Samstag, 8. August 2015

Karpaty Lviv - Chernomorets Odessa 4:0

Premier Liga
Stadion Ukraina
Zuschauer: 6 200 (40 Gäste)

Bei dem gleichen Spiel war ich schon 2013 gewesen. Damals war auch noch richtig Hass drin, da die beiden Szenen sich auf Grund mehrerer Tatsachen nicht leiden konnten. Seit 2010 ist die Auseinandersetzung zwischen den beiden Fanlager noch extremer geworden, nachdem die Odessa-Gruppe Duke's Band 14 Zaunfahnen in Lviv von der Heimszene gezogen hat. Doch seit der Maidan-Revolution herrscht zwischen allen verfeindeten Szenen Frieden. Die Szenen aus Odessa und Lviv veranstalteten im letzten Jahr sogar ein Freundschaftsspiel gegeneinander, um die Vereinigung der Fanszenen zu betonen. 

Momentan erlebt nicht nur das Land, sondern auch der Fußball in der Ukraine nicht seine beste Zeit. Die Zuschauerzahlen in der ersten Liga sind überall niedriger geworden und auch die Fanblöcke werden nicht so gut besucht wie früher.
Der Heimblock fasste heute ca. 400 Leute, bei früheren Spielen gegen Odessa waren beinahe doppelt so viele Fans anwesend. Seit meinem letzten Besuch hatte ich die gute Supportleistung von Karpaty im Kopf und auch dieses Mal war die Heimszene ‒ in geringerem Maße ‒ super. Nicht nur Schlachtrufe, sondern auch längere Lieder kamen sehr gut auf der anderen Seite an. Zu den früheren Spielen gegen Odessa hat Karpaty immer eine Pyroshow vorbereitet und auch dieses Mal gegen Ende des Spiels gab es eine schöne Show zu sehen. Wie jede Szene der Ukraine hat auch Karpaty ca 30 Leute in ihren Reihen, die für Souveränität des Landes im Osten kämpfen. Aus diesem Grund hat Karpaty für jedes der Dutzend Batallione eine Zaunfahne mit dem jeweiligen Wappen der Gruppe erstellt. Leider hingen diese Batallion-Fahnen heute nicht, nur die Azov-Fahne sowie eine kroatische Nationalfahne, die von im Osten kämpfenden Kroaten mitgebracht wurde, erinnerte an die Fans an der Front.
Die Gäste waren heute auch weniger als sonst anwesend. Früher kamen immer mehrere Busse nach Lviv. An diesem Samstag aber gab es keine gemeinsame Anreise und jeder musste sich selbst um den Zug kümmern. So fanden sich nur um die 40 Leute aus der Schwarzmeerstadt im Gästeblock ein. Davon auch zwei Leute, die an der Front kämpfen und jetzt im Urlaub sind. In Gegensatz zu früheren Spielen dürften die Gäste heute völlig frei herumlaufen, die Polizei am Gästeblock war nur obligatorisch. 

Obwohl das Stadion Ukraine wahrscheinlich zu meinen Lieblingsstadien der Ukraine gehört, muss ich dennoch was Negatives loswerden: Es kann einfach nicht sein, dass bei 30 Grad Hitze sowohl das Bier, Wasser als auch Kwas (Malzgetränk) warm abgefüllt werden. So was grenzt schon fast an Körperverletzung.

Text/Fotos: Experte 3