Freitag, 3. März 2017

1.FC Union Berlin - FC Würzburger Kickers 2:0

2. Bundesliga
Stadion An der Alten Försterei
Zuschauer: 19.875 (560 Gäste)

Es war mal wieder an der Zeit der Hauptstadt meine Aufwartung zu machen. Zufälligerweise spielten die heimischen Kickers bei Union.Sicherlich kein Knallerspiel aber es korrespondierte gut mit meinem Plan zum Sofia-Derby zu fliegen.
Also gings entspannt per ICE nach Berlin. Nach etwas Sightseeing lief man zufällig am Irish Pub vorbei, wo sich die Würzburger Szene traf.  Da man ein paar Leute kennt, nahm man einen kleinen Umtrunk mit ebenjenigen.
Rechtzeitig holte man seine hinterlegte Karte problemlos am Schalter ab. So was wollte ich schon immer mal schreiben ;-)
Union Berlin ging 1966 aus dem FC Olympia Oberschöneweide hervor. Er galt jahrzehntelang als Underdog und Looser und wurde stets benachteiligt, vor allem gegenüber dem Erzrivalen BFC. Trotzdem kamen immer mehr Zuschauer. Der Schlachtruf "Eisern Union" und Ihr Spitzname geht auf die Bezeichnung "Schlosserjungs" zurück, so wurden die Spieler aufgrund Ihrer blauen Spielkleidung genannt.
Der einzige Titel war 1968 der FDGB-Pokal gegen Carl Zeiss Jena.
Das Stadion Alte Försterei liegt wie man in Berlin sagt "Janz Weit Draussen" (JWD) zwischen Köpenick und Treptow. Es wurde ab Sommer 2008 von 2500 Unionern in Eigenregie renoviert und saniert. Insgesamt 140000 Arbeitstunden wurden hier geleistet. Bis auf die Haupttribüne hat es ausschliesslich Stehplätze und ist trotz Modernisierung ein Traum.
Hier werden Fans noch ernstgenommen, denn ohne sie wäre Union wohl nicht mehr existent. Schon 2004/5 benötigte Union für die Spielgenehmigung in der Regionalliga eine Liquiditätsreserve von 1,46 Millionen Euro. Da der Verein das Geld nicht aufbringen konnte, gründeten die Fans die Initiative "Bluten für Union" . So wurde Blut gespendet und das erhaltene Geld dem Verein zukommen gelassen.
Oskar Kosche, langjähriger Torwart sagte mal: "Die Fans sind unglaublich treu, gerade dann, wenn es besonders schlecht läuft. Je schlechter es Union geht, desto fanatischer werden die Fans".
Die Waldseite läutete das Spiel mit einer Choreo ein. Vor dem Block prangte das Spruchband: "Im Blätterwald & Aller Munde - Ob Tadel oder ob Applaus"  und im Block wurden verschiedene Schlagzeilen über den Verein und seine Spieler/Fans hochgehalten. Später wurde dann ein " Union schiesst übers Ziel hinaus " heruntergelassen und links und rechts zwei Bilder. Auf einem war Torsten Mattuschka zu sehen,nach seinem Tor gegen die Hertha und auf dem anderen Norbert Düwel, der randalierenden Fans den erhobenen Zeigefinger zeigt.
Dazu gabs ausserhalb des Stadions ein Feuerwerk. Klappte alles reibungslos und sah top aus.
Den Support von Union fand ich bockstark. Laut und fernab von dem Bundesliga-Allerlei, hier gibts kein stupides "Kämpfen & Siegen" oder "Schießt ein Tor für uns" sondern Eigenkreationen, die ich ausser "Dem Morgengrauen entgegen" von niemand sonst gehört habe. Klasse !
Momentan stimmt bei Union einfach alles und ich würde ihnen den Aufstieg gönnen. Wäre sicher in der langweiligen Bundesliga eine Bereicherung.
Man kam erst mit einer Unionerin ins Gespräch, die auch von den Plänen der Aufstockung der Hintertortribünen berichtete und dass evt die legendäre Waldseite weichen soll, was der Szene sicherlich zurecht nicht so gefällt.
Hoffen wir, dass es nicht dazu kommt. Später lernte man noch einen gleichaltrigen Unioner kennen, mit dem man sich auch super verstand und einige Biere zusammen leerte.
Sympathisches Publikum dort. 
Von den Würzburgern konnte nix vernommen werden, ich denke um in der Alten Försterei zu bestehen muss man schon eine gestandene, große Szene sein. Aber die Richtung in Würzburg stimmt im Großen und Ganzen und es entwickelt sich was, zwar langsam, aber es geht voran. Auch die Auswärtsfahrerzahl heute ist aller Ehren wert, wenn man bedenkt das vor 5 Jahren halb so viele bei einem Heimspiel waren.
Nach dem Spiel ging es nochmal in eine Kneipe um die Zeit bis Mitternacht zu überbrücken, dann stieg man in den Nachtzug gen Dortmund, wo man früh morgens ankam und man von dort aus ins sonnige Bulgarien zum Derby startete.
Dem Morgengrauen entgegen, ziehen wir gegen den Wind,
und wir werden alles zerlegen, bis wir Deutscher Meister sind !
FC Union du sollst strahlen, wie der hellste Heiligenschein
und überal soll es schallen FC Union mein Verein
Text/Fotos: Pressi