Samstag, 28. Mai 2016

FK Berdychiv - Polissya Gorodnytsya 0:1

Meisterschaft der Zhytomyrska Oblast
Zentralny Stadion
Zuschauer: 240

In Berdychiv waren wir in der Nacht angekommen und checkten gleich in einer Wohnung für die nächsten zwei Tage ein. In der Früh ging es erst mal in die beste Kneipe der Stadt „Zolotoi Lev“, wohin das einheimische Bier jeden Tag frisch aus der Brauerei gebracht wird. Dann schlenderten wir in der Sommerhitze durch die Stadt und sahen uns dabei ein Karmelitenkloster, einen jüdischen Friedhof und das Reserve-Stadion von FK Berdychiv an.

Berdychiv ist für ukrainische Verhältnisse mit 80 000 Einwohnern eine recht kleine Stadt, dennoch ist sie bekannt. Sie war früher ein besonderes Schtetl und galt als Zentrum der jüdischen Kultur in Osteuropa. Der kulturelle Hintergrund der Stadt hatte auch Einfluss auf den Handel, sodass im 19. Jahrhundert Berdychiv zum fünftgrößten Handelszentrum des Landes wurde. Außerdem ist hier ein alter jüdischer Friedhof erhalten geblieben, in anderen Städten der Sowjetunion wurden derartige Friedhöfe von den Kommunisten einfach zerstört.
Nach dem Rundgang trafen wir uns mit ein paar Leuten aus der Fanszene wieder in unserer Kneipe. Zusammen mit den Jungs liefen wir zum Stadion und hörten uns deren Storys an. Unter den ukrainischen Profiligen befinden sich die 25 Oblast-Ligen. Das Gute an diesen Ligen ist, dass sie im Kalenderjahr stattfinden und selbst in der Sommerpause der Profiligen laufen. Einen sportlichen Übergang zwischen den Amateurmeisterschaften und der untersten Profiliga gibt es jedoch nicht und so spielt der FK Berdychiv schon ewig um die Meisterschaft der Oblast Zhytomyr. Eine Fanszene gibt es hier auch länger.
Das Stadion hat ein Fassungsvermögen von knapp 3000 und liegt perfekt neben der Brauerei. Zu erwähnen wäre noch, dass die Sitzschalen aus dem alten Olympiastadion in Kiew sind. Das Stadion in der Hauptstadt wurde nämlich 2008-2011 für die EM umgebaut und die alten Sitze davon wurden in mehreren kleinen Stadien verbaut. Sonst ist das Stadion modern und nichts Besonderes.
Ich und Ostap setzten uns gegenüber vom Heimblock, Yuri war wie immer auf der Laufbahn und quatschte weiterhin mit den Fans. Dessen Vision von Groundhopping ist ganz anders als die in Deutschland übliche. Yuri ist auf seinen Reisen immer im Gespräch mit den Fanszenen und hat dadurch großes Insiderwissen. Der Fanblock war heute das ganze Spiel über aktiv und am Ende wurde dort sogar noch orangener Rauch gezündet.
Nach dem Spiel verabschiedeten wir uns von den Einheimischen nach einem schnellen Bier in der Brauerei und gingen zu dritt wieder zum „Zolotoi Lev“, wo wir den intensiven Tag ausklingen ließen.

Text/Fotos: Шаффи