Samstag, 1. Oktober 2016

Hannover 96 - FC St. Pauli 2:0

2. Bundesliga
Niedersachsenstadion
Zuschauer: 49 000 (ca. 8000 Hamburger)


Eigentlich besuche ich eher selten und ungern Bundesligaspiele, weil mir die Stadien zu steril sind und die Stimmung oft in der Zuschauermasse untergeht. Manchmal suche ich aber doch Spiele heraus, die mir relativ interessant erscheinen. So war es auch diesmal. St. Pauli ist eine der wenigen deutschen größeren Szenen, die ich noch nie gesehen habe, außerdem war durch die nicht allzu große Entfernung mit einer guten Anzahl der Hamburger zu rechnen.
Ich habe mich erst ziemlich spontan entschieden und der Zug am Morgen war mir schon zu teuer, sodass ich den Flixbus nachts nehmen musste und auch erstmal wegen Verspätung 40 Minuten im vollgepissten Park am Würzburger Hauptbahnhof warten durfte. Die Ankunft in Hannover war trotz der Verspätung immer noch viel zu früh, sodass es um kurz vor 7 erstmal Zeit totschlagen hieß. Nachdem ich mir dann die wichtigsten Sehenswürdigkeiten angesehen hatte, traf ich mich mit einem in Hannover lebenden Fan von Dynamo Kiew, bei dem ich meine Tasche lassen konnte und der mich nach dem Spiel bei sich beherbergte. Danke dafür nochmal! Eine halbe Stunde vor Spielbeginn war ich am Stadion, was aber für Bundesligaverhältnisse ein wenig knapp war. Trotzdem schaffte ich es gerade so pünktlich zum Anpfiff rein.
Tatsächlich war eine gute Anzahl der St. Pauli-Fans angereist und befüllten nicht nur den Gästeblock, sondern auch benachbarte Blöcke. Zu Beginn gab es bei ihnen eine Zettelchoreo zu bestaunen.
Im Heimbereich versammelte sich im Oberrang der aktivere Teil der Fans und es gab ein Intro mit dem Spruch „Kämpfen bis die Fetzen fliegen“, welcher später zu „Kämpfen bis die Fotzen liegen“ wurde. Dazu gab es Konfetti, das ich leider nicht auf ein Bild gebracht habe. Der zweite Spruch blieb die ganze 1. Halbzeit hängen, was mich positiv überraschte.
Angeblich sind in Hannover schon wieder bessere Zeiten zurückgekehrt, trotzdem hörte ich sie nur schwach, was aber sicher an meinem Platz nahe der Gäste lag. Die Mitmachquote lag bei maximal ca. 500 Leuten, wobei mir aber auch der Vergleich zu früher fehlt. Durch meinen Platz hörte ich St. Pauli die ganze Zeit. Größtenteils machte zwar nur ein guter Teil vom Stehplatzblock mit, ab und zu schaltete sich aber auch der Rest ein. Hannover zeigte in der zweiten Halbzeit viele Zaunfahnen, wovon die große Ultras Hannover-Fahne meinen Geschmack treffen konnte.
Bei St. Pauli sah es da schon schlimmer aus. Ich kann die deutsche Zaunfahnenkultur einfach nicht nachvollziehen. Es werden tausend Fahnen im Taschentuchformat aufgehängt, wobei die Hälfte auch noch überhangen wird, sodass sichergegangen wird, dass man gar nichts erkennen kann. Jeder Fanclub muss sein eigenes Ding machen und dazu eine möglichst kleine Fahne mit „Sektion Sekt Boys“ ausdenken, dazu am besten noch mit einem Insiderwitz.
Nach dem 1:0 haben die Hamburger größtenteils aufgehört Stimmung zu machen, wodurch ich die Hannoveraner umso besser wahrnehmen konnte. In der Nachspielzeit machte Hannover den Deckel drauf und befindet sich damit nach diesem Spieltag auf dem 2. Tabellenplatz. 


Text/Fotos: Шаффи

nächstes Spiel der Tour