Mittwoch, 26. Oktober 2016

Borussia Dortmund 09 - 1. FC Union Berlin 4:1 n. E.

DFB-Pokal 2. Runde 
Westfalenstadion 
Zuschauer: 79 037 (ca. 12 000 Berliner) 

Während wohl jeder Fußballbegeisterte des Landes schon mal im größten deutschen Stadion war, sollte es für mich erst jetzt zum ersten Mal nach Dortmund gehen. Ich wollte mir immer schon vor Augen führen, ob es sich bei der Stimmung im Westfalenstadion um ein Mythos oder eben die Wahrheit handelt… So sollte es aus dem schönen Mainfranken in den weniger schönen Ruhrpott zum Spiel der 2. Pokalrunde gehen. Am Würzburger Bahnhof angekommen erstmal die negative Überraschung: Mein Intercity nach Dortmund hat eine Verspätung von 90 Minuten und verkehrt heute nur bis Frankfurt. Bevor ich den Teufel an die Wand malte, ging ich aber zuerst zum Infopoint. Dort bekam ich problemlos die Zugbindung aufgehoben und nahm einen ICE nach Essen.
Schlussendlich war ich sogar früher da als ich es mit dem gebuchten Zug gewesen wäre.
Mit einem ukrainischen Landsmann ging es recht früh zum Westfalenstadion. In der Gegend waren schon mengenweise saufende Unioner, welche heute mit ganzen drei Sonderzügen zu ihrem ersten Spiel in Dortmund angereist sind. Alle Gäste trugen die einheitliche rote Regenjacke mit der Aufschrift „Keine Wand ist unbezwingbar“, was ein super Bild sowohl innerhalb als außerhalb des Stadions abgab. Mehr als eine Stunde vor dem Spiel betraten wir unseren Block 68 im Oberrang der Nordtribüne. Für den stolzen Preis von 32 Euro ist es noch der günstigste Platz, von dem man einigermaßen beide Fanblöcke sehen kann. Optimal ist es dennoch nicht… Erstens stört einen das Dach im zweiten Rang massiv, um sich ein Bild vom Stadion machen zu können. Zweitens sieht man die Gäste halt nur seitlich. 
10 Minuten vor Anpfiff, kam im Stadion die Durchsage, dass der Anpfiff des Spiels aufgrund des Zuschauerandrangs um 15 Minuten verlegt wird. Um 21 Uhr waren aber immer noch nicht alle drin, vor allem bei Gästen fehlte noch der harte Kern, was sich auch an fehlenden Zaunfahnen bemerkt machte. Somit war der Gästeanhang am Anfang relativ selten aktiv. Die Südtribüne startete ins Spiel mit gleich zwei Konfettishows. Es sah schon geil aus, als auf der riesigen Tribüne überall Konfettis durch die Gegend geflogen sind. Nach der kurzen Phase, wo das ganze Stadion mit der Südtribüne anstimmte, war dann aber nur noch ein sehr kleiner Teil der 25 000 Steher supporttechnisch aktiv. 
Die ganzen Unioner waren erst nach der 30. Minute drin. Der Support ihrerseits war nun viel besser geworden. Der ganze Gästeanhang zog es selbst während der Pause durch: „FC Union, unsere Liebe, unsere Mannschaft unser Stolz, unser Verein, Union Berlin, Union Berlin“ Einfach nur geil gewesen! Zur Beginn der zweiten Halbzeit wurde eine Blockfahne im Unterrang des Gästeblocks hochgezogen und im Anschluss startete die erste Pyroshow, welche selbst die Presse angekündigt hatte. Obwohl gar kein Rauch auf dem Spielfeld zu sehen war, weigerte sich der Schiedsrichter etwa fünf Minuten lang wiederanzupfeifen. In der 75. Minute brannten im Gästeblock wieder um die 15 Bengalos. Ab da wurden dann immer wieder einzelne Bengalos abgebrannt. Der Stadionsprecher nervte gewaltig, auch beim 10. Mal sagte er durch, dass das Spiel wegen Pyro abgebrochen werden kann. 
10. Minuten vor Schluss schafften die Berliner den Ausgleich und es ging in die Verlängerung. Es blieb weiterhin bei einem klasse Support der Berliner. Das Repertoire war top, typisch Union eben. Meine Aufmerksamkeit widmete sich voll der roten Wand, die Gelbe war ja nicht zu hören. Das letzte Mal, das ich als neutraler Beobachter so mitgerissen wurde, war beim 50 Jahre Jubiläumsspiel des 1. FCM vor 11 Monaten. Die Verlängerung ging torlos aus und es kam zum Elfmeterschießen. Mit der Auslosung des Tores auf der Südseite war das Schicksal der Berliner Mannschaft in meinen Augen schon stark vorentschieden. Bei jedem Elfer der Unioner stieg der Lärmpegel gewaltig. Die Südtribüne war mit ihrem Pfeifkonzert so laut wie noch nie an diesem Abend. Alle drei Schützen scheiterten und Borussia konnte ins Achtelfinale einziehen. 
Erst gegen Mitternacht war das Ganze zu Ende. Somit mein spätestes Spiel überhaupt… 

P.S. Meine Meinung zur Südtribüne hat meine These nur bestätigt. Bei dem Normalverlauf eines durchschnittlichen Spiels ist die Stimmung auf der Südtribüne nicht viel anders ist als in anderen deutschen Stadien. Aber bei wichtigen Spielen ist es dann natürlich schon ein Unterschied ob eine Tribüne mit 10000 mitzieht oder eine Südtribüne mit ihren 25000 Stehplätzen. 

Text/Fotos: Шаффи