Samstag, 30. Juli 2016

Metalurh Zaporizhya – Myr Hornostayivka 0:1


Druha Liga
Zentralnyi Stadion Metalurh
Zuschauer: 1700

Als erstes Spiel meines Ukraine Aufenthaltes plante ich Metalurh Zaporizhya ein. Zaporizhya liegt weit im Osten, nicht weit vom Donbass-Becken entfernt. Aus Odessa nahm ich erstmal den Nachtzug nach Dnipro und von dort dann mit einer Regionalbahn weiter zum Zielort. Direkte Züge von Odessa nach Zaporizhya verkehren nämlich nicht jeden Tag. 
Die Stadt ist als Zentrum des ukrainischen Kosakentums bekannt. Auf der Insel Khortytsia in Zaporizhya errichteten die Kosaken im 16. Jahrhundert eine Sitch, ein eigenes Verwaltungszentrum. Heutzutage ist Zaporizhya ein wichtiges Industriezentrum der Ukraine.
Der Verein Metalurh spielte seit der Unabhängigkeit der Ukraine 1992 bis 2016 nur einmal unterhalb der höchsten Klasse. Ende 2015 wollte der Besitzer den Verein nicht mehr finanzieren und stieg aus. Die Fans machten mobil und versuchten ihren Verein zu retten. Daraus wurde nichts, da nur der Ex-Besitzer die Rechte an dem Verein hatte. Die Fanszene suchte nach einer Alternative und fand den Amateurverein Rosso Nero, mit welchen sie sich schnell zusammenschlossen und einen Neubeginn für Metalurh ankündigten. Der „neue“ Verein spielte im Frühjahr in der landesweiten Amateurmeisterschaft und meldete sich dann für die dritte Profiliga an, in welcher er jetzt auch spielt.
Das aktuelle Heimstadion von Metalurg wurde 2006 anstelle des alten fertiggestellt. Während des Umbaus musste der Verein vier Jahre ins Stadion des Rivalen Torpedo ausweichen. Die Stadtverwaltung stellt sich nämlich quer gegen den neuen Verein, sodass er eine relativ hohe Miete für einen Drittligaverein zahlen muss. So mietet sich Metalurh für Spiele der dritten Liga nur zwei der vier Tribünen. Die Zuschauer dürfen auf die Haupttribüne sowie die eine Hintertorseite. 
Am letzten Samstag im Juli versammelten sich unter 2000 Zuschauer, um das Spiel zu sehen. Für die Ligaverhältnisse ist die Zahl völlig in Ordnung, aber Metalurh braucht fast doppelt so viele Zuschauer, um sich die Anmietung des halben Stadions leisten zu können. Der Fanblock war mit ca. 70 Jungs und Mädels gefüllt und unterstützte ihr Team fast durchgängig. Die Leistung der Fans war durchaus gut. Auf dem Platz musste die Mannschaft wieder einmal eine Niederlage ertragen. Da der Kader fast ausschließlich aus der Jugend besteht, ist es für sie dementsprechend schwer, gegen erfahrene Teams anzutreten. Hoffen wir mal, dass der Club die schwere Phase überlebt und wieder zum alten Glanz zurückkehrt.
Am Sonntag zeigte mir noch ein Alter aus der Fanszene, welcher mich bei sich beherbergte, die Stadien KPU und Torpedo. Es gibt noch zwei weitere Grounds, die sehenswert sind, aber diese sind dann nächstes Mal dran. Am Bahnhof Zaporizhya-1 verabschiedete ich mich von meinem Gastgeber. Mit der Musik des Kosakenmarsches fuhr mein Intercity knapp vor 16 Uhr nach Oleksandria ab, wo ich das nächste Spiel schauen wollte.


Test/Fotos: Шаффи

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