Samstag, 5. März 2016

Chernomorets Odessa - Karpaty Lviv 0:0

Premier Liga
Stadion Chernomorets
Zuschauer: 7022 (275 Gäste)

Schon um 10 Uhr trafen die Szenen von Chernomorets Odessa und Karpaty Lviv auf dem Trainingsgelände der Jugendabteilung in Otrada aufeinander. Es war ein Fußballspiel zwischen den beiden Fangruppen geplant. Vor allem die Gäste, welche mit dem Nachtzug am selben Morgen angekommen waren, tauchten mit einem ordentlichen Mob auf und so waren insgesamt um die 300 Zuschauer bei dem Fanspiel anwesend. Bereits 2014, als der Frieden zwischen allen Szenen der Ukraine geschlossen wurde, gab es ein Fanspiel zwischen den beiden ehemaligen Feinden. Nach dem Spiel, das mit einem 3:3 endete, begaben sich die Lviver ans Meer.

Um 12 Uhr startete ein Fanmarsch aus der Innenstadt zum Stadion im Park, welcher nach dem ukrainischen Dichter Taras Shevchenko benannt ist. Der Marsch wurde von Odessa-Ultras aus dem Sektor 20 organisiert. Seit Herbst letzten Jahres spaltet sich ein Teil der Leute vom Sektor 20 ab und macht einen eigenen Fanblock namens 8+. Dieser besteht hauptsächlich aus älteren Ultras, welche mit der Organisation bzw. dem Aufbau des Sektors 20 unzufrieden waren. Dementsprechend waren beim Marsch keiner von 8+ vertreten. Die Fans vom neuen Sektor glühten vor dem Spiel an einem traditionellen Treff im Park vor. Auch ich war dort anwesend, da mir einige Leute bekannt sind.
Über drei Monate dauerte die Winterpause in der Ukraine, dennoch strömten an diesem Nachmittag keine Massen an Leuten ins Stadion. Wobei man sich bei der jetzigen Leistung der Mannschaft und angesichts des Desinteresses der Bevölkerung am Fußball sogar schon über die 7000 Zuschauer freuen dürfte. Zur Zeit hat Chernomorets große finanzielle Schwierigkeiten – der Besitzer hat nämlich damals für den Stadionbau einen Kredit bei der russischen Sparbank aufgenommen. Vor einer Woche stellte sich heraus, dass der Kredit nicht zurückgezahlt werden kann und der Verein deswegen pleite gehen könnte. Sowohl im alten, als auch im neuen Fanblock protestierten die Ultras jeweils mit einem Spruchband gegen den russischen Kreditor. Da in diesem Jahr der Verein seinen 80. Jahrestag feiert, wurde symbolisch zur 80. Minute im Fanblock 20 etwas Pyrotechnik gezündet und ein Spruchband mit dem Text „Chernomorets muss weiter leben“ hochgehalten.

Außerdem wurde im Gästeblock in der zweiten Halbzeit gezündet. Supporttechnisch konnte an diesem Samstag aber wirklich wie erwartet nur der Gästeanhang aus Lviv überzeugen. Für die Entfernung zwischen den beiden Städten war die Anzahl derer sehr stark. Und wenn ich mich nicht täusche, dürfte es auch den absoluten Rekord der Lviver in Odessa darstellen.

Text/Fotos: Experte 3