Samstag, 4. Juni 2016

GKS Tychy - Stal Mielec 1:0


II Liga
Stadion Miejski w Tychach

Zuschauer: 10.382 (186 Gäste)

Nachdem ich in der Vergangenheit häufiger Spiele von GKS Tychy besucht habe und die Oberschlesier auch während des Stadionneubaus und der damit verbundenen Verlegung der Heimspiele nach Jaworzno einige Male gesehen habe, war ich aber immer noch nicht dazu gekommen, sie im vor knapp einem Jahr eröffneten neuen Stadion zu sehen. Heute sollte sich endlich die Gelegenheit bieten und zumindest spielerisch könnte es keinen besseren Termin geben: Nachdem man die ganze Saison über Spiele gegen einfache Gegner nicht gewann, hing der Aufstieg in die I Liga (zweithöchste Spielklasse) nun vom letzten Spieltag ab.
Den ganzen Tag konnte man in der 130.000-Einwohner-Stadt die Anspannung und Vorfreude auf das Spiel spüren. Schon vormittags zogen kleinere Fangruppen durch die Straßen und ständig explodierte irgendwo ein Böller.
Das neue Stadion an der Ulica Edukacji hat leider nichts mehr mit seinem Vorgänger gemeinsam. Es ist beliebig mit einem der anderen modernen 15.000er-Stadien austauschbar, die sich nur noch durch die Sitzfarben unterscheiden. Einziger Pluspunkt ist der Gästeblock, der nicht wie häufig in der Ecke versteckt ist, sondern großzügig bemessen und direkt gegenüber der Heimtribüne mittig auf der anderen Hintertorseite liegt. Leider blieb dieser heute aufgrund des Auswärtsverbots der Gäste leer.
Zu Gast war der Tabellenerste Stal Mielec, der sich den Aufstieg bereits sichern konnte. Wie schon beim Spiel gegen Polonia Bytom mit denen GKS Tychy ebenso wie mit Mielec in früheren Zeiten eine Freundschaft pflegte, organisierten die Gastgeber aus der „Schlafzimmerstadt“ den Gästen jedoch ca. 200 Karten für den Bereich im Eck an der Gegengeraden - also genau dort, wo ich heute saß... Ein paar Bilder von ihnen konnte ich trotzdem machen.
Obwohl die Gäste aus dem Karpatenvorland äußerlich zumeist nicht an eine spaßige Ausflugsgruppe erinnerten, war die letzte Auswärtsfahrt für sie wohl nichts anderes mehr. Sie kamen gut gelaunt, aber ohne Zaunfahnen oder Trommel. Sie feierten den schon sicheren Aufstieg und machten das ganze Spiel mit einzelnen Anfeuerungsrufen auf sich aufmerksam.
Bei den Heimfans, wo es heute um alles oder nichts ging, wurde eine wirklich beeindruckende Lautstärke erreicht, auch wenn leider nicht immer, wie sonst in Polen üblich, die komplette Hintertortribüne mitmachte. Trotzdem schön zu sehen, wie viel Potential der Verein eigentlich hat - zu Viertligazeiten oder vor allem als man noch in Jaworzno spielte, versammelten sich selten mehr als 200-400 aktive Leute im Heimblock. Und wie Erfolgsfans wirkte der Großteil vom Aussehen her heute auf keinen Fall.
Mitte der ersten Halbzeit gab es eine Blockfahne und den sinngemäß übersetzten Spruch "Bärenhunger auf Pyro", dazu wurden erst Bengalos, dann Breslauer und Stroboskope angezündet. In der zweiten Halbzeit machte dann oft das ganze Stadion mit. Spätestens nach dem 1:0 in der 76. Minute aus 30 Metern hatte jeder Gänsehaut und rastete bis zum Schluss aus. Ein wenig enttäuscht war ich, dass der hart erkämpfte Aufstieg nach Abpfiff im Stadion nicht außergewöhnlich und von allen gemeinsam gefeiert wurde. Stattdessen verteilten sich die bis in die Nacht andauernden Feiern später über die Stadt.
Nach Spielende versuchten noch ca. 50 Polizisten, ausgerüstet mit Tränengas und Gummigeschossen, hinter dem Heimbereich jemanden festzunehmen, der wohl beim Abbrennen von Feuerwerk im Stadion über die Kameras identifiziert wurde. Die Polizei wurde im Sekundentakt mit Böllern beworfen und antworte mit Tränengas und Schlagstockeinsatz. Wie die Sache am Ende ausging, habe ich aber nicht mehr mitbekommen.
Da es mit Sicherheit nicht mein letztes Spiel beim Bergarbeiter-Verein GKS Tychy war, werde ich auf jeden Fall zukünftig auch Spiele anschauen, die aus fantechnischer Sicht noch interessanter sind. In der I Liga warten jetzt mit GKS Katowice, Górnik Zabrze und Zagłębie Sosnowiec jede Menge Gegner für spannende Derbys.

GASTBERICHT Text/Fotos: Johannes