Freitag, 27. Mai 2016

NK Veres Rivne - Krystal Kherson 2:0

Druha Liga
Stadion Avangard
Zuschauer: 4100 (6 Gäste)

Im Vorfeld tat ich mich mit ukrainischen Groundhoppern zusammen und wir planten zusammen diese Tour. Für den Auftakt des Wochenendes war ein Spiel von Veres Rivne geplant. Dieser Verein wurde nach dem deutschen Mitgliedersystem im letzten Jahr nach vier Jahren Existenzlosigkeit neu gegründet. Für die ukrainische Dritte Liga hat Veres gleich in seiner ersten Saison einen klasse Zuschauerschnitt von knapp 4000 erreicht. Auch die Fanszene zeigte sich wirklich stark: Wenn ich mich nicht täusche, gab es in jedem Heimspiel der Saison eine Choreo oder Pyroshow zu sehen.

In diesem Spiel sollte sich entscheiden, ob Veres in die zweite Liga aufsteigt. So war die Vorfreude auf dieses Spiel riesig. Am Donnerstagabend startete ich mit einem Nachtzug aus Odessa. Um Mitternacht stieg dann Yuri, ein bekannter Hopper, welcher auch dem einen oder anderen Deutschen nicht fremd sein dürfte, in den Zug ein. In Rivne schauten wir uns erst die Stadien an und setzten uns dann in eine der Brauereien. Nach zwei Stunden wechselten wir in eine andere, wo wir uns zwei Stunden vor dem Spiel mit zwei Hoppern, welche aus Kiew mit dem Auto unterwegs waren, trafen. Einer von denen ist zufällig ein Alter aus der Fanszene von Veres gewesen, der andere namens Ostap ist in der Szene von Vorskla Poltava aktiv.
Eine Stunde vor dem Spiel waren wir dann am Stadion. Wie es sich herausstellte, wurde der Fanblock heute kurzfristig vom Verband gesperrt. Die Ursache dafür waren die Ereignisse auswärts bei Arsenal Kiew gewesen, als die Pyrotechnik nicht nur gezündet, sondern auch Richtung Schiedsrichter geflogen ist. Die organisierte Choreo der Heimszene fiel somit ins Wasser, doch die Jungs ließen sich dennoch etwas anderes einfallen. Die Zaunfahnen wurden auf einem Flutlichtmast befestigt und die Ultras bestiegen den Turm, um das Spiel zu sehen und ihre Mannschaft anzufeuern. Die Polizisten wollten zuerst noch was entgegensetzen, doch als sie ihren Chef mit auf dem Turm mitklettern sahen, blieben die Sicherheitskräfte ruhig. In der Ukraine ist es zuletzt nämlich verbreitet, Kriegsoffiziere zum Chef der Stadtpolizei zu befördern. Damit will der Staat Vertrauen zur Polizei in der Bevölkerung schaffen. In Rivne ist halt ein freiwilliger Soldat aus der Fanszene Polizeichef geworden.
Im eigentlichen Fanblock hing eine Zaunfahne "Pyrotechnik ist kein Verbrechen, Korruption ist Verbrechen" Dies war eine Anspielung auf die aktuelle Lage im Land. Veres-Fans meinten, dass anstatt des zielstrebigen Kampfes gegen Pyrotechnik die Organe lieber mit dem Willen gegen die Korruption vorgehen sollten. Immer wieder zündeten die Jungs Bengalos und Rauch auf dem Turm und trieben ihre Mannschaft nach vorn. Zwar ließ es sich wegen der schlechten Koordination oben nicht so optimal supporten, doch vom Optischen her war „der neue Fanblock“ 90 Minuten lang absolut geil anzusehen. In Deutschland würde auf solch verrückte Idee eine Blocksperre umzugehen wohl niemand kommen, doch in Osteuropa gibt es immer wieder Fanszenen, die entweder auf einem Hochhaus oder Flutlichtmast ihre Show abliefern.
Nach dem Sieg und somit dem Aufstieg in die zweite Liga, betrat die Fanszene ihr Stadion und feierte den Erfolg mit der Mannschaft. Nach dem Spiel verabschiedeten wir uns noch von dem Alten der Veres-Szene und es ging zu dritt mit der 3. Klasse des Nachtzuges weiter nach Berdychiv.

Text/Fotos: Шаффи