Samstag, 3. Oktober 2015

SG Wattenscheid 09 - Alemmania Aachen 3:1

Regionalliga West
Lohrheidestadion
Zuschauer: 1885 (ca. 550 Gäste)

Donnerstag noch Europaleague, heute Regionalliga West. Krasser Wechsel von europäischem Spitzenfußball zu Amateurgekicke im Ruhrpott, zwei komplett verschieden Welten, die beide ihre Vorzüge haben.
Mit der Bahn ging es nach Wattenscheid, wo einem am Bahnsteig schon der Ruhrpottflair in seiner reinsten Form empfing, ich glaub der wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut und das war‘s seitdem. Zu Fuß ging es dann in gut 20 Minuten zum Stadion und durfte dann auch die schöneren Seiten kennenlernen wie etwa die ‘‘Zeche Holland‘‘.

Am Lohrheidestadion angekommen kümmerte ich mich um mein Fototicket, was etwas problematisch war weil keiner so genau wusste wo meine Akkreditierung gelandet ist. Nach kurzem Hin und Her klappte dann aber doch noch alles ohne größere Probleme.
Danach ging es erstmal auf Erkundungstour durch das Lohrheidestadion. Feines Teil, 2 überdachte Tribünen und schöne langgezogene Kurven. Hier könnte ich mich auch zuhause fühlen, fern ab von Betonbunkern und Profisport. Schade nur, dass die Flutlichter nicht mehr vorhanden sind, wie hat das wohl mit dem Abendspiel gegen Essen funktioniert? Der obligatorische Gang an den Wurst- und Bierstand durfte auch nicht fehlen und da frag ich mich echt wie die Leute drauf kommen, dass dies die beste Stadionwurst Deutschlands sein soll? Ich fand sie jetzt nicht total mies, aber gegen z. B. Kassel stinkt das Würstchen ab!
Auf den Rängen war heute auch noch ein bisschen was geboten. Die Hausherren um die Szene WAT sammelten sich auf den Stehplätzen auf der Gegengerade und eröffneten das Spiel mit ein paar Doppelhaltern und Schwenkern. In der ersten Halbzeit fand ich sie noch etwas zaghaft, wo sich teils nur 20 – 30 Leute am Support beteiligten. Nach dem Seitenwechsel und sicher auch bedingt durch das unerwartet gute Spiel des eigenen Teams, zogen immer mehr Leute links und rechts vom Stimmungskern mit und so kam auch eine ordentliche Lautstärke zusammen. Das Liedgut wird eher einfacher gehalten, was auch ganz gut passt, Lalala-Singsang wäre auch nicht authentisch und definitiv fehI am Platz. Insgesamt hat Wattenscheid für die 4. Liga ganz ordentliches Potenzial, aber ich glaube, dass sich die Leute eher schwer zum Mitmachen animieren lassen.
Die Karlsbande und Co. sammelten sich mit etwa 150 Leuten auf der Haupttribüne und flaggten auf. Eine ordentliche Mitmachquote kann ich attestieren und auch die Lautstärke war bei melodiösen Liedern ganz ordentlich. Gerade zu Beginn mit der frühen Führung im Rücken fand ich sie richtig gut. Es war jetzt sicher nicht der absolute Hammer der mich ausflippen lässt, aber insgesamt war das kein schlechter Auftritt. So in der 78. Minute riss bei der Karlsbande der Geduldsfaden, sie stellten den Support ein und liefen runter an die Bande wo noch Richtung Wattenscheid gepöbelt wurde und sich die Spieler nach dem Spiel das ein oder andere Wort anhören durften. Aus den letzten 5 Spielen konnten die Kaiserstädter nur 1 Punkt holen, etwas dürftig für ein Topteam.
Nach dem Spiel ging es durch die Innenstadt wieder zu Fuß zurück zum Bahnhof. Nachdem sich spätestens am Bebelsplatz auch das letzte Klischee bestätigte was wir im Süden über den Pott haben, wurde noch im Kiosk der Reiseproviant gepackt und sich durch Polizei und Aachner Ultras am Bahnhof der Weg auf den Bahnsteig gebahnt. Keine Sorge, ich finde den Pott nicht schlimm, ich komme mit Sicherheit wieder vorbei und wage mich dann an den berühmt-berüchtigten Taxiteller im Ruhrpottgrill.

Text/Fotos: Experte 2