Donnerstag, 24. April 2014

Chernomorets Odessa - Dynamo Kiew 1:1

Premier Liga
Stadion Chernomorets
Zuschauer: 26.542 (255 Gäste)

Nach dem Spiel gegen Dnipro stand nun ein weiteres Topspiel in Odessa an: Chernomorets - Dynamo. Beide Szenen sind seit Jahrzehnten stark verfeindet - die Auseinandersetzung von den beiden gehört in meinen Augen zu den größten historischen Duellen der Ukraine. Schon in der Sowjetunion kochte das Stadion bei den Spielen beider Teams. Doch heute sollte es wesentlich ruhiger auf den Tribünen und auf der Straße werden. Denn wie bekannt schlossen alle Szenen des Landes einen Frieden ab, um sich gegen die gemeinsamen Feinde zu vereinen.
Eine Stunde vor dem Anpfiff, beim Ankunft des Mannschaftsbusses am Stadion, zündeten der Autokorso-Fanclub ca. 50 Bengalos auf beiden Seiten der Straße. Sah ziemlich geil aus! 

Das Stadion füllte sich am Ende der ersten Halbzeit immer noch. Dafür war es aber dann schon richtig voll für einen Wochentag. Ich habe, ehrlich gesagt, nicht gedacht, dass heute ganze 26 000 zum Spiel kommen, erwartet habe ich eher die 15 000 vom vorherigen Spiel. Ursprünglich sollte die Begegnung Anfang März stattfinden, aber damals wurden alle Spiele aufgrund der Revolution abgesagt. So musste es jetzt an einem Donnerstag nachgespielt werden.
Am Anfang des Spiels machten die Odessa-Anhänger eine sehr kleine Choreo mit dem Text „In den Kampf“ und zündeten im Hintergrund ein paar Breslauer sowie Blinker. Über den normalen Zaunfahnen hing heute ein Spruchband, welches an den Trainer gerichtet war: „Bleib bei uns!“
Der Support auf der Heimseite war sehr ordentlich und steigerte sich im Spiel immer weiter, auch die Normalos wurden wie auch schon beim Dnipro-Spiel oft einbezogen.
Außerdem gab es nationalistisch-patriotischen Wechselgesang mit den Gästen aus Kiew, die heute mit ca. 250 Mann in Odessa vertreten waren. Für einen Wochentag ist es schon eine ordentliche Zahl für die Ukraine.
Direkt nach dem Tor von der Heimmannschaft in der 18. Minute wurde von Odessiten ordentlich gezündet, auch ein paar Böller waren zu hören. Von den normalen Zuschauern gab es keinen einzigen Pfiff aufgrund von Pyrotechnik und auch der Stadionsprecher ließ die Aktion der Heimfans unkommentiert. Chernomorets dominierte heute das Spiel und die Stimmung im Stadion war dementsprechend gut. Zu Beginn der zweiten Halbzeit gab es auf beiden Seiten einen Blockpogo. Bei den Gästen sah dieser aufgrund der Mitmachquote schwächer aus.
Man stand kurz davor das zweite Mal in dieser Saison den Rekordmeister aus Kiew zu besiegen. Doch in der 88. schoss Dynamo den Ausgleichstreffer. Dies war ganz passend zu der Pyroshow, die von Dynamo-Leuten wenige Minuten vor dem Tor gestartet wurde. Bei Gästen jedoch kritisierte der Stadionsprecher die Pyroaktion, während die normalen Leute es wieder verschwiegen.
Trotz des Anschlusstores wurde nach dem Spiel sehr groß gefeiert. Schon das zweite Spiel nacheinander präsentierte sich die Mannschaft gegen eine absolute Topmannschaft der Ukraine auf sehr gutem Niveau.

Die Stadt selbst ist absolut sehenswert und gehört neben Lviv und Kiew zu den drei Schönsten der Ukraine.

Fotos/Text: Experte 3