Samstag, 3. September 2016

BFC Dynamo - Hamburger SV 0:4

Freundschaftsspiel: 50 Jahre BFC Dynamo
Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark
Zuschauer: 9.000 (ca. 600 Gäste)

Die meinsten Fußballvereine, vorzugsweise die in den Profiligen sind mindestens genauso austauschbar wie die dicken Weiber in euren Lieblingsswingerclubs. Doch es gibt sie noch, die Unikate! Und eines dieser Exemplare feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen, der Berlin FC Dynamo. Zu diesem Anlass gab sich der Bundesliga-Dino aus dem hohen Norden die Ehre in der Hauptstadt.
Der BFC gehört zweifelsfrei zu den außergewöhnlichsten Vereinen in diesem Land. Nicht nur auf Grund seiner, teilweise zwielichtigen Vergangenheit in der DDR sonder vor allem weil er mit 10 Meistertiteln in Folge der erfolgreichste Verein im Osten war.
Dynamo schaffte es in den 80gern sogar zwei Mal ins Halbfinale des Europapokals der Landesmeister. Aber leider ist der Glanz der 80ger, wie bei euren Eroberungen nach der letzten LSD-Party längst verflogen. So schaffte es Dynamo nach der Wende bis in die Verbandsliga Berlin durchgereicht zu werden. Seit 2014 kicken die Weinroten wieder in der viertklassigen Regionalliga.
Da man es ja von den Familienfesten nicht anders kennt, wenn der dubiose Onkel feiert, geht man natürlich in der Hoffnung auf Freibier hin. Gleich vorweg frei war es nicht aber Bier gabs genug. Und so fanden wir uns schon vor dem Spiel im angrenzenden Kiez auf einen Hopfensmothie zusammen und beäugten die Kästen um uns herum, wie ein Getränkelieferant.
Man hat ja wirklich schon einiges über den Ruf dieser Fanszene gehört, aber was hier rumspaziert würde fast jeden Erst- und Zweitligisten neidisch machen! Man bekommt den Eindruck, als würde man als BFC-Fan ab dem 13. Lebensjahr automatisch einen modischen Kurzhaarschnitt, Tätowierungen und ein lebenslanges Abo für die örtliche Mukkibude bekommen.
Nachdem wir unsere Plätze auf der Haupttribüne eingenommen und das nächste Bier intuss hatten, begannen die Feierlichkeiten. Neben zwei unterirdischen ''Live'' Rockbands und einem Fanchor auf dem Rasen gab es von den Ultras auf der Gegengerade zum Anpfiff eine nette Choreo. Gezeigt wurden auf Doppelhaltern die Europapokalgegner aus den glorreichen Tagen, untermalt von goldenen Folientafeln und ein bisschen Rauch. Das ganze kann man unter dem gleichen Motto wie deine Sexperformance nach dem üblichen Speedtripp zusammen fassen, bemüht aber man erwartete Größeres.
Aber sei's drum, der BFC ist ja auch nicht für seine Ultras bekannt, sondern für die Herren der härteren Gangart. Diese hatte Ihren Auftritt nach ca. 10 gespielten Minuten, als sich im Gästeblock ein ca. 50 Mann Haufen auf der Suche nach Spielgefährten in Richtung Haupttribüne bewegte. Als man jedoch erkannte, wen man sich hier zum spielen ausgesucht hat, bevorzugte man, einen Schritt langsamer zu machen und es beim Pöbeln zu belassen.
Nach dem wir uns noch ein paar mehr Bier in den leeren Kopf gekippt hatten und die holde Dame vom Bierstand gerade dabei war, sich in einen Herrn unserer Suff- und Sportfreundegruppe zu verlieben, plätscherte das Spiel vor sich hin wie eine Nacht im Stockbett mit deinem bettnässenden Bruder über dir.
Wir bevorzugten es schlussendlich nach dem 0:4 in der zweiten Halbzeit und angekündigter Blocksperre für die Haupttribüne das Stadion zu verlassen um lieber im Umfeld noch ausgiebig zu Zechen. Am Ende des Tages war der Geldbeutel leer und der Alte voll, also so wie ihr es von zu Hause gewohnt seid...

GASTBERICHT: Markus