Donnerstag, 24. Juli 2014

Zimbru Chisinau - CSKA Sofia 0:0

Europa League
Stadion Zimbru
Zuschauer: 8.505 (ca 120 Gäste)

Das erste Spiel für mich diese Saison und es ging gleich in ein neues Land. Nach Moldawien wollte ich schon seit länger als einem Jahr und nun gab es die Möglichkeit dahin zu kommen. Aus Odessa startete ich mit meinem bekannten Sportjournalisten, der eine eigene Internetseite über den Fußball von Odessa betreibt. Gefahren wurde nicht über Transnistrien, das nicht-anerkannte Gebiet liegt eigentlich auf der Strecke Odessa – Chisinau. Unsere Route war zwar 20 km länger, doch dadurch sparten wir uns einen extra Grenzübergang. Der Übergang zwischen den Ukraine und Moldawien verlief sehr schnell und so waren wir nach 3 Stunden Fahrt an dem Stadion von Zimbru angekommen. 

Das Stadion bietet Platz für 10 500 Zuschauer und ist der Spielort für alle großen internationalen Spiele der moldawischen Teams, sei es Clubs oder Nationalmannschaften. Der Zuschauerschnitt bei Ligaspielen von Zimbru liegt bei nur 1 100 Zuschauer und so war ich schon richtig froh, dass ich hier ein Spiel vor großem Publikum und sogar Gästen sehen konnte. Nach dem Kauf der Karten für die Gegengerade für je 2 Euro, ging es für uns in die Innenstadt. Die Stadt selbst ist nichts besonders - dort stehen hauptsächlich typische sowjetische Gebäuden. Typisch für Moldawien wohl auch der Markt mitten auf der Zentralstraße der Hauptstadt. Im Vergleich zur Ukraine aber sieht man hier viel weniger die kyrillischen Buchstaben. Moldawien wendet sich nämlich schon seit Jahren immer mehr dem westlichen Nachbarn Rumänien bzw der Europäischen Union zu.

Nun zurück zum Fußball: Das Hinspiel in Sofia endete mit 1-1 und so erwartete uns hier ein interessantes Spiel. Für so ein internationales Spiel war das Stadion zur 80% gefüllt, im normalen Alltag wäre dies unvorstellbar.
Die aktiven Fans der Zimbru haben zwei Blöcke. Echte Konflikte untereinander hat man nicht, aber verschiedene ideologischen Ansichten schon. Die Jungs hinter der Fahne „Ostea Fiara“ vertreten eine deutliche prorumänische Position und singen aus Prinzip alles nur auf moldawisch. Zudem pflegen sie eine Freundschaft zu dem rumänischen Club Politehnica Iasi.
Der Block im Oberrang „Ultras Boys“ ist eher in russische Richtung ausgerichtet und pflegt Freundschaft zu der ukrainischen Szene Chernomorets Odessa. Prorussisch solltet ihr euch aber nicht übertrieben vorstellen, denn als die Jungs aus Odessa ein bekanntes Anti-Putin-Lied anstimmten, sang der ganze prorussische Block mit!
Stimmungsmäßig waren die beiden Blöcke etwas gleichstark, aber auf Grund der Anzahl der Leute war es nichts besonderes. Optisch hatten die beiden Heimblöcke wenig zu bieten, lediglich der prorumänische Block, der ein paar rumänische Schwenkfahnen hatte.
Der normale Zuschauer hat bis zur Mitte der zweiten Halbzeit tief geschlafen. Erst in der 55-60. Minute wurden die Normalos aktiv indem sie La-Ola-Wellen starteten. Und als das ganze Stadion noch „Zimbru!“ und „Moldova!“ anstimmte, wurde es hier schon fast wie im Hexenkessel!
Die Anzahl der Gäste heute enttäuschte etwas, denn ich erwartete auf Grund der Entfernung zwischen Sofia und Chisinau eine größer Anzahl der Bulgaren. Doch im Gästeblock auf der Tribüne hinter dem Tor befanden sich heute lediglich um die 120 Leute. Fast alle davon waren Althools – es waren kaum junge zu sehen. Am Support beteiligten sich selbstverständlich fast alle, trotzdem kam davon auf der anderen Hintertortribüne kaum was an. Ende der zweiten Halbzeit brannten noch ein paar Bengalos im ZSKA-Block.

In der Nachspielzeit gab es noch eine witzige Szene, als ein Odessit mit der ukrainischen Fahne das Spielfeld stürmte. Nachdem er eine Runde auf dem Platz gedreht hat, verließ er selbstständig den Platz und wurde dann von einem Dutzend Polizisten weggeführt. Die Zimbru-Anhänger stürmten zwar vom Oberrang nach unten, doch die Polizei behielt alles unter Kontrolle.
Das Spiel endete mit einem 0-0 und somit kommt Zimbru in die nächste Runde, wo sie auf den österreichischen SV Grödig treffen.

Fotobericht von meinem Kollegen: http://lanzheron.com/archives/7616

Fotos/Text: Experte 3