Samstag, 12. November 2016

FC Stahl Brandenburg - FC Eisenhüttenstadt 0:3

Brandenburgliga
Stadion am Quenz
Zuschauer: 100 (ein paar Gäste)

Bevor ich nach Berlin gezogen bin, freute ich mich schon auf die vielen neuen Grounds, vor allem aber auf das Stadion am Quenz in Brandenburg an der Havel. So plante ich frühzeitig für den 12. November einen Besuch bei Stahl Brandenburg ein. Eine Woche vor dem Spiel sah ich plötzlich eine Alternative: Der BSC Süd 05 trifft zeitgleich im Landespokal auf Energie Cottbus. Die Stadien der Stadtrivalen sind zu weit auseinander. Eine Halbzeit da und die andere dort war ohne Auto nicht drin. Obwohl mein Kollege Pressi mich oft genug als „Atmohopper“ bezeichnete, entschloss ich mich dies Mal gegen ein fantechnisch besseres Spiel und zog den viel besseren Ground vor!
Aus Berlin ging es also mit der Bahn nach Brandenburg. Im Zug traf ich zufällig auf zwei Hopper aus Niedersachen, mit denen ich schnell ins Gespräch kam und die Fahrt ging schnell vorbei. Am Bahnhof trennten wir uns: Für die beiden ging es zum Pokalspiel des BSC Süd und ich machte mich auf den Weg zum Stadion des FC Stahl. Es liegt am Ende Stadt, in der sogenannten Quenzsiedlung. 5 km musste ich in einer Stunde zurücklegen, was ohne Problem klappte und so stand ich pünktlich zum Anpfiff drin. Das Stadion hat eher den polnischen oder tschechischen Baustil, von dieser Sorte gibt es in Deutschland jetzt weniger. Es wurde 1955 auf der Stelle eines alten Kriegsgefangenlagers fertiggestellt und ist seitdem die Heimat von Stahl. Ursprünglich hatte es keinen Namen und gilt einfach im Volksmund als das Stahlstadion. Sein größtes Wahrzeichen sind die Flutlichtmasten, welche seit 1990 die Schüssel schmücken. Letztes Jahr sollten diese noch abgerissen werden, doch die Interessensgemeinschaft „Freunde des Stahlstadions“ konnte dagegenhalten und das nötige Geld zum Erhalt der Masten auftreiben.
Der ursprüngliche Verein, die BSG Stahl, wurde 1950 gegründet und verbrachte die meiste Zeit der Geschichte in den unteren Ligen. 1984 schaffte die Betriebssportgemeinschaft den Aufstieg in die DDR-Oberliga. 1986-1988 erlebten die Stahler ihre größten Erfolge. Die Mannschaft spielte eine Saison im UEFA-Pokal und erreichte den vierten Platz der ostdeutschen Meisterschaft. Nach der Wiedervereinigung ging es immer weiter bergab für Stahl. Aus BSG wurde 1989 die BSV und im Jahr 1998 wurde nach dem Konkurs der BSV der heutige FC Stahl. Vor einigen Jahren gab es Versuche die beiden Rivalen (FC Stahl und BSC Süd 05) zu fusionieren. Diese scheiterten aber u.a. wegen dem Einsatz der Stahl-Fans.
Heute versammelten sich auf der Haupttribüne etwa Hundert treuere Stahler. Ganze 13 Zaunfahnen hingen im ganzen Stadion verteilt. Am Anfang gab es noch etwas Support vom Heimblock. „Stahl – Feuer!“ schallte durch das Stahlstadion. Die Heimmannschaft zeigte aber echt eine üble Leistung. In der 33. Minute fiel das 0:3, worauf der größte Teil des Fanblocks auf den Nebenplatz wanderte und dort ein wenig die Jugend supportete. In der zweiten Halbzeit wurde die Leistung kaum besser, aber es blieb auch beim Ergebnis der ersten Hälfte. Ich besuche relativ selten so unterklassige Spiele. Die heutige Atmosphäre, das Gebolze auf dem Platz brachten Erinnerungen an die Würzburger Kickers, als die vor wenigen Jahren noch sechstklassig kickten, hoch. Einerseits ist die Situation bei manch einem Traditionsverein traurig, anderseits aber das Flair irgendwie geil… Ich habe meine Entscheidung dieses Spiel und nicht das Pokalspiel zu besuchen jedenfalls nicht bereut.

Text/Fotos: Шаффи