! Aber der Grenzübergang dauerte schon über eine Stunde und dann meinte der Busfahrer ständig Pausen einlegen zu müssen. Nach der Ankunft am frühen Nachmittag ging ich erst zum Stadion, um mir die Karte zu besorgen. Auf dem Balkan soll es mit Länderspielen tatsächlich oft Probleme geben, da erstens die Stadien nicht so groß sind und zweitens die Bevölkerung durch ihren Nationalstolz stark hinter ihrer Nationalmannschaft stehen. Am Stadion lauerten schon die Schwarzmarkthändler. Da keine Kassen in Sicht waren und ich zu dem Zeitpunkt nur Euro hatte, kaufte ich mir für einen fairen Zehner ein Ticket für die Gegengerade. Die Zeit bis zum Spiel vertrieb ich dann in der Innenstadt, welche aber größtenteils aus Sozialbauten besteht und nicht unbedingt sehenswert ist. Es tummelten schon bereits eine Menge der Fans oder einheimischer Ultras rum, sodass die Stadt an diesem Nachmittag sehr lebendig wirkte.
Im Stadion drin und dann erst mal festgestellt, dass meine Sitzreihe fehlt. Dasselbe Problem hatten viele Besucher und wanden sich an den selben Securitas-Ordner, welcher nur den Kopf schütteln konnte. Dann wurde sich eben irgendwo hingehockt. Der Ground an sich ist ganz nett, vor allem die Kurve mit dem Hochhaus und Minarett im Hintergrund wusste zu gefallen.
Die aktive Unterstützung der bosnischen Nationalmannschaft besteht aus zwei unterschiedlichen Vereinigungen, welche auch unterschiedliche Standorte im Stadion Bilino Polje einnehmen. BHFanaticos ist die größere Gruppe und steht in der Nordkurve. Sie besteht anscheinend hauptsächlich aus den Bosniaken, da diese bei der Nationalhymne den früheren Text „Jedna si jedina“, welcher von kroatischen und serbischen Bosniern nicht akzeptiert wird, weitersingt. Als Intro wurde auf ihrer Seite eine Choreo mit Andy Capp, der bosnischen Lillie sowie dem Bulldog (Symbol der Gruppe) hochgezogen. Im Hintergrund einige Breslauer gezündet. In meinen Augen doch starke Aktion, die bei solch einem Länderspiel in anderen Ländern nicht unbedingt geben würde. Auf der gegenüberliegenden Seite stand die BBU (Bhlegion Bosnian Ultras). Diese Gruppe sticht mit den anderen Farben stark heraus. Es werden die gelbroten Farben verwenden, was wohl auf die alte Nationalfahne zurückzuführen ist. Akustisch waren beide Gruppen die ganzen 90 Minuten aktiv. Größtenteils war es aber dann nur die Mitte, welche durchgängig supportet hat. Ab und zu konnte aber das ganze Stadion in Form der Wechselgesänge oder Laola-Wellen mitgezogen werden, was dann auch einen guten Eindruck hinterließ. 
Für ein Länderspiel war das Erlebte insgesamt schon ganz gut! Auf Balkan geht es eben noch anders zu...



Text/Fotos: Шаффи

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