Sonntag, 20. April 2014

Chernomorets Odessa - Dnipro Dnipropetrovsk 1:0

Premier Liga
Stadion Chernomorets
Zuschauer: 15.121 (275 Gäste)

Recht spontan war man in die Hafenstadt Odessa(Südukraine) gereist. Zwar war Fußball nicht der Hauptgrund der Reise, aber wenn man schon mal da ist, darf dieser natürlich nicht fehlen und so stand am Sonntag ein gutes Spiel bevor. Es traf der 5., Chernomorets Odessa, auf den 2. der ukrainischen Premier Liga, Dnipro Dnipropetrovsk.
Sowohl leistungstechnisch auf dem Platz als auch fanmaessig gehört Dnipro zu den Top3 der Ukraine. Vor dem Spiel gab es einen lockeren Fanmarsch von Dnipros vom Zentrum zum Stadion. Aufgrund der aktuellen kritischen Lage in der Ukraine, schlossen alle Ultras-Szenen des Landes einen ausnahmslosen Frieden. Sodass sich bei diesem Marsch heute auch Odessa-Leute einfanden, obwohl normal die beiden Fanlager stark verfeindet sind.

Dnipro hat sogar vor einigen Jahren die ganzen Zaunfahnen von Chernomorets geklaut, aber im Moment gilt dies alles zu vergessen und sich gegen den gemeinsamen Feind zu vereinen. 
Das Stadion von Chernomorets liegt im Park in der Nähe vom Zentrum. Errichtet wurde es vor drei Jahren an der Stelle der alten Spielstätte. Seit der Eröffnung des neuen Stadions lebt die Stadt vom Fussball, sodass es für ukrainische Verhältnisse ordentlich besucht wird. Doch die aktuellen Umstände wirkten sich auch negativ auf die Zuschauerzahlen im ganzen Land aus. Vor dem Spiel wurden die Vereinshymne und dann sogar die Nationalhymne gespielt. Früher wurde die Nationalhymne zum ersten Spiel der Saison überall gespielt, doch seit ein paar Monaten wird sie vor jedem Spiel abgespielt. Sowohl die Szenen von Odessa als auch Dnipro waren früher nicht mehrheitlich proukrainisch – viele waren nur Lokalpatrioten. Aber der aktuelle Konflikt ändert stark die Bevölkerung… Jetzt hängen bei beiden Szenen ukrainischen Fahnen und Fahnen der ukrainischen Marine im Block und man singt nationalistische Lieder. Der russische Präsident hat mit der Krym-Annexion das erreicht, was davor in der jungen Ukraine niemals der Fall war: Viele Ukrainer, die bis zur "Krim-Aktion" neutral zu Russland eingestellt waren, stehen mittlerweile voll und ganz zur Ukraine und kritisieren Putin für sein Vorgehen! Was letztendlich zu einer neuen Einheit in der Ukraine geführt hat!
Zum Spielbeginn war das Stadion eher mau gefüllt. Im Fanblock von Odessa hinter dem Tor standen ca 150 Leute. Doch zur Mitte der ersten Halbzeit füllte sich das Stadion langsam und so standen hinter der „Ultras Odessa Fahne“ um die 550 Fans. Die Stimmung vom Heimblock war ganz gut, sogar die Normalos wurden oft im Wechselgesang miteinbezogen. Nach dem Spiel feierte das ganze Stadion sehr ausgiebig – zu selten gewinnt man gegen solche starke Mannschaften. Die Gäste aus der 600 km entfernten Stadt Dnipropetrovsk waren mit 275 Fans am Start. Diese enttäuschten jedoch! Lediglich in der ersten Halbzeit war Dnipro einigermaßen zu hören.

Kommenden Donnerstag erwartet mich in Odessa noch das Spiel gegen eine weitere Topszene der Ukraine - Dynamo Kiew.

Fotos/Text: Experte 3