Samstag, 11. Februar 2017

Vitória SC - FC Porto 0:2

Primeira Liga
Estádio Dom Afonso Henriques
Zuschauer: 27 212 (ca. 4500 Portuenser)

Schon lange wollte ich das Land Portugal besuchen. Mein Interesse dafür besteht seit dem sensationellen Champions League Sieg des FC Porto. Erst heuer kam es zu einer Reise dorthin und so ging es mit TAP Portugal für eine Woche auf die iberische Halbinsel. Am Freitag widmete ich mich dem Sightseeing in Porto und am Samstag ging es auch schon zum Fußball.
Mit der Stadtbahn sollte es in die 40 km weite Stadt Guimaraes gehen. Für ca. 6 Euro gab es eine Karte mit Tickets für die Hin- und Rückfahrt, welche dann nur noch jeweils vor der Abfahrt validieren werden mussten. Guimaraes hat jedoch nicht nur fussballmäßig was zu bieten, denn es handelt sich dabei um die erste Hauptstadt des Landes.
Somit bringt es auch kulturelle und historische Wertigkeit mit. Die Stadt selbst sieht sich stolz als die „Wiege der Nation“, da sie in dem Unabhängigkeitsjahr von Portugal die Hauptstadt des neugegründeten Landes war. Der erste König soll nämlich vermutlich aus Guimaraes abstammen, sodass in der Stadt dieser Bezug oft präsentiert wird, selbst auf dem Vereinswappen des Vitoria SC ist seine Statue abgebildet und das Stadion auch nach ihm benannt. Zu den Sehenswürdigkeiten gehört die Altstadt, welche zur Welterbe der UNESCO gehört, die ein Tausend Jahre alte Burg Castelo de Vimaranes und der Berg Serra da Penha. Nachdem wir schon um 12 Uhr mittags in der Stadt waren und die Eintrittskarten für das Spiel besorgt hatten, konnten wir alle drei Sachen ansehen und uns von der Schönheit der Stadt überzeugen lassen. Vor allem Serra da Penha ist einen Besuch wert. Mit der Seilbahn geht es auf den sogenannten Felsenberg, wovon eine wunderbare Sicht auf die ganze Stadt und Umgebung besteht.
Das Stadion, welches zwei Gruppenspiele der EM 2004 empfangen hat, ist zwar modern, besitzt dennoch Charme und ein gewisses Etwas. Es ist aber in meinen Augen jetzt allgemein so, dass die Stadien der damaligen EM eigentlich alle einzigartig sind. Da es nah am Zentrum liegt, waren wir schon eine Stunde vor Anpfiff drin. In der Nordkurve machte sich die Porto-Fans breit. Aufgrund der kleinen Entfernung zwischen den Städten waren die Dragões (Drachen) ordentlich angereist. Die beiden Ränge der Kurve waren fast voll. Die Portuenser sangen sich ein und flaggten schon auf. Sowohl oben als auch unten wurde die Zaunfahnen der bekanntesten Ultragruppierung Super Dragões aufgehängt, im Unterrang war daneben auch noch die Fahne der anderen Gruppe Collectivo Ultras zu sehen. Langsam marschierten auch die Heimfans der Gruppierung White Angels und flaggten bei sich in der Südkurve auf. Langsam begannen auch Hassgesänge und dann als der erste Böller aus dem Gästebereich geworfen wurde, ging es los. Die Leute auf der Gegengerade, wo auch ich in der Nähe vom Gästeblock Platz nahm, sprangen emotional auf und rannen zur Gästekurve. Einer traute sich auch auf den Zaun und lieferte sich einen Schlagabtausch mit einem Portuenser. Die anderen Heimfans waren dann mit Werfen der Sitzschale sowie Pöbel der Gäste beschäftigt. Obwohl es jetzt kein Derby für beide Seiten darstellt, habe ich dadurch schon gemerkt, dass eine gewisse Brisanz bei diesem Duell vorhanden ist. Ein paar Minuten später ging die Polizei dazwischen und es entstand jetzt ein Pufferbereich, welcher davor nicht wirklich bestand. Beide Seiten waren nun heiß und lieferten sich nun einen Kampf im Support. Im Heimbereich wurden zwei Blockfahnen mit den Zeichnungen der Statue des Afonso Henriques, der heimischen Burg und der Ultras sowie einem lateinischen Satz hochgezogen. Bei dem Vereinslied „Sou Vitória“ mit der Melodie des „We are sailing“ und an folgenden Gesängen waren auch die Normalos auf der Gegengerade sehr aktiv beteiligt. Von der Lautstärke war das Ganze dadurch schon sehr bemerkenswert, so wie ich persönlich es in Portugal gar nicht erwartet hätte. Gut, lang dauerte diese brutale Atmosphäre nun auch nicht: Sobald die Gegengerade sich mehr auf das Spiel zu konzentrieren begann, war der Gästeanhang an meinem Standort hauptsächlich zu hören. Dies würde ich aber keineswegs der Heimtribüne vorwerfen, denn diese waren eben einfach nur zahlenmäßig den Portuensern unterlegen. Grundsätzlich handelt es sich schon um eine interessante und sehenswerte Fanszene. Hinter den Top-3 Clubs des Landes soll diese nämlich an nächster Stelle stehen. Das Publikum in Guimaraes fand ich im Allgemeinen sehr emotional: Bei jeder Kleinigkeit auf dem Spielfeld sind gleich mehrere Dutzend Einheimischer aufgesprungen und auf übelster Weise auf die Gegner und Schiedsrichter gepöbelt. Um es vorwegzunehmen, empfand ich dieses Spiel stimmungsmäßig schon sehr genial und es bleibt definitiv in Erinnerung.
Auf der Gästeseite wurden für das Intro blau und weiße Bänder im Unterrang gespannt und es waren über Dutzend riesiger Schwenker und ein paar Bengalos im Einsatz. Wie schon erwähnt, waren die Gäste massenhaft anwesend. Als eine Invasão (Invasion) bezeichneten es die Portuenser selbst. Der Support war dementsprechend durch eine hohe Mitmachquote hervorragend. Laute und melodische Gesänge fast ohne Pausen die 90 Minuten durch. So habe ich mir jetzt den Support-Stil hier auch vorgestellt. Teils waren die Melodien bekannt, teilweise aber neu für meine Ohren. In Deutschland bin ich beispielsweise gar kein Fan vom melodischen Support, aber in Portugal hat es mich schon angetan. Zu portugiesischer melodisch weicher Sprache passt dieser Supportstil einfach, während zu deutscher harten Sprache und Kultur in meinen Augen eben gar nicht. Den FC Porto mit seinen Super Dragões muss ich auf jedem Fall noch bei einem Heimspiel ansehen…

Text/Fotos: Шаффи

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