Dienstag, 14. Februar 2017

SL Benfica - Borussia Dortmund 09 1:0

UEFA Champions League 
Estádio da Luz 
Zuschauer: 55 124 (ca. 3000 Dortmunder)

Am Montag ging es mit dem Bus des Rede Expressos aus Porto in die Hauptstadt des Landes. Nach etwas über drei Stunden Fahrt waren wir in Lissabon angekommen. Dann ging es mit der U-Bahn zum Hotel und schnell in die Innenstadt, um sich noch Karten für das Champions League Spiel zu besorgen. Im Fanshop direkt in der Fußgängerzone konnte ich problemlos nach Vorzeigen eines Ausweises noch Karten in der billigsten Kategorie (Preis: 35 Euro) besorgen. Obwohl ich erahnt habe, dass das Stadion bei dem Spiel nicht ausverkauft sein wird, war ich erst dann zufrieden, als ich die ersehnten Tickets in der Hand hatte. Für mich sollte es zum ersten Mal zu einem CL-Spiel gehen und der Kartenpreis war damit schon unter den Teuersten, die ich je gekauft hatte.
In Lissabon war das Wetter schon deutlich besser als in Porto und so konnten wir am Dienstag unter der warmen Sonne gut die Stadt erkunden. Auch mit der legendären alten Straßenbahn konnten wir auf der Linie 12 durch einen Trick ohne in der ewiglangen Schlange zu warten fahren. Nach dem Besuch des Turms von Belém ging es zu Fuß von der Endhaltestelle der Straßenbahn zum alten Nationalstadion im Vorort der Hauptstadt. Zumindest vom Zaun aus konnte ich es mir anschauen. Eine echt schöne Schüssel, die ich gerne mal irgendwann mit dem Pokalfinale kreuzen würde…
Das Treffen der Dortmunder Fanszene am Praça do Comércio (Handelsplatz) musste ich leider verpassen, da es vor dem Spiel noch dringend zum Essen gehen sollte. Eineinhalb Stunden vor Spielbeginn ging es dann mit der U-Bahn zum Stadion. Am Anfang hatte die überfüllte Bahn Schwierigkeiten voranzukommen – an mehreren Stationen war sie jeweils über 5 Minuten gestanden. Aber alles halb so wild, denn doch relativ früh waren wir an der richtigen Station angekommen und liefen über den mit Graffiti geschmückten Tunnel direkt zum Stadion. Im Gegensatz zu den Dortmundern, die Probleme mit den Sicherheitskräften am Stadion gehabt haben sollen, waren wir nach einer vermeintlichen „Kontrolle“ extrem flott drin. Unsere Plätze waren im dritten Rang ziemlich an der Ecke der Hintertortribüne, wo auch der Gästeblock war. Auf den einen Heimblock der Diabos Vermelhos, welcher in der Nordkurve platziert ist, hatten wir eine perfekte Sicht, der andere Fanblock von No Name Boys war im ersten Rang direkt unter uns und somit nicht zu sehen. Diese Abspaltungen bzw. verschiedene Standorte der verschiedenen Ultra-Gruppen scheinen bei den drei großen Fanszenen Portugals gang und gäbe zu sein. Andere Länder, andere Sitten…
Zum Anpfiff gab es eine Zettelchoreo im ganzen Stadion, nach der Durchsage wurden die Zettel umgedreht und es gab ein anderes Bild auf den Tribünen des Estádio da Luz. Zur Krönung wurde auf der Gegengerade eine Folie mit einem Adler (Vereinssymbol), welcher den Champions League Pokal hält, und dem portugiesischen Satz „Siege für uns“ hochgezogen. Dazu gab es sehr laute Gesänge vom ganzen Stadion. Ohne die Unterstützung der Normalos war der Support der Lissaboner für die Größenverhältnisse des Stimmungblockes in der Nordkurve schon gut. Der Grund der Stille seitens der Dortmunder war in dem Moment für mich unklar, stellte sich später aber heraus. Sowohl in Spanien als auch Portugal soll mit der Polizei nicht zu spaßen sein und so erlebten dies auch die Dortmunder vor dem Stadioneingang. Erst gegen zwanzigste Minute waren die Gäste komplett drin und die Zaunfahnen der Ultras-Gruppen (The Unity, Desperados, Jubos) aufgehängt. Dann wurde auch geschlossen vom ganzen Gästeblock mit dem Support losgelegt. Bis zur Halbzeit war dadurch mehr von Borussia als von den Heimfans zu hören. 
 Zum Wiederanpfiff wurde im Gästeblock eine Fahne, welche an den Champions League Sieg der Borussia vor 20 Jahren erinnern sollte, ausgerollt. Die Message wurde von der eigenen Mannschaft aber nicht gehört und so kam es in der 48. Minute zum Tor der Hausherren. Die Stimmung der Borussen wurde immer mieser. Nach dem verschossenen Elfmeter der Dortmunder befanden sich im Gästeblock fast ausschließlich die Ultras in Bewegung, jedoch war davon nicht mehr viel zu hören. 
Insgesamt, über das ganze Spiel gesehen war der Auftritt der Heimszene vergleichsweise doch eher durchschnittlich. Wie ein anderer neutraler Zuschauer aus dem Hotel mir sagte: Vielleicht ist Benfica ja der FC Bayern des Portugals. Naja, kann sein! Zumindest von der Mitgliederzahl und den Erfolgen sind die Beiden schon sehr gut vergleichbar...


Text/Fotos: Шаффи