Donnerstag, 21. August 2014

Zorya Lugansk - Feyenoord Rotterdam 1:1

Europa League Playoff-Runde
Dynamo-Valeriy Lobanovsky Stadion
Zuschauer: ca 5500 (ca 50 Gäste)

Die letzte Saison, welche Zorya Lugansk in Europa spielte, liegt genau 41 Jahre zurück. Dieses Jahr ist es wieder so weit, doch leider darf Zorya seine Heimspiele im Moment nicht in ihrer Heimat spielen. Die Stadt Lugansk liegt direkt im Donbass-Becken, im Osten der Ukraine, und wie bekannt befindet sich diese Region momentan in einem Militärkonflikt. Die Lugansker Fans tun mir deswegen sehr leid, denn wäre dieses Spiel in Lugansk ausgetragen worden, so wäre das Stadion dort wohl mit 22 000 Zuschauern ausverkauft gewesen. 

Das Spiel fand im ehemaligen Stadion von Dynamo Kiew statt. Viele Jahrzehnte spielte der ukrainische Rekordmeister hier seine Heimspiele. Schließlich zog Dynamo 2012 in das renovierte Olympiastadion um. Seitdem wird das alte Dynamo-Stadion nur selten bespielt. Ab und zu darf hier die Reserve oder irgendeine U-Nationalmannschaft ran. Anfang dieses Jahres wurde das Stadion auch durch die Revolution bekannt: Die heiße Phase der Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und den Sicherheitskräften begann am 19. Januar genau an der Eingangkolonnade des Dynamo-Stadions. Jetzt ist diese Kolonnade schon vollständig renoviert, doch damals stand dies sehr beschädigt mitten im Geschehen. Momentan erinnern in Kiew lediglich die Blumen auf der Straße an die blutigen Geschehnisse des Winters.
Im Vergleich zu echten Heimspielen war der Block von Zorya heute eher schwach. Aber gut, auf Grund der Umstände erwartete ich von denen nicht ihr übliches Niveau. Heute hing eine Zaunfahne, die an einen 20-jährigen Fan namens Aksyon erinnerte, der als Freiwilliger im Bataillon „Azov“ tätig war und ein Tag davor bei einem Militäreinsatz ums Leben gekommen ist. Dies ist leider kein Einzelfall was Kriegsgefallene aus den Fanszenen angeht...
Im Block waren auch ein paar Leute anderer Szenen anwesend. Die Situation im Land hat nämlich die Fanszenen stark verbrüdert. An den früheren Hass und Feindschaft denkt momentan keiner mehr. Herausgestochen ist vor allem die ukrainische Nationalfahne mit der Aufschrift „Sevastopol“: Die Jungs aus der Sevastopol-Szene mussten auf Grund ihrer proukrainischen Ansichten ihre Heimat Krym verlassen. Vor ein paar Wochen waren sie auch schon beim CL-Spiel von Dnipro in Kiew gewesen.
Ein paar sportliche Ukrainer besorgten sich von den Holländern ein paar Trophäen. Es waren zwar nur zwei Fahnshopfahnen und Schals, aber in der Ukraine ist es nun mal so, dass alles was gezogen werden kann, auch gezogen wird. Und europäische Fans abzuziehen gilt im Osten schon seit Jahren als obercool...
Die Rotterdamer waren übrigens sehr schwach heute. Nicht dass ich hohe Erwartungen hätte, aber dass sie beisammen stehen werden, hätte ich mindestens erwartet. Stattdessen saßen sie verteilt auf der Haupttribüne. Nur ein Haufen von ca 8 Holländern bemühte sich zwischendurch Stimmung zu machen, während alle anderen, wie gesagt, nur dumm rumsaßen.
Am Morgen nach dem Spiel ging es mit dem Zug Richtung Westen, wo mich zwei Tage später das Pokalspiel zwischen Bukovyna Chernivtsi (Czernowitz) und Chernomorets Odessa erwartete.

Fotos von meinem ukrainischen Begleiter: http://lanzheron.com/archives/8318

Fotos/Text: Experte 3