Dienstag, 28. Februar 2017

Hellas Verona FC - Ternana Calcio 2:0

Serie B
Stadio Marcantonio Bentegodi
Zuschauer: 12 724 (ca. 10 Gäste)

Während wohl die absolute Mehrheit der süddeutschen Bevölkerung schon einmal in Italien gewesen ist, ging es für mich jetzt zum ersten Mal in das stiefelförmige Land. Ein weiteres Debüt dieser Reise: Zum ersten Mal bin ich mit Ryanair, einer Billigfluggesellschaft, geflogen. Aus Nürnberg werden damit sehr viele italienische Städte angeflogen, für mich ging es aber in den Norden, nach Bergamo. Gleich nach Ankunft fuhr ich dann weiter mit dem Fernbus in das romantische Verona. Am gleichen Abend stand noch das Spiel der Hellas Verona im legendären Stadio Marcantonio Bentegodi.
Der Kollege Harry war bereits ganze drei Mal und hat genug davon geschwärmt, sodass es bei meinem Italien-Besuch einfach nicht fehlen durfte. Trotz den unspektakulären Gegner (Fans des Ternana boykottieren die Auswärtsspiele ihrer Mannschaft) war die Vorfreude groß - das Stadion in Verona ist schließlich einmalig. Wobei ganz Italien ist in dieser Hinsicht die richtige Adresse für Groundhopping: Die Anzahl der modernen Arenen kann hier tatsächlich an einer Hand abgezählt werden und auch die Fanszenen sind am wiedererstarken, auch wenn noch meilenweit von einstiger Stärke entfernt... Zurück zu Verona! Im wahrsten Sinne des Wortes ist das dortige Stadion ein Kolosseum des 20 Jahrhunderts. Ursprünglich war das 1963 eröffnete Stadion ohne Dach, wurde aber im Rahmen der Renovierung zur WM 1990 mit einem Dach ausgestattet. Es hat ganze 4 Ränge, wobei der unterste davon wohl schon länger nicht benutzt wird und der oberste bei durchschnittlichen Spielen auch nicht geöffnet wird.
Aus dem Hotel nahe dem Hauptbahnhof Porta Nuova ging es zu Fuß etwa 15 Minuten zum Stadion. Der Kollege erzählte mir, dass es problemlos mit dem Kauf der Karten vor dem Spiel geht. Klingt ja vielleicht selbstverständlich, ist jedoch in Italien nicht immer so. Die Kassen befinden sich gegenüber der Haupttribüne im Container. Den Pass vorgezeigt und faire 18 Euro bezahlt und schon hatte ich mein personalisiertes Ticket für die Gegengerade.
Weniger als eine Stunde vor dem Spiel war ich dann schließlich auch drin. In der Curva Sud waren bereits einige Zaunfahnen zu sehen, bis zum Anpfiff wurde trotzdem noch massenhaft aufgeflaggt. Die Fahnenkultur der Hellas erinnert einen extrem an die englische Nationalmannschaft, wo fast ausschließlich identische Georgskreuze mit unterschiedlichen Beschriftungen verwendet werden. Das Pendant dafür sind in Verona die gelb-blauen (bzw. Italienisch: gialloblu) Fahnen der Stadt. Auf den Fahnen sieht man teils auch eine Leiter, welche für die mittelalterlichen Herren der Stadt, der sogenannten Scaliger-Dynastie steht. Hellas gilt schon als klare Nummer Eins der Stadt, auch wenn der Stadtteilclub Chievo eine Liga höher spielt. Die Brisanz dieses Derbys ist somit in keiner Weise mit den anderen italienischen Stadtderbys, wie Milan, Rom oder Genua zu vergleichen. Um es vorwegzunehmen wurden heute supporttechnisch wie erwartet nicht die Sterne vom Himmel gerissen. Insgesamt war es ein durchschnittlicher Auftritt der Hausherren. Ab und zu wurde aber ordentlich losgelegt, sodass ich trotzdem erkennen konnte welch großes Potential hinter der Curva Sud steckt. Das Repertoire der Gesänge war teilweise wie auch die bereits erwähnte Fahnenkultur britisch geprägt.
Alles in einem konnte ich in Verona eine interessante Fanszene, ein einzigartiges Stadion und eine wundervolle Stadt bestaunen. Auf jedem Fall ein Muss beim Besuch des Norditaliens!

Text/Fotos: Шаффи

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